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Schulchronik Protzen

Stand: 09.03.2008

1. Schulchronik Protzen bis 1882, von Pfarrer Westphal

2.  Schulchronik Protzen bis 1928, von Lehrer Franz Friedrich Wilhelm Golm (pensioniert 1900) und dessen Sohn Lehrer Franz Golm (pensioniert 1928)

3. Schulchronik Protzen 1941, von Lehrer Wägner (?)

4. Schulchronik Protzen 1945/46, von Lehrerin Frl. Gertrud Kampe

 

Schulchronik von Protzen

 

Begonnen im August 1882

 

Wir beginnen dieselbe mit einer Übersicht über die Lehrer resp. Küster, welche seit Anfang des 17ten  Jahrhunderts hierselbst fungiert haben.

             

1.)  Herrmann Nohme, 1618

2.)  Christoph Kober,           1682

3.)  Thomas Baumann, 1695

4.)  Daniel Feuerherdt,gestorben 1743, den 9. Dec. schon vor 1730 hier

5.)  Peter Roehl, dem vorigen adjungirt, starb 12.Dec. 1756

6.)  Christian Bogenschneider, starb 86 Jahre alt im Jahre 1796

7.)  Friedrich Schroeder, dem Vorigen substituiert, starb 1801

8.)  Ernst Wetzel, von 1801 bis 1821

9.)  Friedrich Mertens, von 1821 bis 1875 hier bis 1863, gestorben in Neuruppin

10.)  Franz Golm, geboren zu Karbitz bei Jueterbock dem 12 ten August 1832 hier seit 1863

           

Angenommen das zwischen No.1 und No.2 noch Einer zu verzeichnen gewesen u. somit im Ganzen seit 1617 hier elf Lehrer gewesen, so würde auf Jeden ungefähr eine Dienstzeit von 24 bis 26 Jahren kommen. Von den fünf Erstgenannten wissen wir nichts Weiteres, als ihre Namen, die in alten im Turmkopf befindlich gewesenen Urkunden, sowie in dem von 1728 an datirenden alten Kirchbuche   verzeichnet stehen. Dieselben sind auch wohl allein nur Küster gewesen und haben mit dem Lehramt nichts zu thun gehabt.

 

Rückblick in die Schulverhältnisse früherer Jahrhunderte

 

Noch in der Mitte des vorigen Jahrhunderts sah es mit den Schulen sehr traurig aus, wie zu ersehen ist aus der Lebensgeschichte, des den 12 ten Januar 1745 oder 46 zu Zuerich geborenen, dem 17 ten Februar 1827 zu Birr gestorbenen Heinrich Pestalozzi.

Die jetzigen Volksschulen entstehen zu Zeit der Reformationen, nach dem Luther die Bibel ins Hochdeutsche übersetzt hatte und das Verlangen, dieselbe zu lesen, allgemein geworden. Dank der durch Johann Guttenberg 1436 erfundenen Buchdruckerkunst konnte dies verlangen erfüllt werden. Doch zuvor war es nötig lesen zu können. Es entstanden vereinzelte Leseschulen für Kinder. Die Bibel war gleichzeitig die Fibel. Man lernte eben nur lesen, etwas singen und einige Sprüche. Die Geistlichen waren zu gleich Lehrer. Später übertrug man das Lehrgeschäft  den Kirchdienern. Die Kinder zahlten pro Monat ein geringes. Die Haupteinkünfte brachte die Küsterei. Große Bildungsansprüche an den Lehrer nicht gemacht. Gewisse Fertigkeiten genügten.

Eigentliche Schulbücher gab es nicht. Die Kinder lasen in der Bibel, besonders in Psalter. Jedes Kind las für sich. Ein Kind nach dem anderem trat an den Tisch, wo der Meister saß. Dieser zeigte die einzelnen Buchstaben, nannte deren Namen; das Kind sprach sie nach, übte sich im erkenne und behalten, sprach dann die Namen der Buchstaben der Wörter hintereinander und lernten so mühsam das Buchstabieren und brauchten dafür gewöhnlich mehrere Jahre. Das Lehren, wie lernen war rein mechanische Arbeit. Auf das Verstehen des Gelesenen kam es nicht an. Die Silben wurden mit gleicher Stäke betont  und somit war dann Lesen ohne Ausdruck. Noch unnatürlicher und mechanischer geschah das Auswendiglernen. Die Kinder leierten Sprüche, Gesänge und Katechismus ohne Ausdruck und Verständnis eintönig her. Die Kirchenmelodien wurden solange vorgesungen, bis die Kinder sie nachsingen resp. Nachschreien konnten. So ging es zu in den Schulen des 16., 17 then und den ersten zwei Dritttheilen des 18 then Jahrhunderts. Man tractirte einen oder zwei Gegenstände. Das Lernen war mehr ein Abrichten.

Der Roheit der Zeit entsprach die Schuldisziplin. Durch den 30 jährigen Krieg war auch die Jugend sehr verwildert und musste erst durch die Schule gebändigt werden. Dies geschah durch den finsteren Ernst des Schulmeisters und durch harte Züchtigungen. Die Ruthe, der Stock und der Ochsenziemer waren die Werkzeuge, um das Wissen ein-, die Ungezogenheit auszupauken. Andre Zuchtmittel waren Knieen auf den Erbsen, Sitzen auf der Schandbank, Tragen einer Eselsmütze, stehen vor der Schulthür mit einem die Strafe bezeichnendem Zettel auf der Brust. Luther erzählt, das es an einem Vormittage in der Schule 15 mal auf dem Rücken gestrichen worden sei.

Mit Angst gingen die Kinder in die Schule, welche das Gespenst war, mit welchem die Eltern zu drohen pflegten. Der Lehrer war der gefürchtete Tyrann, Die Schule der Kerker, denn gewöhnlich war das Schullocal  nichts weniger als freundlich.

Gut das diese Zeiten hinter uns liegen und zu den Demipassati gehören!

 

Nach diesem Rückblick wollen wir nun zu den Lehrern dieses Ortes übergehen und berichten, soviel Auskunft die Acten über ihre Person und Wirksamkeit uns geben.

 

Christian Bogenschneider und Friedrich Schroeder

1757 – 1768 – 1801

 

Wir geben über diese Beiden den Bericht des Prediger Sachse, hier selbst von 1789 bis 1829 im Amte, zum Theil wörtlich wieder.

 

Bogenschneider, seit 1757 Küster, war zu meiner Zeit bereits ein abgelebter Greis. Er war früher treuer Diener der hiesigen ( also von Kleist`schen) Herrschaft. (1750 – 67 General Ulrich von Kleist, 1767 – 94 Gustav von Kleist Johanniterritter, bis 1810 die Witwe des Selben geb. von Briest Patronin, dann Louis von Kleist, Neffen des Ersteren, bis 1826).

 

Er ( Bogenschneider ) treibt den Unterricht ganz mechanisch und nach der Uhr, schneidert mit zitternden Händen, lässt aber keinen Fehler im Lesen und Buchstabieren durchgehen. Da er weder schreiben noch rechnen konnte und sich nicht verehelichen wollte (? Unleserlich geschrieben), so war ihm schon 1768 ein herrschaftlicher Diener und Schneidergeselle von 24 Jahren (Schroeder) zum Gehülfen gegeben, der eine gute Hand schrieb und bis zur Regula de tri rechnete. Der ernste Küster konnte den flüchtigen Adjunct nicht leiden, u. dieser durfte, das Schreiben und Rechnen ausgenommen, sich durchaus nicht in die Schulangelegenheiten mischen. Dies war ganz nach dem Wunsch des Schröder (aus Netzeband stammend), der nun ein regelloses Leben führen, spielen und trinken konnte. Jede Neuigkeit trug er bis an sein Ende von Haus zu Haus, brachte die Leute oft wieder einander auf, zog sich aber stets wieder durch unverschämte Lügen aus der Sache, daher er auch allgemein gehaßt, der Neuigkeiten wegen aber auch ebenso gern gesehen war. Von dieser abscheulichen Lebensart suchte ich ihn dadurch abzubringen, daß ich ihn für das Schulwesen zu interessieren mich bemühte. In das die wenigen Abende, die ich mit ihm über Schulen geredet, hatten ihm die Sachen so verleidet, daß er sich beim Patron beschwerte und um Abschied bat. Da der 46 Jahre alte Trunkenbold  nicht zu heilen war , so gab ich 10 – 12 Religionsstunden, wo ich die propädeutischen und gemeinnützigen Kenntnisse zu verwenden suchte, die eigentlich in der Schule hätten gelehrt werden sollen. Wie ich einige neue Bücher in die Schule einführte mit Bewilligung des Patrons, suchte er mich bei der Gemeinde als neuerungssüchtiger zu verdächtigen, womit er in deß keinen Eingang fand. Wie im Jahr 1796 endlich der treue 86jährige Bogenschneider starb, da sah es traurig in der Schule aus. Da Schroeder immer unruhig war und nie an einem Ort bleiben konnte, so musste ich bei einem Schulbesuch (Inspection) oft erst aus dem Kruge holen lassen. Der Patron war der Meinung, dass man mit ihm Geduld haben müsse. Zum Glück für die Schule störte der unmäßige Genuß des Fusels die Esslust und den Schlaf und führte ihn 1798 zum Wahnsinn und in die Charitee. Für den Winter 1798 / 99  wurde interimistisch ein unwissender und dabei sehr böser Mensch eingestellt, der sich aber bei der Küsterfrau und der Dienerschaft (?) einzuschleichen gewußt, ein Mensch, der alle Gestallten anzunehmen verstand, bald Bedienter, bald Schneider, bald Barbier gewesen sein wollte, sich aber bald bei der Gemeinde seine ?, seine Falschheit und schamlose Wollust verhasst machte. Ich war gar nicht zu Rathe gezogen, weil dieser Mensch sich bei der Patronin  anheischig gemacht, Ihren Bedienten zu zustutzen, den aber Referent und zwei andere Prediger bei der Vorbereitung zum hiesigen Küstereidienste so fanden, dass sie ihn für total unbrauchbar erklären mußten. Aber  seine Anstellung war im Ernste beabsichtigt, bei welchen Gedanken ich noch zittre.

Schroeder, zwar 1799 geheilt entlassen, war doch schulunfähig und starb den 2 ten Februar 1801. Erst nach seinem Tode besserte Subject (Verba ipsissima) als Vertreter zu suchen. In Folge dessen wurde Wetzel angestellt. ( den Namen des früheren Vertreters hat Sachse nicht genannt, aus unbekannter Rücksicht ihn verschweigend). Wetzel zahlte der Frau Schroeder für Beköstigung pro Monat drei Tahler. Dem Schroeder wurde für den Fall seiner Unverträglichkeit Emiretirung  angedroht mit einem Drittel des Gehaltes. Zum Glück dauerte dies Verhältnis nur vom 15 ten Januar 1801 bis zum Tode des Schroeder, den 2 ten Februar ej. A.

Schroeders Frau, Catharina Marie gebr. Gaedike erhielt als Wittwe auf Lebenszeit jährlich zu Martini 4 Scheffel Roggen von Wetzel unentgeldlich, d.h. Wetzel musste sich dazu verpflichten. Schroeders Kinder waren 1) Sophie verehel. Hildebrandt 2 9 Otto der blödsinnig resp. Taubstumm 3 ) Friedrich 15 Jahre alt. Ueber beide wurde Schmidt Lindenberg Vormund. Auf der Auction wurde eine 10 Jahre alte Kuh für 18 (?)     Verkauft. Die Auction ergab in der Summe 96 (?)    5 Silbergroschen.   

