Protzen in den Wanderungen... (Fontane) Stand: 21.03.2014/10:30 [Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg, S. 570 ff. Digitale Bibliothek Band 6: Fontane, S. 6988 (vgl. Fontane-NA Bd. 9, S. 336 ff.)] Protzen               Im Westen schwimmt ein falber Strich,               Der Abendstern entzündet sich,               Schwer haucht der Dunst vom nahen Moore;               Schlaftrunkne Schwäne streifen sacht               An Wasserbinsen und am Rohre.                 »So hab' ich dieses Schloß erbaut,               Ihm mein Erworb'nes anvertraut,               Zu der Geschlechter Nutz und Walten;               Ein neuer Stamm sprießt aus dem alten,               Gott segne ihn, Gott mach' ihn groß.«   Annette Droste-Hülshoff     (Protzen bis zum Dreißigjährigen Krieg) Westlich, in unmittelbarer Nähe von Walchow, liegt Protzen, ein wohlhabendes Luch- und Torfdorf wie jenes. Es war immer, soweit die Nachrichten reichen,ein adliges Gut. Im vierzehnten und fünfzehnten und auch noch zu Beginn des sechzehnten Jahrhundertss aß hier eine Familie, die sich einfach nach ihrem Wohnorte nannte, also eine Familie von Protzen. Eine der drei Kirchenglocken (die größte) geht bis in jene Zeit zurück. Sie rührt noch aus der Zeit Albrecht Achills her, und trägt die Inschrift: Jhesu Criste rexgloriae veni cum pace samt der Jahreszahl 1476. Hat also schon zur katholischen Zeit die Gemeinde zur Kirche gerufen.   Den Protzens folgten um etwa 1522 die Gadows,die das Dorf hundertdreißig Jahre lang, von den erstenTagen der Reformation an bis zum Schluß des Dreißigjährigen Krieges, in ihrem Besitz hatten. Auch aus diesem Abschnitt existieren keine Überlieferungen. Aber wie von den Protzens her die älteste Glocke, so datiert von den Gadows her der älteste Abendmahlskelch der Kirche. Er ist vergoldet, von schöner Form,und zeigt, außer den drei Fischen des GadowschenWappens, die Jahreszahl 1584. In der Mitte, um den Handgriff herum, stehen einzeln die BuchstabenJ-E-S-U-S.