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Geschichte
des Dorfes Protzen

Verfaßt

vom Pfarrer Lothar Westphal.

Dezember 1905.

 

Neu-Ruppin.

Gustav Kühn (Abteilung: Märkische Zeitung).

 

Der verehrten Gemeinde Protzen

gewidmet vom Verfasser.

Protzen 1905.

 

 

(nach dem Original erfasst von Anne Legde, Berlin.

Korrigiert und bearbeitet von Rudolf Legde, Dortmund.

Stand: 26.08.2009)

 

 

Protzen.

Protzen, in alten Urkunden auch Brotzen, Protzeke, Protzen (Ende gestrichen), Prötzem (korrigiert: Prötzen) benannt, liegt an der südlichsten Grenze des Kreises Ruppin am Rhinluche, welches die Grenze zwischen dem Ruppiner und Osthavelländischen Kreise bildet. Es liegt 10 km von Neu-Ruppin (Norden) und 7 km von Fehrbellin (Südost), mit dem es lange Zeit durch einen über das Luch führenden Fußsteig näher verbunden war.

Sein Name ist wendischen Ursprungs. Die Wenden, ein slavisches Volk, wanderten um 500 n.Chr. aus dem Norden oder Osten Russlands oder Asiens ein und ließen sich in den nördlichen Ländern Deutschlands, wie Mecklenburg, Holstein, Brandenburg und zum Teil auch in Sachsen nieder. Ihre Sprache ist ähnlich der russischen. Noch heute bewohnt ein kleiner Teil derselben die Lausitz und hat seine besondere Sprache.

Protzen soll bedeuten Bruch, Luch, oder eine Furt, also Weg durch die sumpfigen Wiesen (vielleicht nach Lenzke zu). Die meisten Ortsnamen Brandenburgs und der einst von den Wenden besetzten Landstriche sind wendisch. Die Germanen hatten in alter Zeit überhaupt keine zusammenhängenden Ortschaften. Jeder wohnte mit Familie und Gesinde auf der Hofstelle seines Ackers. Schon unter Karl dem Großen 768-814 begann die Unterwerfung der Wenden und damit ihre Verdeutschung. Ihre Sprache verschwand und hat sich nur erhalten in den Namen der Ortschaften. Dazu gehören besonders die Orte, welche, wie z.B. Walchow und Stöffin, sich auf ow und in endigen.


Die Herren von Protzen.

In ältester Zeit führten die meisten Besitzer der Rittergüter den Namen des Dorfes, in dem sie wohnten. Ein Golde v. Protzen wird erwähnt 1362, 1365 und noch 1430 bis 1521. Erst von da an kamen die Herren v. Gadow. Zu bemerken ist, daß in jedem Dorfe zwei bis drei Güter waren. Selbständige Bauern gab es damals nicht. Diese standen durch den Hofedienst in einer gewissen Abhängigkeit von den adligen Besitzern. Auch hatten sie, ebenso wie die Adligen, Abgaben an die Grafen von Lindow, zugleich Herren von Ruppin. Gemeint ist nicht die Stadt Lindow, sonder Lindau, noch heute ein Flecken bei Zerbst in Anhalt.

Solche Abgaben finden wir verzeichnet im Landbuche der Grafschaft Ruppins aus dem Jahre 1491 und 1525.

Folgende Wirte werden dabei genannt:

1. Jesper Mollner heft (hat) II huven, von de hufe gift he 1 wsp. roggak, VI sch. gersten und haver.

2. Dames Westnav 1 huve, davon gift he Matthis v. Gadow VI sch. rogg. usw.

3. Heyne Nitzeband III huve usw.

4. Lindemann II huve.

5. Drewes Nitzeband II h.

6. de Schulte (Schulze) II h.