 

 

Ernst Wetzel hier 1801 – 21

 

Er ist geboren in Gartz den 9 ten Februar 1781, erhielt von seinem Vater, der dort Küster, den 1sten Unterricht, begab sich dann zu einem Onkel in Loegow, der Dort Küster war, um von da aus 1 ½ Meile weit entfernte Stadtschule zu Wusterhausen zu besuchen, und zwar täglich. Nachher kam er etwa 3 Jahre lang zum Prediger Sachse hier, um das Klavierspielen zu erlernen, auch sich im Rechnen und Schreiben zu üben, besuchte dann noch die Realschule in Berlin, bis er hierher vocirt wurde. Dies geschah im Februar 1821 Im Jahre 1823 heiratete er Dorothe Sophie Klehsen, Tochter des hiesigen Schulzen Johann Klehsen.

Im wsird folgendes Prüfungszeugnis ausgestellt:

Der seitherige Präparand des Schulhalterseminars zu Berlin Johann Ernst Wetzel hat bei diesem mit ihm angestellten Examen so gute Kenntnisse und Geschicklichkeiten bewiesen, daß ihm das Zeugnis seiner Tüchtigkeit zu einem Schulhalteramt und namentlich zum Adjunction in Protzen nicht hat versagt werden können. Wir wünschen, daß er stets einen gewißenhaften Gebrauch seiner Kenntnisse machen und in diesem selbst weiter fortschreiten und so recht viel Nutzen in der ihm anvertrauten Pflanzschule stiften möge.

                                                           Neu-Ruppin den 13ten Jan. 1801

                                                                       Schroener

                                                           Inspector der Schulen   

 

Wetzel ist (sagt Sachse) kein geborener Schulmann und wird nie etwas leisten ( später scheint Sachse dies Urteil sehr gemildert zu haben ) , aber er ist doch nicht ohne Anlagen die nur nicht bei dem mühsam genossenen Unterricht ausgebildet sind. Dennoch gehört er zu den Gebildeteren seines Standes, der über Dinge des gemeinen Lebens ein ungemein richtiges Urteil fällt. In vielen Dingen verräth er Geschick und hat sich zu einem Tischler und Uhrmacher herausgebildet. Er wird voraussichtlich einen alten Flügel in ein Piano verwandeln. Wie er dann überhaupt Maschinen und deren Mängel ungemein richtig beurteilt.

Er hat eine schwache Körperconstitution und schon mehrere Anfechtungen gehabt. Auf den sonntäglichen Gängen zum Filiale Stöffin ( Beide Dörfer wurden eine Zeitlang durch einen Küster verwaltet, wie noch später gezeigt werden wird) suchte ich den Wetzel zu belehren und zu wecken. Der Aufenthalt in der Realschule, sagte Wetzel, habe ihn viel genutzt, nur bedaure er, daß er in Aufsätzen und der Methode nicht genug geübt sei, und daß er, wie fasst alle Präbaranden, sich durch Schneiderei einen Nebenverdienst suchen müssen.

Seine Sitten sind fein genug und sein Gemüht ist redlich, sein Wandel rein und unbescholten.

Er hält auf Reinlichkeit der Schulstube und des Ansehens und hat auch ohne Strafmittel bei Kindern das nötige Ansehen.

Im Jahre 1809/10 waren 45 Schulkinder, 29 Knaben und 16 Mädchen.

Aus dem Bericht Sachse`s, die von der Regierung gestellten Fragen beantworten, ist folgendes noch zu entnehmen. Zu bemerken noch ist, Das die Berichte Saches viele Bogenseiten lang und oft ganz unleserlich sind. Sachse schein ein Freund vieler Worte und vieles Schreibens gewesen zu sein.     

 

Methode: Beim Schreiben geht er vom Grundstrich zu den kleinen, dann zu den langen, weiter zu den großen Buchstaben über, schreitet nicht zu rasch vor  und bildet da, wo sich Anlagen finden, gute Schreiber. Mit Pestalozzischen A B C macht er aus freien Antrieb einen Versuch, allein da ihm diese empfehlenswerthe Methode fremd war, die Kinder auch unregelmäßig die Schule besuchten, so wäre Fortsetzung nicht ratsam gewesen.

Orthographie nach der bekannten Weise. Dictieren, wobei zu weilen ein Kind an der Tafel vorschreibt, auch fehlerhaftes Anschreiben an der Tafel, wobei die Kinder den Fehler heraussuchen müssen.

Person des Lehrers: in der Gemeinde und bei der Jugend hatte er das nötige Ansehen, ob gleich nach seinem Körperbau und bescheidenen Wesen nicht imponiren oder durch pädagogische Kunstgriffe geltend machen kann. Man lässt doch seinem stillen Leben und Wirken Gerechtigkeit widerfahren. Es wird ihm daher kein lautes Lob, aber auch kein Tadel. Mit der Litteratur kann er, schlecht vorbereitet, nicht bekannt sein Er ist Mitglied eines vom Schulinspector Schröner gebildeten Lesezirkel.

 

Dorfbewohner: Ob sie gleich verständige Menschen sind, so lässt doch der häusliche Umgang noch viel zu wünschen übrig und die gesamte Umgebung wirkt auf die Kinder so, daß der Ton in der Landschule nicht wie in denen der Stadt sein kann. Die Kinder werden aber leidlich behandelt, sind folgsam und reden hochdeutsch, so daß man mit den Kindern zufrieden sein kann. Es würde freilich besser sein, wenn der Lehrer das Nachdenken mehr zuwecken, die Aufmerksamkeit zu fesseln und durch Witz und Lebendigkeit zu würzen wüsste.

Wenn ein Fremder in die sechs Fuß 2-4 Zoll hohe Schulstube träte, so würden die Ausdünstungen bald ihn nötigen sich zu setzen. Er würde einen kleinen Lehrer finden, über dessen Wesen eine an Furchtsamkeit grenzende Bescheidenheit ausgegossen ist. Eine größtenteils reinlich gekleidete Jugend würde ihn höflich begrüßen.

 

Aufsätze: Beistehende Aufsätze (stehen aber nicht in den Acten oder sollte die beigefügte Schrift aus Wetzels Hand „ Was verlangt man von einem Elementarlehrer in unseren Tagen?g ein Aufsatz von ihm sein? Scheint mir mehr eine Abschrift irgend einer Verfügung zu sein.) sind dem Lehrer reichlich sauer geworden, was ich umso weniger glaubte , da der Gegenstand so reichhaltig ist. Er würde damit auch nicht fertig geworden sein, hätte ich ihm nicht Anleitung gegeben. Ich weiß aber, dass er selbst gearbeitet hat, in dem ich ihn dabei ein paar mal traf. Bücher habe ich mit Absicht ihm während dieser Zeit nicht gegeben.

 

Der Lehrer machte diesen Winter einen Versuch mit dem Pestalozzischen  ABC, indem er versprach und die Kinder nachsprechen ließ. Die beiden Theile. Nur den Älteren schien diese Uebung langweilig zu werden. Diese Methode ist für unwissende Lehrer sehr zu empfehlen. Nur muß sie vor der allgemeinen Einführung noch in das rechte Licht gesetzt werden.

 

Inspection. Die Schule steht wie überall unter Leitung des Pfarrers, der sie vorschriftmäßig besucht. Confirmandenunterricht erteilte der Prediger von Oktober bis Pfingsten in seinem Hause und gibt wöchentlich 10 – 12 Stunden. Die einzusegnenden Kinder müssen 2 Jahre Theil nehemen. Dies, damit den vernachlässigten Filial-Kindern die nöthige Vorkenntnisse beigebracht werden und ihre Sprache sich bilde. (Sachse nahm dabei alles mögliche durch, wie Geschichte, Naturkunde ect.)

 

Nebenamt Er (Wetzel) treibt die Schneiderprofession noch, um einen verwaisten Neffen durch einen Gesellen anlernen zu lassen, sieht aber keinen Vortheil darin, da er nicht neben ihm arbeiten und in ein reger Thätigkeit erhalten kann . Ein Lehrer, der sein Geschäft mit Nachdenken treibt, kann keine Profession haben.

 

Sommerschule wird jedes Jahr zu Ostern begonnen, geht aber bald wieder ein. Sowie die Luft milde wird und die Natur erwacht, Der feld- und Gartenbau beginnt, so verliert sich die Lust.

Die Arbeiten erfordern Hände. Da in dieser Zeit jeder beschäftigt ist, ist keiner für Geld zu haben, zumal der Torfstich auch viele Hände erfordert. Dazu kommt, daß die Bauern, die Erbpächter des adeligen Gutes von 14 hufen sind.

 

Schulgebäude Dasselbe fand der jetzige Küster sehr verfallen vor und selbst viel gethan, es zu repariren. Da in einem Zimmer Speisen zubereitet und gekocht, kleine Kinder gewiegt, größere ?,  ein Gesell Kleider bügelt, Fremde, die etwas beim Lehrer zu suchen haben, unvermuthet eintreten und das Rasseln auf der stark befahrenen Hamburger Landstraße (allerdings war der Damm der Dorfstraße noch zu meiner Zeit, also 1840 – 50, horribel) einige Störungen verursachte, so ermunterte ich den Lehrer zum Bau einer besonderen Schulstube, wozu aber die Gemeinde, einige Fuhren abgerechnet, nichts zugeben wollte, die Patronin aber nur 15 (?) bewilligte ( hat Sachse etwas zugegeben? Scheint nicht so) und so fing denn die Arbeit an, die ihm viel Geld gekostet hat, indem sie andere Veränderungen nach sich zog. Da das Haus in den Stielen zu niedrig ist, so hätten über die Balken andere Querbalken gelegt werden müssen. Aber der Ausgaben wegen blieb es und die alten Stubenfenster wurden auch in das Lehrzimmer gebracht, die nicht höher waren als die der Tagelöhner, und weniger Luft gaben. Die Reparatur, die seit meinem Hiersein allein von der Gemeinde besorgt worden, hat stets starken Widerspruch gefunden, weniger indeß unter den jetzigen Schultzen. Je mehr dergleichen der Willkühr der Gemeinde überlassen wird, desto unwilliger werden sie. Klüglich muß der Lehrer sich um die Gunst der etwas zusagen Habenden bemühen und doch noch Jahre lang auf Ausführung warten. ( Ist heute noch nicht viel anders, ob wir gleich 1882 schreiben ) ( Auch das 1828 gebaute Pfarrhaus war damals schon sehr reparaturbedürftig und konnte Sachse somit aus Erfahrungen sprechen.)

 

Das Schulzimmer heizt die Gemeinde, und soll ein Gespann habender Bauer ein Fuder Holz, ein Arbeiter 6 Groschen für ein Kind geben. Es herrscht hierin viel Willkühr und muß sich der Lehrer über Schad3en hinwegsetzen.

Inventar der Schule ist 1 Tisch, 6 Bänke, 18 Schiefertafeln, eine Wandtafel, wozu der Prediger die Bretter gab und der Lehrer sie anfertigte.

Der hiesige Küster erhebt seit undenklichen Zeiten, und wie der Patron versichert, nach einem rechtskräftigen Erkenntnis die im Verzeichnis bemerkten Gelder von Filial (wofür? Wahrscheinlich für von Protzen aus mitbesorgte Küstereidienste.                                               

 

Kornpreis Der Korn gilt am Markt nicht immer 1 (?) und kann künftig mehr fallen. ( Hierin hat sich Sachse geirrt, heute kostet der Scheffel Roggen laut Rentenablösung etwas über 2 (?); so ändern sich die Zeiten  und die Preise.) Obgleich diese Stelle zu den besten gehört, hat die fleißige, sparsame Lehrerfamilie doch nur ein notdürftiges Auskommen. Es müsste, sagte Sachs, der Lehrer wenigsten 250 (?) haben.

 

Beschwerde. Küster, Schneider, Hirten (einige Zusammenstellungen ) beklagen sich oft über die schlechte Beschaffenheit und das Maaß des gelieferten Messkornes. Man soll ihnen das Leichtere, beim Würfeln zurückgebliebene geben. Das wäre wirklich unverantwortlich. Eine Klage dagegen würde nichts helfen, da der Bauer vorgeben könnte, er habe kein beßres Korn gewonnen. Man gebe den Lehrern, wie Erbpächtern die Wahl unter dem Korn in natura oder unter dem Gelde in vierteljährigem Marktpreis. So verliert der Lehrer beträchtlich, da er das gelieferte Korn auf seine Kosten nach der Stadt fahren lassen, beim Verkauf auf dem Markte selbst aber nicht zugegen sein kann wegen der Schule, zumal wenn das Korn unter dem Maaße geliefert ist.

