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Anmerkung zu den Bildern

Schinkel und Protzen

(nach Aufzeichnungen von Hans-Günther Legde, letzter Gutsbesitzer in Protzen)

Stand: 03.08.2007

 

Die Familie des großen Berliner Baumeisters Carl Friedrich Schinkel ist mit dem Pastorat und Gut Protzen und der Familie Legde eng verbunden. Paul Legde hatte am 25.5.1889 in zweiter Ehe Katharina Selmer aus Neustrelitz geheiratet und damit eine Verbindung zur Familie Schinkel hergestellt. Katharina Selmer war durch den gemeinsamen Großvater, den Generalarzt Dr. Seidler in Neuruppin, eine Kusine von Paul Legdes erster Frau Margarethe, geb. Seidler. Dieser Dr. Seidler ist eine Schlüsselfigur in der Familiengeschichte. Seine zweite Frau Charlotte war die Tochter der um 10 Jahre älteren Schwester Eleonore Sophie Elisabeth des berühmten Architekten und die Großmuttter der Katharina Legde. Der Vater  der älteren Schwester war der Neuruppiner Archidiakon und Inspektor (Superintendent) Johann Cuno Christoph Schinkel. Er war der Ur-Urgroßvater von Katharina Legde in Protzen. Als junger Theologe war er drei Jahre lang Gouverneur (Hauslehrer) bei der Witwe des Generalleutnants von Kleist zu Protzen, zweifellos empfohlen durch seinen Onkel Christoph Friedrich Schinkel, der von 1757 bis 1788 Prediger in Protzen war.  Als solcher folgte er seinem Vater  Barthold Christian Schinkel im Amt, der von 1707-1757 die Pfarre in Protzen innegehabt hatte. Des jüngeren Schinkels Bruder Johann Gotthilf war Prediger in Brunne bis 1787 und Vater des Neuruppiner Archidiakon, der seinerseits wieder des großen Schinkels Vater war.  Über 80 Jahre hatten also Mitglieder der Familie das Protzener Pfarramt inne. Des Architekten Vater und Großvater starben im gleichen Jahr 1787. Schinkel war damals 6 Jahre alt. Wenn auch seine Mutter mit ihm bald von Neuruppin nach Berlin verzog, bewahrte Schinkel seiner Vaterstadt doch eine gewisse Anhänglichkeit. Besonders zu seiner Schwester, die 10 Jahre älter als er den Pastor in Kränzlin geheiratet hatte, bestand ein enges geschwisterliches Verhältnis. Die Tochter dieser Schinkelschwester, also die Nichte Schinkels, war die zweite Frau des Dr. Seidler (des Großvaters von Frau Katharina Legde).

Das Foto zeigt Katharina Legde, Urgroßnichte von Schinkel, mit ihrer Kusine 3. Grades Hertha Claußen, Urenkelin Schinkels, vor einem Bild des berühmten Baumeisters. Das Foto entstand am 5.8.1960, dem 90. Geburtstag von Katharina Legde in Wiesbaden..

Katharina Legde war 56 Jahre lang Gutsherrin in Protzen. Hertha Schinkel verkehrte seit dem 1. Weltkrieg in Protzen wie ein Kind des Hauses.

Frau Katharina Legde, geb. Selmer, zweite Frau des Paul Legde in Protzen, Urgroßnichte von Carl Friedrich Schinkel, hat von 1889 bis zu ihrer Vertreibung 1945 auf Rittergut Protzen gelebt, also über ein halbes Jahrhundert. Sie hat sich ein Leben lang als Schinkelnichte gefühlt und verwandtschaftliche Beziehungen über die Familien Selmer und Seidler zur Familie Schinkel und insbesondere zur unmittelbaren Nachkommenschaft des Oberlandesbaudirektors Carl Friedrich Schinkel lebendig erhalten. Da ist zunächst Schinkels Tochter Susanne, eine sehr begabte Aquarellmalerin. Eine jüngere Schwester war Elisabeth Freifrau von Wolzogen, Gemahlin des Alfred von Wolzogen, Schinkels Biograph und Mutter des Freiherrn Hans von Wolzogen, des Wagner-Vorkämpfers und Herausgeber der Bayreuther Blätter. Er war im hohem Alter mehrfach zu Besuch in Protzen, schenkte an Frau K. Legde ein angeblich von Schinkel gemaltes ovales Ölbild seiner Großmutter Schinkel und seiner Mutter (als Kind), wozu bemerkt werden darf, dass Schinkel niemals portraitiert hat. Ob der Maler Wolf, dem man jetzt in Charlottenburg die Autorschaft zuschreibt, der richtige ist, ist freilich ebenso fraglich Durch Vermittlung des Kunsthändlers Hofer – München 1968 an die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten gekommen, hängt das Bild (das einzige Portrait der Ehefrau des Oberlandesbaudirektors) jetzt an bevorzugter Stelle im Schinkel-Pavillon. Es  wird nach Auskunft der Wächter viel besucht. Der Sohn Schinkels war Oberförster, später Güterdirektor der galizischen Herrschaft Nordworssa, mit deren Besitzer er von dem gemeinsamen Studium auf der Forstakademie Eberswalde eng befreundet war. Er hatte zwei Söhne aus zweiter Ehe, nämlich Theodor Alexander, Maler in Berlin, und Friedrich Clemens, Verlagsbuchhändler in Berlin und Leipzig. Der Letztere hatte zwei Kinder, eine Tochter Hertha, verhelichte Claussen, und einen Sohn Friedrich Carl, Professor in Berlin. Hertha wurde schon seit dem ersten Weltkrieg in Protzen als Kind des Hauses betrachtet. Ihr Bruder ist vor Stalingrad gefallen.

 

Schinkels Vorfahren in Protzen

 

(von Rudolf Legde)

Stand : 09. April 2008

Westphal erwähnt nur einen Pfarrer Pöpping, geb. 1627, Pfarrer in Protzen und Stöffin seit 1653 bis zu seinem Tod 1707.

Im Kirchenbuch Amt Neustadt (Google) findet sich:

Lukas Pöpping (Poppingius) (geschätzt 1623-), Rosenwinkel
Lucas Pöpping (geschätzt 1658-), Protzen
Sophiea Lukretia Pöpping (geschätzt 1696-1721), Protzen (Todesdatum nach Wolzogen)

Sophiea war die 1. Frau von Pfarrer Pöppings Nachfolger im Amt Barthold Christoph Schinkel. Aus dieser Ehe gingen 4 Kinder hervor, der 1. Sohn war Johann Gotthilf Schinkel, der Großvater des berühmten Baumeisters.

Die 2. Frau von Barthold Christoph Schinkel war Catharina Maria Brandt. Aus dieser Ehe gingen 3 Kinder hervor, der 1. Sohn war Christoph Friedrich Schinkel, der 2. Pfarrer Schinkel in Stöffin und Protzen.

Ich halte es für wahrscheinlich, dass Sophiea L. Pöpping die Tochter von Lucas Pöpping war. Er wäre bei ihrer Geburt ca. 28 Jahre alt gewesen, Lukas Pöpping wäre 73 Jahre alt gewesen, also doch mehr im Alter eines Großvaters. Da sie als "Tochter des Predigers" beschrieben wird, halte ich es für wahrscheinlich, dass Lukas Pöpping in den 1690er Jahren von seinem Sohn Lucas abgelöst wurde.

Die Angaben zur Schinkel-Verwandtschaft stammen von K. F. Schinkels Schwiegersohn Karl August Alfred Frh. von Wolzogen (1864).