7. Hans Bechelin II h.

8. Coppe (Jakob) Schoenermark.

9. Achim Vilitz.

10. Clowes (Klaus) vischer (Fischer).

11. Veiteponn.

12. Peter vischer I h.

13. Coppe Alheidt I h.

14. Mechit Mollner.

15. Henning Vischer.

16. Junge (jüngere) hans Dames.

17. Matthis Alheidt.

18. Clawes Gartz.

19. Paul Hildebrandt.

20. Item (außerdem) I wusten hoff mit II huven.

21. To parenn II huve boleg hen (zur Pfarr II Hufen gelegt).

Also schon damals 21 Hofbesitzer mit 17 Hufen.

In dem Landbuch von 1525 werden die Namen derer genannt, welche an das Kloster Ruppins zu geben hatten. Es heißt darin:

Brotzen das Dorf gehört den Gadowen. Davon giebt

1. Grosse Flor 6 Sch. Roggen und 6 Sch. Haber.

2. Matthis Nitzeband ½ sch. erbsen uf die fasten.

3. hans Greff ½ sch. erbsen.

4. Peter Fischer.

5. Matthis Fischer.

6. Martin Schmidt ebensoviel.

Das hauss (also die Gadow) giebt ein fastelabend huen (Hühner) und 10 Eyer ufs Schloss Ruppin.

1524 unter dem Kurfürsten Joachim I fiel die Grafschaft Ruppin an die Mark Brandenburg. Der letzte Graf von Lindow=Ruppin hieß Wichmann.

Von der Familie Protzen ist kein Andenken übrig geblieben. Aus ihrer Zeit stammt noch die größte der drei Glocken unserer Kirche mit der Jahreszahl 1476. Vor 4 Jahren kam ein junger Kaufmann namens Protzen per Rad in unser Dorf, um beim Pfarrer sich nach seinen Vorfahren zu erkundigen, bald darauf schrieb ein Oberst Protzen aus Thorn zu gleichem Zwecke. Ob die Familie Protzen übrigens adlig gewesen, ist nicht zu ermitteln. Wohl aber ist eine sehr angesehene Bürgerfamilie Protzen Jahrhunderte lang in Ruppin ansässig gewesen und stammen vielleicht aus ihr die ehemaligen Besitzer von Protzen.


Die Herren von Gadow. 1490 – 1650.

Ein von Gadow wird schon 1491 unter den adligen Besitzern erwähnt. Ob ihm schon die drei Rittergüter hier gehört haben, wird nicht bemerkt. Tatsache ist, daß die G. alle drei später besessen haben. Ein Andenken an sie sind die eine Kirchenglocke, die kleinste, H. W. G. (wohl Gadow) 1578 gezeichnet und ein Abendmahlskelch, mit dem Wappen der Gadowen (3 Fische), dem Spruche 1.Joh. 1,7, das Blut Jesu Christi usw. und der Jahreszahl 1584. In der Mitte stehen die Buchstaben J-H-E-S- V-S (d.h. Jesus). Der nun 320 Jahre alte Kelch wird heute noch gebraucht. Nehmen wir für jedes Jahr 100 Abendmahlsgäste an, so haben daraus 32 000 Personen getrunken.

Ein hohes Alter hat die größte unserer Glocken. Sie trägt die Inschrift: „o jhesu rex gloria venicum paxe m cccc l xx v l" (d.h. anno 1476), die lateinische Inschrift heißt: „Jhesu Christe, König des Ruhmes, komme mit Frieden."

Diese Glocke hat noch zur katholischen Messe geläutet, denn erst 1539 unter Joachim II. ward der lutherische Glaube angenommen. Die Glocke ist also jetzt 429 Jahre alt.

Eine Urkunde aus der Zeit der Gadow's, geschrieben 1617 am Tage Antonii vom Pastor Joachim Willichenus (Wilke) ward 1682 bei Errichtung eines ganz neuen Turmes im Knopf gefunden und vom damaligen Patron Alexander Ludolf v. Quast abgeschrieben. Der Inhalt dieser Urkunde ist folgender:

Kurfürst der Mark ist Sigismund (regierte von 1608 – 1619). 1583 ist dieser Thurm gebaut. Er wurde wieder abgenommen 1617 durch Meister Hans Falden. Dieser, weil die hölzerne Stange etwas verfault war, hat ein neues Stück und den Knopf mit Wetterfahne wieder aufgesetzt. Das Stammregister der Gadow ist folgendes: Der Vater Matthias v. Gadow, der Großvater Joachim v. G. Dieser hatte 4 Söhne.