 

Da, wo Hofdienst ist, müssen die Kinder in Stelle des Gesindes treten. Daher 2 Wochentage Schulten zu halten, in der Roggen- und Heuernte ganz zu schließen sich empfiehlt.

 

Um diese Zeit (1810)sollte ein Schulvorstand ernannt werden. Sachse bemerkt, daß sein neuer Patron Major von Kleist gegen diese ganz neue Einrichtung als einen Eingriff in sein Recht Protest erhebe Louis von Kleist scheint, wie aus seinen Briefen an Sachse zu ersehen ist, sehr rechthaberisch und zugleich willkührlich gewesen zu sein, der dem Prediger viel Umstände und Schreibereien bereitete. Mit dem Proteste gegen die Einführung von Schulvorstehern ist er selbstredend nicht durchgedrungen, da die Regierung ihren Willen durchsetzte.

 

Sommerschule. Auf einer Anfrage, ob solche 1811 errichtet sei, schreibt Sachse: Da hier kein Schulvorstand errichtet ist und kein Schulgeld gegeben wird, indem für Haltung der Freischule dem Lahrer 12 (?) aus dem Kirchenfonds gezahlt werden, so haben wir nach alter Weise nur Dienstag und Freitag Sommerschule, die auch einige Wochen von wenigen Kindern besucht werden, bis auch diese mit Zunahme der Arbeit wegbleiben. Wollte Gott, die Sommerschule hinge bloß vom eifrigen Wirken des Predigers und guten Willen des Lehrers ab! Wird die Sommerschule dem Belieben der Eltern überlassen, muß der Lehrer seinem Wirken ermüden. In Stöffin musste die Sommerschule ausbleiben, da gegenwärtig kein Lehrer da ist, auch das ganze Haus repariert und die Schulstube umgebaut worden ist.

Es kommen nun bogenlange Instructionen für die Schulvorsteher. Auch im Jahre 1813 /14 waren letztere hier noch nicht eingeführt.

 

Lob der Regierung, unterzeichnet von Natorp und Eilert vom 16ten März 1814,  an den Superintendenten Schroener, darin die Verbeßrung und Hebung der Schulen im Allgemeinen anerkannt, als besonders verdient werden namhaft  gemacht Lehrer Heise aus Wildberg, Wetzel aus Protzen, Zeumer aus Walchow, Sipperlein zu Manker, Fielitz zu Gartz, Noehling zu Bechlin. Der Fortschritte besonders im Singen bedeutend in Walchow, Wildberg und Protzen. Hinsichtlich des Gesanges berichtet noch Sachse in einem Schreiben vom 13ten März 1816, daß aber nach dem Fortgange der eingeübten guten Sänger zu Ostern fast lauter schlechte Kehlen zurückgeblieben seien. Von 24 Kindern können nur 10, von 15 Mädchen nur 8 am Gesang Theil nehmen.

 

Tod von Wetzel – erfolgte am 21 April 1821. Sachse rühmte ihm im Kirchbuche nach, daß er ein an Kopf, Herz und Berufstreue seltener Lehrer gewesen sei. Dies ehrenvolle Zeugniß wird bestätigt von allen noch Lebenden, die ihn gekannt haben. Er hinterließ eine Wittwe mit zwei Söhne 1) Läre geb. den 4.Oct.1806 2) Ferdinand Ludwig geb. am 9.Nov. 1816 und einer Tochter Juli, geb.30ten Nov. 1810. Der eine Sohn studierte Theologie, hatte aber nicht die Mittel zum Weiterstudium und widmete sich dem Schulfache. Er lebt und fungiert noch heute (1882) als Rektor in Cremmen. Der 2 te Sohn, schon vor langer Zeit gestorben, war zu letzt Lehrer in einem Dorfe bei Nauen resp. Brandenburg.

Nach dem Tode Wetzels verwaltete die Schule interimistisch einer der beiden Söhne, wie aus einem Briefe Sachses an den Patron erhellt. Es heißt darin: Ew. Hochwohlgeboren haben verfügt, daß der Sohn des verstorbenen Lehrer Wetzel interimitisch den Unterricht hier ertheilt und hoffe ich, daß die Jugend darunter nicht leiden werde, da ich dem selben zuhülfe komme. (Sachse, 1829 im Alter von 67 Jahren gestorben, nachdem er hier 40 Jahre gewesen, war damals auch schon im 60ten Jahre). Nur der Mangel an Schulgesetzen ist mir unter diesen Umständen Fühlbarer als sonst geworden, denn theils stand der Verstorbene in zureichender Achtung, theils ertrug er nach seiner sanften Gemühtsart Unbill in Geduld, als daß er davon auch mir hätte Anzeige machen sollen. Es läßt sich aber keine Schule ohne Gesetz denken. Wo kein Gesetzt waltet, da fehlt die Ordnung und mit dieser der Erfolg. Ein ganz gewöhnlicher Lehrer kann, auf das Gesetzt gestützt, segensreich wirken und sich Achtung erzwingen, indeß der talentvolle ohne Schutz des selben zum Gegenstand des Spottes werden kann. Die Gesetzen setzen ungebührliche Anmaßungen der Eltern  Schranken, die schlechterdings nicht zu duldenden Einmischungen in das Innere des Unterrichts verhüten und keine Störungen des Schulbesuches nach bloßer Willkühr  gestatten. Wie oft wurden die Lehrer bisher öffentlich gekränkt, wenn sie auf die pflichtmäßige Nachfrage wegen versäumter Lehrstunden die trotzige Antwort vernahm: „Sollte nicht zur Schule kommen, Vater wollte nicht.g Es erschien den Eltern lächerlich, Erlaubnis nach zusuchen. Sah doch der Lehrer, wenn das Kind fehlte. Wenn nun ein Kind ernsthaft zurechtgewiesen, vollends wenn es bestraft wurde, dann nahmen es die Eltern in Schutz, gaben ihren Unwillen dem Lehrer nicht persönlich zu erkennen, weil sie dann von ihrem Unrecht würden überführt worden sein, sondern gossen die Schmähungen über denselben aus in Gegenwart von Schulkindern, durch welche Sie dem Lehrer Grobheit sagen ließen. Da muß der treueste Mutlos werden. Wer mag es ohne Schutz der Gesetze dann mit den eigensinnigen Eltern aufnehmen? Nein, nur das Gesetz kann solch ungezügelte Launen bändigen, solchen Kränkungen und Anmaßungen ein Ziel setzen.

Die Schüler im Alter von 6 bis 13 Jahren können unmöglich einzeln, sondern nur in 3 Abteilungen unterrichtet werden. Wenn nun die Schüler einzeln bis Weihnachten kommen und diese noch oft ohne Noth blos um häuslicher Verrichtungen willen, wie z. B. Waschen, Brauen (jeder Wirth braute damals noch selbst sein Bier), Backen, Schlachten, Erdaufladen, Dreschen etc. versäumen, so müssen die Abtheilungen auseinander kommen, wobei die fleißigen Kinder am meisten leiden. Solche Willkür ist das Grab des Fleißes, der Ordnung und der Methode.

Also lautet der Bericht Sachse`s, aus dem nur Einiges hier mitgetheilt worden. Derselbe ist insofern lehrreich, als es noch heute nicht Wenige unter den Dorfbewohnern giebt, welche genau über die Schule so denken wie ihre Vorfahren, vor 60 – 70 Jahren. Auch heute hält es auf dem Lande noch schwer, einen regelmäßigen Schulbesuch zu erzielen. Besonders sind es die kleinen Leute, welche ihre eigenen oder gemietheten Kinder vom Schulbesuch anhalten und, falls dafür mit Geldstrafe belegt, nicht wenig über „ Prester und Kösterg raisonieren. Aber auch unter den verständiger sein sollenden Wirthen sind solche, welche aus Eigennutz, besonders die Hütejungen vom Schulbesuch zurückhalten. Man sieht, wie lange es dauert, eingebürgerte Unsitten und Missbräuche zu beseitigen. Wie wenig Werth noch heute viele, nicht blos auf dem Lande, sondern auch in der Stadt, besonders die ärmere Klasse, auf die Schule und die Schulbildung legen, würde mit Aufhebung des Schulzwanges recht grell offenbar werden. Noch heute gedenken einige Wirthe der schulfreien Sommerzeit mit einer gewissen angenehmen Rückerinnerung und diese würden es gern sehen, wenn solche Zeit wiederkehrte. Der ärmeren Klasse aber würde vollends damit gedient sein.

                                   Geschrieben im August 1882 vom

                                                           Prediger Lothar Westphal.

 

 

Küsterei von Protzen und Stoeffin vereinigt.

 

Aus einem besonderen Actenheft geht hervor, daß die Küsterei (aber nur diese, nicht die Schulhalterei) bis zum Jahre 1822 vereinigt gewesen ist. Der Lehrer Wetzel erhielt für Leitung des Kirchengesanges einen Wispel 16 Scheffel. Erst im Jahre 1822, also nach Wetzel Tode, wurde die Trennung aller derartigen verbundenen Küstereien von der Regierung beantragt und auch für Protzen und Stoeffin durchgesetzt. Die Wittwe Wetzel einigt sich mit dem Lehrer Fischer zu Stoeffin in der Auseinandersetzung. Also von 1822 datirt die Trennung der Küsterein. Der schon sehr hinfällige Wetzel musste oft zu Fuß in Wind und Wetter den an sich noch im Alter noch sehr rüstigen, ziemlich großen Prediger Sachse begleiten, was ihm oft recht sauer geworden sein mag. Eine frühzeitiger erfolgende Trennung der Küstereien wäre ihm gar nicht recht dienlich gewesen. Die Trennung der Küstereien scheint übrigens mit Schwierigkeiten verbunden gewesen zu sein und erst durch den Tod des pp Wetzel erleichtert worden zu sein. Weder Sachse noch Kleist Scheinen für die Trennung gewesen zu sein und dem sie beantragenden Grafen von Koenigsmark die Sache schwer gemacht zu haben.

Die Einnahmen zu Wetzels Zeit betrug für Protzen 87 (?) 22 sgr 6 pf,  für Stoeffiner Küstereidienst 41 (?) 9 srg., in Sa. Also 129 (?) 1srg. 6 pf. Außer den zu 36 (?) 16gr. berechneten 1 Wsp. 16Sch. erhielt Wetzel noch aus Stoeffin an Wurst, Eier und Accidenziengeld in Sa. 4 (?) 5 sgr.

Mertens, der Nachfolger von Wetzel, rechnete sogar nur 51 (?) 22 sgr. heraus und beschwert sich über die geringe Einnahme, bei der kein Bettler bestehen könnte.

Zu bemerken bleibt, dass laut der Acten  der Lehrer für das Halten der Winterschule aus der Kirchkasse (also nichts von den Eltern) 10 und für die an 2 Tagen wöchentlich zu haltende Sommerschule 2 (?), in Sa. also nur 12 (?) erhielt. Die 24 Morgen Wurden zu 12 (?) berechnet, also pro Morgen nur 172 (?) ( jetz gelten 24 Morgen 120(?) ). Die 2 Wsp. 8 Metzen Messkorn waren zu 44 (?) 11 sgr. berechnet, die Accidenzien zu 3 (?) 8 gr., das Nutzholz zu 6 (?), Die Sommernutzung von 2 Kühen zu7 (?). Diese Berechnung war noch zu Wetzels Zeit. Danach würde sich die Einnahme in 60 Jahren um das 5 1/2 fache vermehrt haben. Die Stoeffiner Stelle incl. Küsterei brachte nur ca. 71 (?). Wie die Menschen damals fertig geworden, begreift man oft nicht. Doch vergisst man, daß die Lebensmittel damals äußerst billig waren und, was die Hauptsache, die Menschen einfacher, anspruchsloser und nicht so verwöhnt waren wie jetzt.

Als Grund der Trennungen der Küsterei von Protzen und Stoeffin führt Graf Königsmark, Patron von Stoeffin, in seinem Schreiben an die Regierung an, daß der Lehrer von Protzen auch ohne Einnahme von Stoeffin genug zu leben habe, ja mit der Einnahme in Ueberfluß schwelge, während der Küster zu Stoeffin darben müsse. Diese Bemerkung „von in Ueberfluß schwelgeng Verdroß den Prediger Sachse, und er weiß der Regierung nach, daß der Lehrer von Protzen ohne die Stoeffiner Einnahmen ebenfalls darben müsse und von Ueberfluß nicht die Rede sei.

 

 

 

Friedrich Mertens. 1822-63, geb. 1794, gestr. 1875

War geboren den 13 ten Mai 1794, Sohn des Schuhmachers Mertens zu Wusterhausen. Auch er hat , wie es scheint, eine Profession lernen sollen, denn Sachse berichtet, daß er anno 1813 aus der Lehrer genommen worden, dann 6 Jahre unter der Garde gedient hat, und danach vollauf zu thun hatte, sich die zum Lehrfach erforderlichen Kenntnisse zu verschaffen. Er trat die Stelle hier Michaelis 1822 an. Den 6 ten September heirathet er die 12 Jahre ältere Wittwe seines Vorgängers Sophie Dorothee Kleßen, deren 2 Söhne u. 1 Tochter noch minorenn waren. Doch war der älteste Sohn schon 16 Jahre als. Die Ehe Mertens blieb Kinderlos. Die pp. Wetzel scheint sich in der neuen Ehe nicht sehr glücklich gefühlt zu haben, denn oft genug klagte sie über die Eigenthümlichkeiten ihres Mannes, welcher allerdings, so vortrefflich er sonst auch als Mensch war, doch seine großen Eigenheiten besaß. Eine ziemlich große, dürre Gestalt mit eingefallen Wangen, war er ein äußerst peinlicher, genauer und umständlicher Mann, der sehr gewählt und bedächtig , wenn auch nicht gerade gezeirt, sprach, einen gegeben Auftrag dreimal wiederholte, damit er nur ja recht besorgt würde. Er war ein so genannter Pedant und Umstandscommissar, der auch kleinsten Sachen auf größte Ordnung und Gewissenhaftigkeit achtete. Trotz seiner Hagerkeit und Schmalheit des Gesichtes entwickelte er eine gewaltige Eßlust und setzte auf Hochzeiten die Umsitzenden in Erstaunen durch die Portionen, die er verzehrte. Uebrigens  keine zu seltene Erscheinung, die gerade oft bei hageren, schmalbäckigen Leuten hervortritt. Die Dorfkinder, dem Beispiele ihrer Eltern nachahmend, kürzten den ihnen zu lang erscheinenden Namen Mertens einfach in Menz ab und machten gerade in der Schule von dieser Abkürzung fleißig Gebrauch.

Wunderbarer Weise hat Sachse über Mertens Lehrgaben und –leistungen gar nichts berichtet. Es muß ihm mit der Zeit das Schreiben sauer geworden sein oder er hat sich um die Schule nicht mehr so bekümmert oder Wetzel hatte dem Mertens so gut vorgearbeitet, daß dieser nur nach seiner Methode fortzufahren brauchte. Mertens, auch noch mein Lehrer in den Klementen gewesen, war ein seiner Zeit und seiner Ausbildung entsprechend leistungsfähiger Lehrer. Er schrieb eine ganz gute Hand, hatte die damals übliche Buchstabirmethode und verstand es, den Kindern die übrigen Wissenschaften, soviel als nöthig war und die Vorschriften geboten, beizubringen. Sein Lieblingsfach war die Geschichte. Im Winter wenn es nachmittags früh dunkel wurde, erzählte er gern aus seinen eigenen Erlebnissen, die er im Freiheitskriege gehabt. Dann vergaß er oft den Schluß zu machen und dehnte den Unterricht 172 Stunde länger aus. Im übrigen war sein Vortrag seiner äußeren Erscheinung entsprechend

Etwas trocken, er wusste aber gute Disziplin zu halten und schonte den Stock nicht, wenn es nötig war. Doch im ganzen kamen nur selten Klagen über zu harte Züchtigung der Kinder. Die schwächste Seite von Märtens war das Singen. Nicht leicht wurde ihm die Leitung des Kirchgesanges. Im schnellsten Wechsel und Tempo kam er vom höchsten Diskant zum tiefsten Baß, also daß niemand ihm folgen konnte und oft seine nichts weniger als angenehme Stimme allein ertönte. Etliche Schreier und falsch intonierenden Kirchsänger brachten ihn nicht selten zuweilen mit Absicht, heraus, so daß er die krampfhaftesten Anstrengungen machen musste, die Melodie zu halten, wobei sein Mund gerade keine sehenswerthe Parthie war. Da es damals noch keine  Orgel gab (schon Sachse hatte einen vergeblichen versuch gemacht, ein Harmonium anzuschaffen, der gestrenge Patron aber nicht seine Genehmigung dazu gegeben), stand damals der Küster in der Kirche mit den Schulkindern auf dem Chore hinter resp. neben der Kanzel, der Küster rechts, die kleine Abtheilung hinter ihm, die große links von der Kanzel, was für den Prediger oft recht störend war. Der Kirchgesang war oft derartig, daß die ganze Andacht dadurch gestört wurde und nahmentlich Fremde aus der Stadt

Sich darüber zu moquiren Ursache hatten. Es mag freilich in vielen Dorfkirchen damals nicht besser gewesen sein. Da wo keine Orgel ist, läßt heut der Kirchengesang noch viel zu wünschen übrig. Hier aber hatte man sich an Mertensschen Gesang zuletzt gewöhnt.

Von gewissen Eigenheiten und Leistungsmängeln abgesehen, war Mertens ein fleißiger, pflichtgetreuer, im Lob wie im Tadel gerechter, unparteiischer Lehrer, pünktlich im Beginn des Unterrichts, ernstlich bemüht, die Jugend im Wissen zu fördern und auf ihrer Erziehung bedacht. Lange Strafreden erhielten nach vorangegangener Züchtigungen diejenigen, welche ungezogen gewesen waren. Die Küstereidienste verrichtet er prompt und gewissenhaft. Gegen Vorgesetzte war er ehrerbietig und respektsvoll, ohne kriechend devot und augendienerisch zu sein. Er war graden Wesens und rechtschaffenen Charakters, ein Mann ohne Falsch und Heuchelei. Mit der Gemeinde stand er sich gut, wenn auch nicht in zu regen Verkehr mit ihr. Er lebte besonders in der letzten Zeit seines Hier seins mehr abgeschlossen für sich. Wenn auch seine Rechte sich nicht verkümmern lassend, war er doch friedfertig und verträglich. Da er sehr sparsam war, ob er gleich zu Hause seiner Person nicht abgehen ließ, gelang es ihm ein mit den Jahren für seine Verhältnisse nicht unbedeutendes Vermögen zu erwerben, so daß er in dieser Hinsicht unabhängig dastand und auf Fälligkeiten seitens der Gemeinde nicht angewiesen war. In seinen Reden war er äußert vorsichtig und nannte nie die Namen derer, welche über andere hinterbracht hatten. Dadurch vermied er unnützes oder schädliches Geklatsche. Er wirtschaftete lange Jahre hindurch selbst und hielt sich 2 bis 3 Kühe. Dieser Wirtschaft stand er mit peinlicher Ordnungsliebe vor. Er ging stets sauber gekleidet, wenn auch sein Anzug nur einfach war. Auch hierin zeigte sich sein sparsamer Sinn. Für seine Stiefkinder sorgte er mit größter Gewissenhaftigkeit und hatte er die Freude, seine beiden Söhne zu tüchtigen herangebildet zu sehen. Denn einen ließ er Theologie studieren. Doch bei der damaligen Fülle Theologen und der Aussichtslosigkeit, was die Anstellung anbetraf, widmete der selbe sich später, nachdem er eine weile als Hauslehrer fungirt, auch dem Schulfach. Es ist dies der noch heute als Rector in Kremmen amtierende Sohn namens.

     Mertens verlor seine Frau nach 26 jähriger, auf seiner Seite glücklicher Ehe durch den Tod den 6 ten Dezember 1848. Seitdem wirthschaftete ihm bis zu seinem 12 Jahre nach seiner Emeritirung zu Neu – Ruppin erfolgenden Tode seiner Stieftochter Julie Wetzel, welche unverheirathet blieb, und obgleich an der Seite des Vaters ein recht einsames und freudloses Leben führend, doch demselben treu war bis zu seinem Abschieden im Jahre 1875. Mertens wurde 81 Jahre alt.   

Nur angenehm kann es Mertens gewesen sein, daß bei der fast die ganze südliche, nach Luch gelegene Seite des Dorfes vernichtenden Feuerbrunst im August 1823, welche auch die andere Seite vom Gehöfte vom Berg – Fischer an (jetzt Invalidenhaus) bis zur Pfarre (deren Stall mit abbrannte) auch das alte baufällige niedrige Schulhaus in Asche gelegt. Dadurch bekam er ein neues Haus und eine Höhere, wie geräumige Schulstube. Leider wurde zum Bau des Hauses recht schlechtes Material genommen, in Folge dessen es noch heute an Feuchtigkeit leidet. Der Kleist-sche Inspector Mueller, Predigersohn aus Manker , soll besonders mit schuld an der Lieferung des Materials gewesen sein. Der Pfarrstall wurde aus ebenso schlechten Steinen gebaut. Kleist selbst freilich scheint auch in dieser Hinsicht das Schlechte für Pfarre und Küsterei gut genug gehalten zu haben. Denn Sachse hatte auch mit der Durchsetzung von Reparaturen an seinem Haus und Wirtschaftsgebäuden viel Mühe und durfte sich das Warten nicht verdrießen lassen. Es sind diese Verhältnisse leider ja heute noch zum Theil ebenso. Mit Bauen darf man Gemeinde und Patronen nicht gern kommen, auch wenn sich alles gut und fest bauen lassen. Pfarre und Küsterei gelten in dieser Hinsicht als böse Lasten und nothwendige Uebel. Doch genug hierüber.

 

Im August 1823 machte der Konsistorialrath Klotz eine Schulreise durch den Kreis Ruppin und die Priegnitz. Er war sehr ungehalten über die schon vor 10 Jahren beantragte Einführung der Sommerschule, die aber noch nicht in Protzen geschehen war. Der Ortsschulze wurde aufgefordert, für tägliche Sommerschule Sorge zu tragen. Es wurde hingewiesen darauf, wie die Kinder im Sommer alles wieder verlernten, Verwilderten und alle Lust zum Lernen verlören. Die Gemeinde wendet ein, daß ohne Genehmigung des Patrons keine Veränderungen stattfinden dürfte. (Die Gemeinde versteckt sich also schlauer Weise hinter dem Patron!!) in Folge des Drängens der Regierung musste Sachse die einzelnen Väter berufen und zur Erklärung auffordern. Die Erklärung jedes Einzelnen lief daraus hinein, daß man sich fügen würde, wenn der Patron die Aenderung genehmigt. Einige wandten sehr richtig ein, daß, wenn die Regierung zu befehlen habe, ja des Einzelnen Beifalls resp. Widerspruchserklärungen überflüssig seien. Schließlich sagte sie, sie wollten sich die Sache noch bereden. Sachse sah bald ein, daß die Widerwilligen nur Zeit gewinnen wollten, um die Geneigtseienden auf ihre Seite zu ziehen. (Es ist genau ebenso noch). Denn schon den anderen Tag erklärte die Gemeinde in chora, es solle alles so bleiben, eine Sommerschule sein nicht nöthig, sondern nur eine Freischule, in die nach Belieben im Sommer geschickt würde u. die aus der Kirchenkasse bezahlt werde. Besonders Schulgeld noch zu zahlen war keiner geneigt. Der Lehrer habe genug einkommen. Nur versprach man, die Kinder pünktlich zur Schule zu schicken. Sachse bemerkte darauf in Schreiben an die Regierung, daß der Lehrer durch Entziehung der aus Stoeffin früher zufallenden Einnahme durchaus nicht Ueberfluß habe und ohne Schulgeld nur kümmerlich bestehe.