1. Ludewig, davon 2 Söhne, Hans Christoph und Ludwig.

2. Baltzer, davon 3 Söhne, so gestorben.

3. Caspar, davon 3 Söhne, Joachim, Melchior und Caspar.

4. Melchior, davon 2 Söhne, Adam †, also gestorben, und Matthias, possessor, d.h. Besitzer."

Dieser Matthias oder sein Vater scheint also damals der einzige Besitzer gewesen zu sein.

Es werden sodann in der Liste noch die Pfarrer von Protzen, die vorher gewesen, genannt:

Nach dem Papstthum (also seit 1539, Einführung der Reformation) sind gewesen Kramer in Protzen und Heinrich Kersten Michel in Stoeffin. Von da an haben beide Dörfer nur einen gehabt, nämlich

1. Gerloff,

2. Dreger,

3. Bredereke aus Berlin,

4. Kohlhase aus Manker (dort war ein K. 1576),

5. Wilke (lat. Willichenus, also um 1617.)"

Das Kirchenbuch beginnt leider erst von 1727 an.

Bemerkt wird noch in der Urkunde, daß Luthers Lehre grade 100 Jahre bestanden hat. (1517 die 95 Sätze an die Kirche zu Wittenberg geschlagen.) Ferner wird erwähnt, daß 1617 ein sehr milder Winter gewesen ist, so daß schon im Gartenmonat, also März oder April, die Pferde auf die Weide gingen, und zum Teil nachts dort blieben. Aber es folgte ein sehr trockener Sommer. Nur Roggen gedieh ziemlich, sehr schlecht aber Gerste; Hafer mußte zum Teil als Mengerling (Mengfutter) verbraucht werden. Der Scheffel Gerste galt zu Michaelis 5 Thaler, eine Tonne Bier 3 Thaler 4 Groschen (9,40 Mk.). Ferner noch wird berichtet von einer wunderbaren Krankheit unter dem Rindvieh. Triefen der Augen und Nasen, Maden in den Füßen (also Maul- und Klauenseuche).

Zum Schluß noch eine Naturerscheinung erwähnt. Zwei Schäfern, Baltzer und Rügenwalde, die nachts von Ruppin kamen, leuchteten die (wohl eisernen) Spitzen an den Stöcken (offenbar Elmfeuer bei Gewitterschwüle, also elektrische Erscheinung).

Noch bemerkt wird, daß Kurfürst Sigismund und Familie den reformierten Glauben (also Calvins Lehre) annahmen.

Die Urkunde schließt mit einem Vers aus dem Kirchenliede „Ach bleib bei uns Herr Jesu Christ" usw. Scriptum (geschrieben) 1617 am Tage Antonii per (durch) pastorem Joachim Willichenus.


Die Herren von Quast seit 1652.

Die von Gadow gerieten wohl in Folge des 30 jährigen Krieges sehr in Schulden.

Otto von Quast, auch Quasten geschrieben, Besitzer von Garz und Dollgow, zugleich Kommissar von Ruppin, verkaufte Garz aus Liebe zu seinem Vetter, General Albrecht Christoph von Quast, der eigentlich mit seinem im Kriege erworbenen Reichtum in Mähren sich ankaufen wollte, sein Rittergut Garz und kaufte 1652 das 1 ste Gadow'sche Gut hier von Melchior v. G., erwarb dazu Stoeffin (das auch den v. G.'s gehört hat) und kaufte 1654 das 2 te G.'sche Gut hier von Hans Christoph v. Gadow.