Aus einem Schreiben der Regierung vom 27 October 1826 geht hervor, daß die Einführung eines Schulvorstandes, die schon vor 2 Jahren beantragt worden, noch nicht vollzogen sei. Endlich wurde die Sachse geregelt, in einer Verhandlung mit der Gemeinde den 10 ten Mai 1828. Letztere wendete noch ein, , daß, wenn der Lehrer pro Kind noch besonderes Schulgeld empfange, er solches doppelt habe, da er jährlich für Schulhaltung 12(?) aus der Kirchkasse erhalte. Jedenfalls sei aber 1 (?) 10 sgr zu viel, 1 (?) sei genug. Mertens erklärte, daß er, da 52 schulfähige Kinder seien, in SA. 69(?) 10 sgr erhalten würde, wenn nämlich jedes 1(?) 8 gr zahle. Er würde mit einem Fixum von 60 (?) zufrieden sein, wie vorgeschlagen sei, sich auch gefallen lassen, daß der Ueberschuß des Schulgeldes, dies Jahr 9 (?) 10 sgr theils zu Gunsten der etwaigen armen Schulkinder, theils zur Anschaffung des Lehrapparates verwendet würde. Der die Verhandlung leitende Commissarius hatte zuvor nämlich bemerkt, daß bereits in den anderen hiesigen Luchdörfern Schulgeld gezahlt werde, in denen die Lehrer resp. Küster ebenfalls ihre Haupteinnahmen aus den Grundstücken bezögen. Die Anwesenden erwiderten darauf, daß die 12(?) aus der Kirchkasse dann fortfallen müsste, da dieselbe so schon sehr erschöpft sei, auch keine Docomente über das Entstehen dieser Zahlung verhanden seien. Auch die Zahlung der 12 (?) fallen zu lassen, erklärte sich Mertens bereit. Hierauf kam die Einigung zustande und es wurden zu Schulvorstehern ernannt 1) der Vollbauer Christian Wilke, 2) der Einhüfner Martin Dittmann, 3) der Kosath Christoph Buenger. Der Schmiedemeister Carl Draeger.

Die Zahlung des Schulgeldes begann mit dem 1 sten Juni d. J. und zwar 5 (?) pro Monat oder 15 (?) quartaliert.

Als Mertens sich im Jahr 1863 pensionieren ließ, schenkt ihm die Gemeinde als Zeichen der Verehrung einen Lehnstuhl. Wunderbarer Weise ist er während der 12 Jahre, die er in Neu Ruppin verlebte, niemals wieder hier bei jemanden zu Besuche gewesen. Er lebte daselbst mit seiner Stieftochter Julie Wetzel ganz für sich und verkehrte mit Niemandem. Bald nach seinem Abgang von hier erhielt er das allgemeine Ehrenzeichen. Von seinen Verwandeten in Wusterhausen erhielt er höchst selten Besuch. Sein peinlich pedantisches Wesen machte ihm eben zum Umgang mit andren nicht sehr geeignet. Auch mit seinen Kollegen Weßholz in Walchow und Schneider in Manker hatte er keinen Verkehr, nur auf dem im laufe der Zeit eingeführten Konferenz kam er mit den Kollegen zusammen. Wie auf dem Lande von den Dorfbewohnern oft viel mehr beim Lehrer Gewicht gelegt wird auf Gesprächigkeit und Unterhaltungsgabe als auf Gediegenheit des Wissens und des Charakters, dafür war der erwähnte Lehrer Schneider in Manker ein lebendes Beispiel. Derselbe war als Lehrer sehr mangelhaft oder doch keines Wegs sehr tüchtig, aber er wusste mit den Leuten zu Reden und bei den Bauern sich einzuschmeicheln, wobei seinen Frau ihm tapfer assistierte. Mit süßlicher Freundlichkeit verstand er es sich beliebt zu machen, bald den Bauern, bald dem Prediger zu Munde redend, vor letzterem schöne, fromme Worte fleißig verwendend. Er stand sich in der Folge dessen nicht schlecht bei der Gemeinde, ward gut futirt und honorirt; Wurst, Eier und Kuchen wurden reichlich geliefert und ersparten im das Schlachten und Backen. Der gute, vertrauensselige, arglose Pastor Kornemann zu Manker vermochte den Biedermann nicht zu durchschauen. Erst unter seinem Nachfolger, freilich auch zu dessen großen Schrecken, kam es an den Tag, daß der pp Schneider mit den Schulknaben Unzucht getrieben. Zehn Jahre Zuchthaus waren seine gerechte Strafe. Es erregte dieser Vorfall damals unter den Lehren große Entrüstung. Schneider überstand diese zehn Jahre ohne Schaden des Leibes, und kennzeichnend für ihn war, daß er nach der Entlassung aus dem Zuchthaus seinen Wohnsitz wieder in Manker nahm, wo er hochbetagt  im Jahre 1877 gestorben ist. Vor solchen mauvais sujets ist die hiesige Gemeinde seit des erwähnten Schroeders Zeit glücklich bewahrt geblieben.

Die Fortsetzung dieser Chronik überlasse ich dem jetzigen Lehrer und Organisten Franz Golm, einem sehr tüchtigen, musikalisch sehr beanlagten, bei den Schulvisitationen stets rühmlich bestanden Schulmanne und will zum Schlusse nur einige statistischen Notizen, betreffend die Bewegung der Zahl der Kinder seit circa 50 Jahren hinzufügen. Bemerkt sei außerdem noch, daß im Jahre 1869 durch freiwillige Beiträge der Gemeinde, des Patrons und des Predigers eine Orgel, aus einer alten hergestellt, angeschafft und aufgestellt wurde, wodurch dem Lehrer eine wesentliche Erleichterung zu Theil ward. Mein Vater, der Prediger Westphal, hierselbst von 1830 bis 1871 activ, als Emeritus zu Wiesbaden im December 1881 gestorben, überließ die Schulangelegenheiten mehr den Lehrern, wissend, daß er ihnen vertauen konnte, und habe ich keine Veranlassung von seinem Beispiele abzuweichen, um so mehr, da die jetzige Ausbildung der Lehrer auf den Seminaren eine so gründliche und vollkommene ist, daß, wenn ernster Wille, Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit mit der Bildung sich vereinen, die Erfolge nicht ausbleiben können. Mein Vater, ein Freund der Kürze und langathmigen Berichten abhold, hat keine dickbändigen Acten über Schule hinterlassen und ist deshalb aus seiner Amtszeit wenig zu berichten. Es ging unter ihm im ganzen stets ruhig und friedlich zu und ist dieser Zustand bis jetzt so geblieben, zumal da die seit 1874 neu eingeführte Kirchen und Synodalordnung mit Schulen nichts zu tun hat, was ein großer Segen ist.                                                                        

                                                           Protzen, den 30 ten August 1882

                                                                       Gez. Westphal, Prediger

 

 

Wie schon ihm Vorigen bemerkt wurde, bin ich, Franz Friedrich Wilhelm Golm in dem Dorfe Körbitz bei Jüterbog geboren im Jahre 1832 am 12 August. Mein Vater war auch Lehrer, und ich war von seinen drei Söhnen der älteste. Nach meiner Einsegnung wurde ich von meinem Onkel, später auf der mit der höheren Bürgerschule verbunden Präparandenanstalt zu Jüterbog für das Seminar vorbereitet. Nach bestandener Aufnahmeprüfung machte ich auf dem Seminar bei Potsdam den damals gebräuchlichen zweijährigen Kursus durch und wurde 1852 mit dem Zeugnisse No.II = gut entlassen. Während meiner Seminarzeit wurde das Seminar nach Cöpernick verlegt, so das ich ein Jahr in Potsdam und ein Jahr in Cöpernick zubrachte. Gleich nach meinem Abgange vom Seminar, zum 1. October 1852, erhielt ich eine Anstellung in der Stadtschule Fehrbellin. In diesem Amte amtierte ich 11 Jahre zuerst in einer Unterklasse, später in einer Mittelklasse und in den letzten Jahren als Lehrer derersten Töchterklasse. In Fehrbellin verheiratete ich mich mit Pauline Blanik, Tochter eines dortigen Schlossermeisters. Folgende Kinder wurden uns geboren: 1. Hedwig, 2. Ida, 3 Antoni, 4. Franz. Weil damals die Gehälter in Fehrbellin nicht sonderlich waren und vorläufig auch keine Aussicht auf Besserung war, bewarb ich mich um  die Adjunctur der Küster- und Lehrstelle in Protzenin der Hoffnung mich auf dem Lande mit meiner Familie besser durchbringen zu können. Leider habe ich an diesem Orte 13 schwere Hungerjahre durchmachen müssen, weil ich so lange ein Drittteil des Gehaltes an den Emiritus Mertens abgeben musste. Dazu kam, daß bei den steigenden Bedürfnissen der heranwachsenden Kindern, deren Zahl durch den in Protzen geborenen Paul vergrößert wurde, die Einkünfte der Stelle sich verringerten, weil die Zahl der Schulkinder von 90 auf 46 herunter ging. Mertens hatte die Stelle mit 380 Rhlr. Veranschlagt. Meine zwei drittel Stelle wurde immer kleiner, während der Drittteil des Emeritus sich gleich blieb.

 

Gehaltsaufbesserung

Der Nachfolger des vorigen Lehrers ist dessen ältester Sohn Franz, welcher die Stelle am 1. November 1900 antrat und vorher Lehrer in Wiesenbad bei Annaberg im Königreich Sachsen war. Er besuchte das Seminar zu Kyritz von 1879 bis 1882 und war nacheinander Lehrer in Langen Krampfer bei Perleberg, Wiesa und Wiesenbad im Erzgebirge. Die von seinem Vater im vorigen geschilderten traurigen Gehaltsverhältnisse wurden im Laufe der Jahre bedeutend  gebessert. Im Jahre 1870 kauften zwei Neuruppiner Kaufleute Genz und Klehsen, den Torf des hiesigen Luches. Sie bezahlten für den Morgen 300 bis 400 Taler unter der Bedingung, daß die Grundstücke nach 15 Jahren den Besitzern wieder zurückgegeben werden sollten. Auch die zur Schule gehörige Weide von 11 Morgen wurde von Genz für circa 9000 M erworben. Obgleich der Unternehmer Bankerott machte, Zahlte die Deutsche Bank, welches das Grundstück übernahm, die ganze Summe der Gemeinde Protzen aus. Von diesem Gelde bezog der Stelleninhaber die Zinsen. Durch Minesterial-Erlaß vom 28.Juni 1890 wurden die ersten Alterszulagen im Höchstbetrag von 500 Mark eingeführt. Eine weitere Aufbesserung erfolgte durch das Gesetz vom 03.März 1897, wodurch das Höchsteinkommen der Stelle auf 2700 M und freie Wohnung stieg. Das jetzige Höchstgehalt, welche durch das Dotationsgesetz vomccccc noch bedeutend weiter gestiegen ist, beträgt 4194 M nebst freier Wohnung. Am ersten November 1900 ließ sich der Vater pensionieren und zog nach Neuruppin, o er am 9. Oktober 1908 starb. Er bezog ein Ruhegehalt von 2111 M, besaß den Ehrentitel Kantor und erhielt bei seinem Abschiede den Adler der Inhaber des Königl. Hausordens von Hohenzollern.

 

Der Neubau der Schule.

Zu Anfang des neuen Jahrhunderts war bei einer Einwohnerzahl von 556 Seelen die Zahl der Schulkinder auf 115 gestiegen. Auf Drängen der Königl. Regierung sollte nun ein zweiter Lehrer angestellt werden. Dazu war ein Neubau der Schule erforderlich. Der Patron, Herr Rittergutsbes. Legde, weigerte sich zu nächst, sich daran zu beteiligen und gab der Gemeinde anheim, sich selbst auf einem erst zu erwerbenden Grundstücke eine zweite Schule zu bauen. Weil man zu keinem Ziele kam, schickte endlich die Königl. Regierung in Potsdam eine Kommission nach Protzen bestehend aus einem Regierungs – Assesor, dem Landrat und dem Kreisbaumeister, welche mit dem Patron der der Gemeinde verhandeln sollten, das alte Schulgrundstück zum Neubau benutzen zu dürfen. Die größere Hälfte des alten Hauses welche den Unterrichtsraum und einige Räume der Lehrerwohnung enthielt, sollte abgerissen und darauf mit Zuhilfenahme eines Teiles des Schulgartens zwei moderne Schulklassen und darüber eine Wohnung für einen unverheirateten Lehrer erbaut werden. Für die fehlenden Räume der ersten Lehrerwohnung fand sich der Patron bereit, am westlichen Giebel des alten Schulhauses auf eigene Kosten einen Anbau zu bewerkstelligen, in dessen Kellerraum auch eine Waschküche vorgesehen war,. Dieser Plan ist auch ausgeführt worden. Der Kreisbaumeister fertigte nach den nötigen Vermessungen einen Bauplan an und veranschlagte die Kosten des Neubaues auf 20000 M. Die Gemeinde borgte sich das Geld von der Kreissparkasse und sollte diese Summe mit 5% verzinst und amortisiert werden. Die Ausführung des Baues wurde dem Baumeister Steffen aus Wildberg übertragen. Am 13. April 1904 begann der Abbruch des alten Gebäudes. Der Lehrer nahm während des Baues Wohnung bei dem Bauerngutsbesitzer Robert Falkenberg, während der Unterricht im Hause des weggezogenen Maurers Hermann Noll erteilt wurde. Die Steine zum Bau lieferte der Bauerngutsbesitzer Robert Falkenberg aus seiner neu eingerichteten  Kalksandsteinfabrik.

Als Handwerker waren beim Bau beschäftigt: Schlossermeister Blank und Glasermeister Dahms, Fehrbellin, Tischlermeister Schulz – Protzen, Klempnermeister Jundlach und Malermeister ccccc. aus Wildberg. Die Maurer waren meistens aus Frankendorf. Im Herbst 1914 war der Neubau vollendet und wurde am 1. October bezogen. Bemerkenswert ist noch, das beim Abbruch des alten Hauses festgestellt wurde, das auch der gesamte Dachstuhl des stehengebliebenen Teils vom Wurm zerstört waren. Er musste also ebenfalls erneuert werden, während die Mauern stehenblieben, obgleich sie feucht und baufällig waren. Am 1. April 1905 schickte die Regierung als ersten zweiten Lehrer Karl Weck von Neuruppiner Seminar und wurde die Schule nun zweiklassig . Bei Gelegenheit einer Revision ordnete der Regierung- und Schulrat Herr Girardet aus Potsdam an, daß die Kinder in Zukunft von den beiden Lehrern in drei Klassen unterrichtet werden sollten. Zum Schulbau ist noch nachzutragen, das nach dem Schulunterhaltungsgesetz vom                  jetzt der Patron nach der Zahl der zum Gutsbezirke gehörigen Kinder etwa ein Drittel zu den Schullasten beizutragen hat.

 

Der Sommerstundenplan einer dreikl. Schule

 

Zeit     Klas-   Montag  Dienstag   Mittwoch   Donnerstag      Freitag         Sonnabend

            Sen

7-8      I           Bibl.      Katechis-   Erdkunde   Bibl.Gesch.     Bibellesen          Erdkunde

                        Gesch.   mus                

            II          Religion Religion   Geschich-   Religion      Religion      Geschich-

                                                           Te                                                          te

8-9      I           Rechnen Aufsatz     Rechnen     Rechnen         Deutsch         Raumlehrer

            II          Rechnen Lesen        Rechnen     Rechnen          Deutsch        Rechnen

9-10    I           Turnen                Zeichnen  Naturk.       Turnen            Zeichnen      Perikope

            II          Turnen    Naturk.     Diktat         Turnen            Zeichen        Aufsatz

10-11  I           Diktat      Lesen       Singen         Deutsch          Lesen              Singen

            II              -           Lesen       Singen             -                  Lesen             Singen

            III          Religion   Relig.       Relig.          Relig.             Relig.              Relig.

                        Rechnen   Rechnen  Rechnen      Rechnen         Rechnen          Rechnen

11-12 I           Gesch.                                         Gesch.             Naturk.           Turnen u.

            II               -                           Erdk.                                                          Handarb.

            III          Deutsch     Deutsch   Deutsch      Deutsch           Deutsch          Singen

 

 

Der zweite Lehrer seit dem Jahre 1905

1. Karl Weck vom 1. April 1905 bis 1. Jan. 1908. Er ist der Sohn eines Bahnhofinspektors in Berlin, besuchte das Ruppiner Seminar (1902/05) und wurde 1908 Präporandenlehrer in Friedeberg. Später bestand er die Prüfung für Mittelschulen und wirkt jetzt als Lehrer am Lyzeum in Aurich.

2. Alfred Strehlke vom 18. Febr. 1908 bis 01. April 09 Ruppiner Seminar (1904/08). Er wurde von hier nach Buskow bei Neuruppin versetzt, ging dann nach der Uckermark und soll im großen Kriege gefallen sein.

3. Fritz Lange vom 01. April 1909 bis 01. Okt. 1911. Er war der Sohn eines Aufsehers in einem Rüdersdorfer Kalkwerk und kam ebenfalls vom Ruppiner Seminar (1906/09). Von hier ging er nach Stöffin und wurde im Oktober 1915 zum Kriege eingezogen. Im Sommer 1916 als Vizefeldwebel bei Verdun verwundet, wurde er in einem Lazarett in Speyer wieder gehelit und macht jetzt (1917) mit dem Infanterieregiment No.24 die Offensive in Galizien mit.

4. Reinhold Pantermüller vom 01. Oktober 1911 bis 1. Apr. 1913. Er kam hierher vom 4. Garderegiment, wo er sein Jahr abgedient und den Rang eines Unteroffiziers erlangt hatte. Bei einer späteren Uebung wurde er Vizefeldwebel und Offiziersaspirant. Für den Unterricht in der klasse schwärmte er nicht besonders, liebte dagegen allerlei Sport. Bezeichnend für ihn ist, das er sich eine Jagdkarte verschaffte. 1911 ging er nach Reinickendorf bei Berlin und wurde dort Turn und Schwimmlehrer. Bei beginn des großen Krieges zum Militär eingezogen, fiel er schon am 30. August bei Niedenburg.

5. Richard Behnke, eines Bauern Sohn aus Pommern, kam vom Ruppiner Seminar am 1. April 1913. Obgleich herzkrank, wurde er dennoch am 15. Febr. 1915 zum Militär eingezogen. Er konnte aber die Strapazen des Feldzuges gegen die Russen nicht aushalten, lag lange in einem Lazarett in Güstrow krank und wurde am 18. März 1916 nach Protzen beurlaubt. Als dann am 1. Nov. 1916 die zweite Lehrstelle auf drängen der Regierung aufgegeben wurde – dasselbe geschah in den umliegenden Ortschaften wegen Lehrermangel-, schickte ihn die Regierung nach Heindorf bei Wittenberge.

 

                        Die Schule während des Weltkrieges

 

Als im Jahre 1914 der Krieg ausbrach, hatte die Schule darunter wenig zuleiden, weil beide Lehrer nicht Militärpflichtig waren. Anders wurde die Sache, als die Lehrer in den umliegenden Dörfern nach und nach zur Front eingezogen wurden. Lehrer Behnke musste nun in anderen Orten Vertreten, und die Schule in Protzen wurde Halbtagsschule. Im Febr. 1915 wurde auch Kollege Behnke zum Heeresdienst eingezogen, ich musste nun nicht nur die Schule in Protzen allein verwalten, sondern auch noch in den Nachbarorten Walchow und Stöffin unterrichten. In jedem der Drei Orte konnte nur an je zwei Tagen in der Woche der Unterricht notdürftig erteilet werden. Dazu kam noch im letzten Kriegsjahre, das von der Regierung angeordnete Sammeln von Laub und Brennnesseln. Obgleich Kollege Behnke im März 1916 wegen Krankheit beurlaubt wurde, kam er für unsere Schule nicht in Betracht, da er bis zu seiner Versetzung in den Nachbarorten Vertreten mußte. Die Unterrichtsresultate waren bis zum Schluß Kriegs sehr gering. 

Als zu Ende des Krieges die Nahrungsmittelnot bis aufs Höchste gestiegen, war hatte unser Dorf weniger darunter zu leiden als die Großstadt. Wenn man auch den Landleuten alle entbehrlichen Lebensmittel wegnahm, blieb doch immer noch soviel übrig, das bei den Schulkindern von Unterernährung nicht die Rede sein konnte.

 

Die Schule nach dem Kriege

Wie schon erwähnt, wurde am 1.November 1916 in Protzen wieder die Halbtagsschule eingeführt, und so ist es bis zum Jahre 1927 geblieben. Am 1.Mai dieses Jahres schickte die Regierung einen Hilfslehrer – Alfred Müller aus Neuruppin-, welcher die zweite Klasse als Grundschule übernahm. Da der erste Lehrer am 14. Januar 1928 die gesetzliche Altersgrenze erreichte, trat er am 1. April dieses Jahres in den Ruhestand. Die Schule wurde seit dem bis zur Neubesetzung von dem Lehrer Artur Eichler verwaltet.

 

                                                                       Gez. Golm

 

Schulchronik Protzen 1941

Protzen den 1. August 1941

 

Mitten im großen Völkerringen beginnt der Chronist seine Aufzeichnungen für die Schulchronik Protzen.

Fast zwei Jahre währt nun schon der Kampf, der auch dem dörflichen und schulischen Leben ein anderes Gesicht gab. Aus der Dorfgemeinschaft, die z.Z. 465 Einwohner zählt, sind augenblicklich 34 Mitglieder zum Heeresdienst einberufen. Um den Ausfall an Arbeitskräften auszugleichen, sind über das Arbeitsamt Neuruppin Fremdarbeiter zugewiesen worden, die ein buntes Völkergemisch darstellten.

Es handelt sich um

15

Serben

(Kriegsgefangene)

2

Belgier

 

19

Polen

(Zivilarbeiter)

19

Jugoslawen

(Wanderarbeiter)

6

Bulgardeutsche

(Rückwanderer)

16

Ungarn

(Wanderarbeiter)

Von den landwirtschaftlichen Betriebsführern stehen z.Z. nur der Landwirt und Rittergutsbesitzer Legde und der Bauer Werner Krause im Heeresdienst. Durch den angeführten verstärkten Einsatz von Fremdarbeitern ist die Bäuerliche Betriebsführung in jeder Weise sichergestellt.

Mit Kriegsbeginn wurde auch der Schulleiter und Lehrer Robert Wägner zum Heeresdienst einberufen, Als Hauptmann und Kompaniechef einer Landesschützen Kompanie befindet er sich im Osten.

Die unterrichtliche Versorgung der Schulkinder zu Protzen wurde im ersten Kriegsjahr durch die Lehrer Matthies – Manker und Döring – Küdow durchgeführt. Der Unterricht fand an 4 Wochentagen statt. Mit dem 1. Oktober 1940 fand hierin im sofern eine Änderung statt, als der durch UK – Stellung aus dem Heeresdienst  zurückgerufene Lehrer Metz – Walchow, wohnhaft in Dammkrug, der Unterricht der Schulen Protzen und Walchow in Protzen übernahm. Dabei haben die Walchower Schulkinder den täglichen Weg nach Protzen zu machen, den sie bei Wind und Wetter, im Sommer und Winter tapfer durchgestanden haben.  Betrug die Schülerzahl zu Beginn des Schuljahres 63 Kinder (Walchow 33), so ging diese Zahl infolge Verzuges  einiger kinderreicher Familien auf 52 zurück.