Alexander Ludolph von Quast, Sohn des Otto von Quast, kaufte 1667 das 3 te Gut des Hans Christoph von Gadow und bildete aus den 3 Gütern einen Rittersitz. Von seiner Hand geschrieben besitzen wir eine 4 Bogenseiten lange Urkunde, sowie die Abschrift der erwähnten Urkunde 1617. Alle diese Urkunden sind in dem 1793 durch einen Sturm herabgeworfenen Turmknopf gefunden worden.

Aus der Urkunde von 1682 geht folgendes hervor. Schreiber derselben, geboren den 30. Mai 1630, war Erbherr und Besitzer von Protzen, Stoeffin, Dolgow, Wulkow und Radensleben. Er berichtet, daß die von Gadow, denen auch Stoeffin und Dessow gehörten, alle ohne männliche Erben ausgestorben seien bis auf einen, der nach Mecklenburg verzogen sei. Hierzu sei bemerkt, daß 1893 beim Manöver ein Garde-Dragoner-Leutnant von Gadow zu mir kam und bat, den von seinen Vorfahren gestifteten Kelch anzusehen. Er bestätigte, daß sein Vorfahr von hier nach Mecklenburg gezogen sei und dort sich angekauft habe. Er selber war Besitzer eines Gutes in Drechow bei Triebsee in Pommern. Es wird in der Urkunde noch erwähnt, daß Schreiber 16 besetzte Unterthanen auf Hofstellen und drei wüste (im Kriege verwüstet) besitze. Merkwürdigerweise erwähnt er gar nicht des 30 jährigen Krieges, der doch erst seit 34 Jahren beendet war. Einen sehr ausführlichen Bericht über das Kriegselend finden wir darüber geschrieben vom Pastor Emanuel Collasius zu Protzen in dem Kirchenbuch von Gottberg, wohin derselbe nach Zerstörung Protzens zu seinem Schwiegervater, auch Pastor, übergesiedelt war, weil er hier keine oder nur noch ganz kleine Gemeinde vorfand. Er erzählt, daß von den kaiserlichen Truppen unter General Gallas auf dem Wege von Wusterhausen nach Langen im Jahre 1638 die Ortschaften Wildberg (damals eine kleine Stadt), Protzen, Walchow und Langen gänzlich (doch wohl mit Ausschluß der massiven Kirchen, sonst mußten die Glocken mitzerstört worden sein) verwüstet worden seien. Im ganzen seien zirka 90 Dörfer in der Grafschaft Ruppin und angrenzenden Kreisen zerstört worden. Tatsache ist, daß einige nicht wieder aufgebaut worden, z.B. das Dorf Nietzman oder Netzman bei Kerzlin. Aus Furcht vor der Pest traute sich der Feind nicht mehr in die bewohnten Ortschaften und schlug General Gallas ein Lager bei Dammkrug auf, von wo aus der die noch stehen gebliebenen Dörfer brandschatzen und plündern ließ.

Auffallend ist, daß auch nicht das geringste von der Schlacht bei Fehrbellin, 18. Juni 1675, in der Urkunde erwähnt wird.