Schulentlassen wurden zum 31.3.1941 2 Knaben und 3 Mädchen.

Erstmals beginnt in diesem Jahr das neue Schuljahr mit dem 1. August. Es kamen für das neue Schuljahr 3 Knaben und 4 Mädchen zur Einschulung. Damit beträgt die Schülerzahl für das neue Schuljahr 26 Knaben und 20 Mädchen.

Da die alte Heizungsanlage dem Wärmebedürfnis der Schulklasse schon Jahren nicht mehr gerecht wurde, ließ die Schulverwaltung nach fachmännischer Beratung einen großen Doppelbrandofen im Schulzimmerer richten. Die Kosten beliefen sich auf ca. 540 RM (Herbst 1940).

Über das Besitzverhältnis von Schule- und Lehrerwohnung ist mangels älterer Aufzeichnungen zu sagen:

Das Schulgebäude, bestehend aus zwei Klassenzimmern, Flur, Keller, drei Bodenzimmern wurde 1904 erbaut und ist Eigentum der politischen Gemeinde Protzen.

Die Lehrerdienstwohnung, etwa .......   erbaut, mit dem Zweizimmeranbau nach Westen aus den Jahre 1904 ist immer noch im Besitzrecht der Kirche. Die Trennung konnte infolge der Kriegsverhältnisse noch nicht  durchgeführt werden. Hinsichtlich der Unterhaltung dieser Wohnung ergeben sich daraus mancherlei Schwierigkeiten, da die Kirche als Besitzerin des Grundstückes keine Mittel mehr zur Verfügung stellt. Andererseits ist auch die politische Gemeinde von der Aufsichtsbehörde gehalten, bis zur evtl. Besitznahme bei der vermögensrechtlichen Trennung keinerlei Aufwendung für die Lehrerdienstwohnung zu machen.

Der Aufgang zu Sportplatz befindet sich zwischen den beiden östlich der Schule gelegenen Arbeiterwohnhäusern des Rittergutes Protzen. Die Kinder müssen daher immer erst über die Straße, um den stets unsauberen und ungepflegten Aufgang zum Turnplatz gewinnen. Dieser Übelstand ließe sich abstellen durch „Abtretung des Tauschwegesg, eines 2 m vorspringenden Gartenstreifens vom Nachbargrundstück Legde (Arbeiterkaserne). Damit könnten die Kinder von Schulhof direkt auf dem Sportplatz gelangen. Der Schulhof gewönne somit an Raum und würde, zweckmäßiger hergerichtet, den Kindern in kurzen Pausen besserer Aufenthalt sein als zur Zeit die schmutzige , bzw. staubige Straße. Dieser Plan ist mit der Gemeindeverwaltung in allen Einzelheiten bereits besprochen. Herr Legde, als Hauptmann der Luftwaffe im Westen, erklärt sich als Grundherr ebenfalls einverstanden.

Er bittet, die Ausführung bis nach Kriegsende zurückzustellen.

Das abgelaufene Schuljahr hat in den äußeren und inneren Schulbetrieb keine Veränderungen gebracht. Die Kinder erhalten gemeinsam mit den Schulkindern von Walchow ihren täglichen Unterricht durch den Schulleiter aus Walchow.

Schulentlassen wurden zum 31.3.1942 zwei Mädchen und sechs Knaben. 5 Kinder gingen nach Beendigung ihrer Grundschulpflicht zu höheren Schulen über. 6 Knaben und 4 Mädchen kamen zur Einschulung. Erstmalig kam auch ein Kind aus einer Eindeutschungsfamilie zur Einschulung (Polen). Damit beträgt die Schülerzahl wieder 46 Kinder und zwar 24 Knaben und 22 Mädchen. Im abgelaufenen Schuljahr nahm die Sporttätigkeit erhöhten Auftrieb.

Von 46 Kindern waren 35 Kinder Schulsparer, 6 Kinder Heimsparer. Die Schule erreichte einen Jahresdurchschnitt je Schulsparer von RM 46,50 .

Auch der Heilkräutersammlung Sommer 1941 galt der besonderen Fleiß der Jungen und Mädchen. Es konnten insgesamt 16,11 Kg Heilkräuter Trockenware der Bezirkssammelstelle Wildberg zugeführt werden. 1037 Kg Altmaterial war das Ergebnis der Jahressammlung.

Infolge der schlechten Wetterverhältnisse verzögerte sich die Einbringung der Kartoffelernte erheblich und so kam es, dass die Schule zur Erntehilfe eingesetzt wurde. Ohne Beeinträchtigung  des Unterrichts setzte ein freiwilliges Kommando von 15 Kindern mit ihrem Schulleiter an 5 Wochennachmittagen zum Kartoffellesen an. Das Wetter war bereits winterlich, Schneetreiben, Kälte, leichte Bodenfröste. Trotz dieses Einsatzes konnte es nicht verhindert werden, dass dem Besitzer, Bauer Leusch, ein erheblicher Teil Kartoffeln im Boden erfroren.

Am 15.9.1941 wurde im Rahmen einer größeren Veranstaltung die Herbstleistungsbesichtigung auf dem hiesigen Sportplatz durchgeführt. Es nahmen teil die Schulen von Manker, Küdow, Lüchfeld, Stöffin, Walchow und Protzen. Die ebenfalls pflichtigen Schulen von Buskow und Langen waren des stürmischen-regnerischen Wetters wegen nicht erschienen.

In diesem Jahr konnten für die Lehrerdienstwohnung einige Aufwendungen  gemacht werden. Nachdem es gelungen war, Gemeinde, Bau- und Aufsichtsbehörde davon zu überzeugen, dass alle von der politischen Gemeinde an der Kirchenwohnung aufgewandten Mittel der Kirchengemeinde einem Vermögensanteil am Grundstück bei der zu erwartenden Trennung sichern, wurden erstmals 500.- RM  für Instandsetzungsarbeiten eingesetzt. Am vordringlichsten erschien die Isolation der nassen Westwand. Die geplante Verlegung des Nordfensters nach Westen konnte baupolizeilich nicht genehmigt werden, da der Westgiebel Brandmauer ist.

Die Westwand der Westzimmer wurde mit Leichtbauplatten isoliert und die Zimmer später mit einem Anstrich versehen.

Desgleichen wurde die Küche ausgebessert. Für die Wasserversorgung wurde eine Hessiner-Pumpe beantragt, die wegen Lieferschwierigkeiten  noch nicht aufgestellt wurde.

 


Schulchronik Protzen 1945

von Gertrud Kampe

Am 31.Januar 1945 verließ ich - Lehrerin Gertrud Kampe - im Zuge der Räumung Schlesiens meine Vaterstadt Golgau, wo ich seit 1911 ohne Unterbrechung im Schuldienst tätig gewesen war, die letzten 25 Jahre an der städtischen Mittelschule für Knaben und Mädchen. Nach kurzem Zwischenaufenthalt in Berlin kam ich Anfang März nach Protzen. Die Hoffnung der Rückkehr in meine alte Heimat erfüllte sich nicht. Auf meine Bitte um Beschäftigung übertrug mir das Schulamt in Neuruppin die Vertretung des noch im Heeresdienst weilenden Lehrers Wägner und wies mich für den 4. April in die Grundschule von Protzen ein, nachdem ich vorher schon einpaar Wochen in Manker an der Grundschule gearbeitet hatte.

Nach den Osterferien begann ich am 4. April mit dem Unterricht.

In der Schule wurden zum Teil Protzener Kinder und teils evakuierte Kinder aus den luftgefährdeten Gebieten unterrichtet. Sehr oft wurden in diesen Wochen der Unterricht gestört, wenn das Herannahen feindlicher Flugzeuge gemeldet wurde.

Am Schulhaus war ein hölzerner Beobachtungsturm errichtet worden. Nachrichtenhelferinnen waren in den oberen Räumen der Schule einquartiert. Wurden sie telefonisch von feindlichen Einflügen benachrichtigt, so gaben sie diese Meldung an den Bürgermeister weiter, der dann die Warnung der Bevölkerung. Recht primitiv war der Warndienst für die Bevölkerung. Nicht Sirenengehend schreckte die Dorfbewohner auf, nein an den Telegrammasten entlang der Dorfstraße hingen Eisenbleche an denen der Melder mit einer hölzernen Keule schlug. Wer dieses Warnsignal hörte, ließ sich aber keineswegs in seiner Beschäftigung stören. Da während der ganzen Kriegszeit der Ort von Bombenabwürfen verschont geblieben war, erschien es den meisten als überflüssig im Luftschutzkeller zuflucht zu suchen. Ich konnte die Kinder bei den kurzen Entfernungen immer rechtzeitig nach Hause schicken.

Protzen ist auch in den letzten Kriegswochen von Luftangriffen bewahrt geblieben, obgleich  besonders vor Kriegsende täglich bei Tag und Nacht das Dorf überflogen wurde. Natürlich wirkte sich die gestörte Nachtruhe ebenso, wie die fast unerträgliche Spannung der letzten Kriegswochen sehr ungünstig auf die Schularbeit aus. Die Kinder saßen übermüdet und verängstigt am Morgen in der Schule und auch mir kam die Schularbeit angesichts der herannahenden Katastrophe fast sinnlos vor. Nie vergessen werde ich die schreckliche Nacht in der wir aus der Entfernung miterlebten, wie die herrliche Stadt Potsdam mit ihren reichen Erinnerungsstätten in Schutt und Asche gelegt wurde. Das Luch war soweit das Auge sehen konnte, mit kleinen bunten Leuchtballons übersät, die an die strahlende Schönheit einer fröhlichen italienischen Nacht in Friedenszeiten erinnerte. Am dunklen Nachthimmel erblühten immer mehr der gefürchteten sogenannten „Christbäumeg, die aus unzähligen farbigen Leuchtkugel bestanden.

Allenthalben erschienen in dieser Nacht auch die Kinder auf der Dorfstraße, die Eltern wollten sie diese schaurig – schöne Illumination miterleben lassen. Sie bildete dann am nächsten Morgen in der Schule das Hauptgesprächsthema.

Am 18. April musste der Unterricht  vorrübergehend ausgesetzt werden, den die Schulräume dienten den Flüchtlingen aus den Ostgebieten, deren Trecks jetzt unaufhörlich durch das Dorf rollten, als Unterkunft. Bald sah man auch auf unseren Bauernhöfen die Leiterwagen voll beladen mit dem nötigsten Hausrat zur Abfahrt bereitstehen.

Am 29. April erlebten wir einen schweren Angriff auf Lentzke  mit, dem mehrere Gehöfte zum Opfer fielen. Die Aufregung wuchs ständig unter unserer Bevölkerung.

Am 30. April verließen viele unserer Trecks das Dorf, um Zuflucht jenseits der Elbe zusuchen.

Kein Gedanke mehr an Unterricht.

Der folgende Tag, der 1. Mai, heute der Freude gewidmet, zeigte uns den Gipfel der rettungslosen Niederlage. Am Vormittag hasteten deutsche Soldaten durch das Dorf, um der Gefangennahme im letzten Augenblick zu entkommen. Die achtlos im Park und auf den Feldern weggeworfene Munition bildete noch jahrelang eine ernsthafte Gefahr für die Bevölkerung.

Um 2 Uhr wurde die Nachricht verbreitet, das die rote Armee bereits Langen besetzt hatte.

Ab 5 Uhr war die Dorfstraße wie ausgestorben. Aus den Bodenfenstern flatterten weiße Tischtücher und Bettlacken als Zeichen bedingungslosen Ergebung. Da erscholl gegen 6 Uhr der Schreckensruf : „Russische Panzer kommeng. Von Walchow her und quer durch das Luch rollten die Ungetüme mit ohrenbetäubenden Getöse heran. Ihnen folgte die Kampftruppe zu Fuß. Unaufhörlich, Tag und Nacht erklangen die schweren Schritte der Militärstiefel  auf unserer Dorfstraße. Die Häuser füllten sich mit Einquartierungen. Im ehemaligen Gutshaus errichtete der sowjetische Kommandant seine Befehlstelle.