Alex. Lud. v. Quast ließ 1682 den noch heute stehenden Turm ganz neu aufbauen, dieweil der alte, eine spanische Haube, d.h. kuppelförmig, 1583 sehr gering, d.h. schwach gebaut, 1617 wieder repariert, 1654 mit großen Unkosten von fahrlässigen Baumeistern von neuem sehr schlecht ausgeführt, mit dem Einsturz auf die Kirche gedroht habe. Der Neubau wurde einem geschickten Baumeister, Hans Kraatz aus Segefeld bei Spandau, übertragen. Weil die Mauer auf einer Ecke des Turmes bis auf die Turmtür zerfallen war, ließ man Michel Dietzel aus dem Schleiz im Voigtland kommen. Im Juni 1682 riß man die Mauer ein, den 14. August begann das Verbinden der Balken, den 30. August errichtete man den zweiten Stock bis zur Spitze. Hierbei geschah ein Unglück. Als eben die oberste Bauschwelle nach abendwärts, an welcher der Sims sitzt, wie es hat finster werden wollen, aufgebracht werden sollte, wurde der 60 Jahre alte Kirchenvorsteher Schleuß, ein frommer, ehrlicher Mann, auf dem letzten (damaligen) Hofe nach Manker zu (wo jetzt Gottschalk wohnt) aus einer unglücklichen Unvorsichtigkeit alter (korrigiert: aller) Gehülfen erschlagen. Er hatte, da er ein Unglück ahnte, den Tag zuvor mit Gott sich ausgesöhnt und das heilige Abendmahl genommen. Er hinterließ einen erwachsenen Sohn und zwei Töchter. Der Turm kostete zirka 400 Taler, Knopf und Stern neun Taler, die Vergoldung noch zehn Taler. An Hölzern gebrauchte man 100 halbe Schock Kiehnen (wären 3000 Stück, ein bischen viel) und 20 Stück Eichen, teils zu Stühlen, teils zu Sparren.

Alex. Lud. ließ auf seine und seiner Frau Kosten die neun Zentner schwere Glocke (mittelgroße, nach der Straße zu), weil geborsten (also schon vorher gewesen), umgießen, und weil sie von neuem geborsten (nach dem Tode seiner ersten Frau) von neuem umgießen. Sie trägt folgende Inschrift: DIESE KLOCKE HAT DER RITTMEISTER Alexander Ludolf von Quast, Wohlbestallter Commissar der Grafschaft Ruppin auf Protzen, Radensleben, Wulkow und Dolgow, sammt seiner Eheliebsten Marianne v. Katten a° (anno) 1664 auf ihre Kosten giessen lassen, und weil sie a° 1674 wieder zersprungen ist, hat Herr v. Quast nebst seiner itzigen Gemahlin Catherina v. Graevenitz dieselbe wieder umgiessen lassen anno 1682.

Auf der anderen Seite steht: „Goss mich Martin Heintze in Berlin." Auf der Glocke befinden sich auch die Wappen derer v. Quast, v. Katte (daher Katzen drin) und von Graevenitz.

Erwähnt und genannt werden zehn Kinder, je fünf aus den beiden Ehen, nämlich

Kuno Albrecht

Marie Eleonore

Otto Ludolph

Anna Sophie

Marie Elisabeth

Judith Luise

Judith Sophie

Georg Otto

Baltzer Friedrich

Anna Catharina



und ihre Geburtstage, also vier Söhne und sechs Töchter, alle noch damals lebend. Landeshauptmann der Grafschaft R. ist Freiherr Otto v. Schwerin.

Zum Schluß wird erwähnt, daß Gott den angepflanzten Weinberg recht gedeihen lassen wolle. Wo dieser gestanden, wird nicht gesagt. Noch heute heißt der Acker hinter Janicke, zwischen Luch und Landstraße, der Weinberg, also nach Walchow zu. Noch 1730 wird im Kirchenbuch als Weinmeister ein Buß erwähnt.

Nun nach 100 Jahren wird man sich wundern, daß im Kirchenbuche Torfmeister genannt werden, nämlich die Aufseher beim großen Torfstich, der hier 1876 begann und bis 1892 währte.

Zum Schluß wird noch erwähnt, daß die Pest in der Altmark wüte und in den Städten Tanger (korrigiert: Tangermünde), Stendal und Werben viele Menschen bereits weggerafft habe. Gott wolle verhüten, heißt es, daß sie sich bis hierher verbreite!

Dann folgt noch ein Verzeichnis der Untertanen, d.h. der verpflichtenden Wirte.


1617

1. Martin Schumacher

2. Achim Lamprecht

3. Herm. Nihme, Küster

4. Martin Grabow

5. Mich. Blank

6. Joch. Finger

7. Joch. Aleidt

8. Baltin Haumann

9. Paul Drobban

10. Achim Wulf, Krüger

11. – Brand

12. Achim Bruno

13. Tres Fischer

14. Martin Schmidt

15. Lentz Tavemann

16. Peter Schleuß

17. – Kurtz

18. Hans Kuhhirt

19. Jürgen Hermann

20. Kersten Möller

21. Dorban Lütke

22. Achim Nachtigall

23. Mart. Beckmann

24. Balzer Aleidt

25 .Simon, der Schmied.