Am 10. Mai  mussten alle Landkarten und Rundfunkgeräte abgegeben werden. Ich wagte es dann zu ersten mal, die Schule zu betreten. Ein unbeschreiblicher Anblick sinnloser Zerstörung bot sich mir da: schmutziges Stroh und allerhand Kehricht bedeckte die Fußböden der beiden Klassenräume. Die Fenster waren eingeschlagen, die Türen aus den Angeln gerissen. Die Schränke waren gewaltsam erbrochen und Bücher und Hefte in tausend Fetzen gerissen. Volle Tintenfässer waren darüber ausgekippt und gegen die Wand geschleudert worden. Rauchgeschwärzte Stellen an den Wänden zeigten, dass die Trecks rücksichtslos  eiserne Öfen aufgestellt hatten. Ich war fassungslos bei diesem Bild der Zerstörung. Es war erwiesen, dass Protzener Schüler und Jugendliche dieses Vernichtungswerk vollendet hatten. Hiermit bewahrheitet sich wieder einmal der so oft im Scherz geäußerte Satz von der „Rache der letzten Bankg.  

3 Tage später konnte ich zum 1. mal eine Anfrage dem Unterricht betreffend an den Schulrat nach Neuruppin absenden.

Für Donnerstag, den 24. Mai war der Beginn des Schulunterrichts angesetzt worden. Kollege Wägner übernahm nun die Oberstufe, ich die anderen Klassen.

Die größten Schäden in den Klassenräumen waren beseitigt worden. Der Kommandant hatte ausklingeln lassen, die Kinder brauchten sich nicht zu fürchten, es würde ihnen von Seiten der Roten Armee kein Leid zugefügt werden.

Am 25. Mai war der erste Schultag, am 26. Mai wurde Lehrer Wägner wie er ging und stand, verhaftet und nach Neuruppin gebracht. Er ist nie mehr zurück gekommen.

Ich stand nun alleine, den schätzungsweise 120 gegenüber. Zu den Protzener und evakuierten Kindern kamen noch die Kinder der vielen Flüchtlinge, die jetzt wieder zurückflüchteten. Die bange Frage über das Schicksal der Schule löste der Kommandant selbst. Gleich am ersten Tag öffnete sich die Klassentür. Das Gewehr im Anschlag, erschien der Dolmetscher und befahl mir, sofort zur Kommandantur zu kommen. Nach der eben gemachten Erfahrung mit Lehrer Wägner folgte ich doch mit beklommenen Herzen dem Dolmetscher. Ich wurde aber ruhiger, als man mich auf dem Büro gleich zum Platznehmen aufforderte. Meine Personalien wurden aufgenommen. Schließlich erschien der Kommandant persönlich und fragte, ob ich alle die Kinder unterrichten könnte, wenigstens so lange, bis noch ein anderer Lehrer käme. Ich sollte vor- und nachmittags unterrichten. Als ich aber erklärte, ich müsste am Nachmittag in der Landwirtschaft für mein Mittagessen arbeiten, übersetzte mir der Dolmetscher: Der Kommandant lässt dir sagen, wenn du kein essen hast, sollst du auf Kommandantur kommen und dort essen erhalten. Ich war in Gnaden entlassen.

Nun liefen auch in kurzen Abständen Anordnungen des Schulamtes ein. Der Schularbeit sollte der Lehrplan von vor 1933 zu Grunde gelegt werden. Aus allen Büchern mussten die Seiten herausgerissen werden, die irgendwie an das Dritte Reich erinnerten. Jede Anordnung des Schulrates schloss mit der Drohung fristloser Entlassung der Lehrer, die sich nicht unbedingt den Befehlen fügten. Am 29. Mai brachte mir der Kommandant persönlich die 1. Zeitung, die herausgekommen war. Da in der Zwischenzeit eine neue Verfügung des Schulrates die Einziehung sämtlicher Schulbücher angeordnet hatte, vergewisserte sich der Kommandant schon am 30.Mai von der Durchführung dieser Anordnung.

Er übergab mir nun ausdrücklich die Schulleitung und bestätigte die Kindergärtnerin Frl. Herta Franke als Aushilfskraft für die Unterklassen. Er zeigte dann auf meine Pantinen, die ich auch im Unterricht aus Not tragen musste: Warum du so? Du auf Kommandantur kommen, Schuhe kriegen.

Alle Bücher der Lehrerbibliothek und alle, die sich in den Händen der Kinder befanden, riesige Stapel waren es, wurden nun auf Bretterwagen geladen zum Abtransport nach Neuruppin, wo sie eingestampft werden sollten. In meinem Schreck aber musste ich feststellen, das vor dem abfahren der Wagen ein teil der Bücher heimlich entwendet worden waren. Nicht aus Hunger nach Bildung, sondern weil damals kein Stückchen Papier mehr aufzutreiben war.

Angesichts der ständigen wiederkehrenden Drohungen des Schulrates versuchte ich die Leute zur Rückgabe zu bewegen, leider umsonst.  Ich hatte einen schweren Stand zwischen den beiden Befehlgewalten Schulamt – Kommandantur

Als der Landrat bekannt gab, er würde keinen Lehrer Gehalt anweisen, den er nicht ausdrücklich in den Schuldienst berufen hätte, erbat ich vom Kommandanten Urlaub zu einem Besuch beim Schulrat, um noch nachträglich die Einstellung von Frl. Franke zu erreichen. Der Urlaub wurde mir nur zögernd gewährt: Was wollen sie in Neuruppin?  Sind sie bestellt? Es gab aber noch einen anderen schwerwiegenden Grund zur Fahrt nach Neuruppin.

Eine Untersuchung der Kinder durch die Gemeindeschwester zeigte ein erschütterndes Bild von dem Gesundheitszustand der Schüler.  Die meisten waren verlaust und viele von Krätze befallen. Vereinzelt wurden auch Kleider- und Filzläuse festgestellt. Noch jahrelang traten Fälle auf, wo Kinder wegen Ungeziefer vom Unterricht ausgeschlossen werden mussten und in hartnäckigen Fällen dem Gesundheitsamt gemeldet wurden, was dem Lehrer die erbitterte Feindschaft von Seiten der Eltern einbrachte.

Die nächsten Schulwochen waren sehr schwierig. Landkarten, Bilder und alle anderen Lehrmittel fehlten. Die Kinder hatten weder Bücher, Hefte, noch Tinte oder Federn, noch Bleistifte. Sie benutzten zum Schreiben alte Militärformulare, rote, blaue, grüne, meist mit Vordruck, alte Kalenderblätter oder Packpapiehrfetzen. Zu meiner Vorbereitung nahm ich mir das alte Lexikon meiner Verwandten.

Die Schulbehörde hatte bestimmt, dass, wenn möglich, fremdsprachlicher Unterricht schon in der Grundschule erteilt werden sollte. Da die Auswahl freigestellt war, erteilte ich der Ober- und Mittelstufe Englisch als Pflichtfach. Später wurde es nur noch Wahlfach, bis es vom Russischunterricht abgelöst wurde.

Es bedeutete zunächst eine gewisse Erleichterung, als am 13. Juni die Schule geschlossen wurde, es sollten erst neue Bücher gedruckt werden.

Nun begann aber die außerschulische Arbeit. In dem Schulkeller lagerten noch große Bestände an Altpapier, Lumpen und Knochen. Die Kinder beteiligten sich lebhaft an der Entrümpelung, die tagelang dauerte. Dann sammelten wir säckeweise Heilkräuter, später Eicheln und Kastanien, Es gab Felder die im Frühjahr nicht bestellt worden waren. Das ausgefallene Korn trug jetzt Ähren, die aber nicht gemäht werden konnten. Mit Scheren schnitten wir die Halme ab. So konnten einige Zentner Getreide dem Bürgermeister übergeben werden.

Mit viel Mühe gelang es, einige Handwerker, Maurer und Maler für die notwendigen Instandsetzung der Räume zu gewinnen.

Ich erhielt auch noch den Sonderauftrag, die umfangreiche Bibliothek des Gutsbesitzers zu überprüfen und alle Bücher mit politischen, nazistischen und militärischen Tendenzen auszusortieren.

2. Juni

Wenige Tage vor Schulabschluss hatten wir noch ein besonderes Erlebnis, das allen gewiss in Erinnerung geblieben ist.

Während des Unterrichts horchten wir auf, Reitermusik ertönte. Die Kinder waren nicht mehr zuhalten und wir stürmten alle auf die Straße. Auf ausgesuchten schönen Pferden ritten Kosaken in ihren malerischen Uniformen mit den hohen Fellmützen in das Dorf – eine unübersehbare Schar. Die Pferde wurden in die Koppeln getrieben, die Mannschaften in den Höfen einquartiert. Abends flammten in Luch unzählige Biwakfeuer auf. Die verwegenen Gestallten lagerten rundherum, lärmten, lachten, sangen und ließen die Becher kreisen, eine lebendige Illustration zu Wallensteins Lager. Am nächsten Morgen bliesen die Trompeten zum Sammeln und Aufsitzen. Die Reiterscharen verließen den Ort, noch lange von der Schuljugend begleitet.

Am 4. August erfolgte die Aufnahme der Schulanfänger.

Am 25. August und am 2. und 3. September fanden die ersten Kreislehrertagungen in Neuruppin statt, bei denen neue Richtlinien für den Unterricht gegeben wurden. Schwierig war des in die Stadt zu kommen, da die Züge sehr unregelmäßig verkehrten und überfüllt waren. So zog ich den Fußmarsch vor. Barfuss, das einzige Paar Lederschuhe, was ich noch besaß, in der Hand, legte ich den Hin- und Rückweg zurück. Bei den Verhandlungen war stets ein sowjetischer Offizier anwesend. Der Ton der Besprechungen war äußerst scharf. Entlassungen wurden angedroht und durchgeführt.

Am 1. Dezember schickte die Schulbehörde auf mein ständiges Bitten  den Junglehrer Horst Modell als 2. Lehrkraft nach Protzen. Da ich von Anfang an den Eindruck hatte, das H. Modell über ein gutes Allgemeinwissen verfügte, sich auch politisch sehr stark interessierte, überließ ich ihm die Leitung der Schule. Die Stunden verteilten wir so, das er die Oberklassen übernahm. Infolge seiner regen politischen Arbeit wurde er bald Gemeindevertreter, Mitglied des  Kreisrates und zuletzt stellvertretender Landrat. Ferner übernahm er auch die Leitung aller politischen Formativen des Ortes.

Weihnachten gestalteten die Schule zum ersten Mal eine Dorfweihnachtsfeier im Böldickes Saal aus. Mit Schulentlassenen und Schülern übte ich ein Laienspiel ein.

 


 

Schulchronik Protzen 1946

Am 27. Mai 1946 kam ein Schüler der 1. Klasse auf tragischer Weise ums Leben. Er hatte beim Spielen im Park eine Handgranate gefunden, die in seiner Hand  explodierte und ihn auf der Stelle tötete.

Im Sommer 1946 führte Herr Modell Verhandlungen mit der Schulaufsichtsbehörde und der Kreisverwaltung zwecks Einrichtung einer Zentralschulein Protzen für Protzen, Manker, Stöffin, Walchow und Dammkrug. Das ehem. Gutshaus nahm nach Instandsetzung und nach einigen baulichen Veränderungen die Oberstufen der genannten Dörfer auf, während die Unterstufen in den Heimatorten weiter unterrichtet wurden.

Nachdem die Eltern durch aufklärende Vorträge von den Vorzügen der neuen Einrichtung überzeugt worden waren, begann erstmals der Unterricht in der Zentralschule am 1. September 1946.