1682

1. Jürgen Beerbaum, 2 Hufner

2. Thomas Fischer, 1 H.

3. Christoph Kober, Küster

4. Henning Hacker, Einlieger

5. Thomas Filter, ½ H

.6. wüste Stelle

7. Andreas Beerbaum, 2 ½ H.

8. Balzer Goetl, 2 H.

9. wüste Stelle (darauf Knechte als Weinmeister)

10. Joachim Kreschin, 2 H. u. Krüger

11. Joachim Gellhorn

12. wüste Stelle (2 H.)

13. Jürgen Hacke, 2 H.

14. Klaus Aleid, 2 H. und Schulze

15. Joachim Engel, 2 H.

16. Hans Filter, Schneider

17. wüste Stelle (Fabians Stelle, 1 H.)

18. wüste Stelle, 2 H.

19. Jacob Gädecke, 1 H.

20. Balzar Schleuß. 2 H. (beim Turmbau erschlagen)

21. Jaob Eckard's Witwe

22. Joachim Kramer, 1 H.

23. Joachim Müller, 2 H.

24. Jürgen Schulze, 2 H.

25. wüste Stelle (meines Bruders, also Quast's)

26. Jacob Dreetz, 1 H.

27. Peter Panzer.



Es wird noch bemerkt, daß der damals 60 Jahre alte Schulze Klaus Aleid die in der Liste 1617 Verzeichneten alle noch gekannt habe, auch daß in beiden Listen die Reihenfolge dieselbe ist.


Cuno Albrecht von Quast. 1692 – 1740.

Geboren 15. Mai 1663, erhielt er nach dem Tode seines Vaters, den 21. Oktober 1692, Protzen. Seine Brüder, Balzer Friedrich und Georg Otto erhielten Radensleben. Stöffin hatte schon vorher seine an einen v. Fürgaß in Ganzer verheiratete Tante, Schwester seines Vaters, als Mitgift bekommen. Auch von Cuno Albrecht ist eine Urkunde verfaßt und ein Turmknopf gefunden worden. Er erwähnt, wie am ersten Ostertag 1683, abends zehn Uhr, also ein halbes Jahr nach Erbauung des Turmes, den 25. September 1682, bei einem grausamen Gewitter unter schrecklichem Donnerschlage der Blitz in denselben eingeschlagen, jedoch ohne zu zünden, aber doch vom Knopf bis zum Turmstuhl ihn so zersplittert habe, daß von der ganzen Spitze nur ein halber Sparren stehen geblieben sei. Da die Kirche von allen Mitteln entblößt, sogar wegen des Neubaues mit Schulden belastet war, hat man, um die Fäulnis zu verhüten, die Spitze mit einem (wohl Bretter) Dache oberflächlich bedeckt. Er ließ den Zimmermeister Hans Kraatz, also den Erbauer des neuen Turmes, kommen und den Schaden wieder ausbessern. Es waren dazu nötig 45 Stück Kiehnen und vier Stück Eichen. Das Verbinden begann den 26. Juli 1697, beendet ward der Bau den 25. August 1697. 13 Jahre also hat es gedauert, bis der Schaden ausgebessert wurde.

Schreiber dieser Urkunde war vor Antritt seines Erbes Kurfürstlich Sächsischer Hauptmann zu Fuß.

Erwähnt wird noch, daß Friedrich III. Kurfürst von Brandenburg war, ferner, daß zwischen dem Kaiser, zugleich König von Angern (korrigiert: Ungarn) und der Türkei, und ebenso zwischen der Republik Venedig und der Türkei Krieg war, auch in Holland, Elsaß und am Rhein die Kriegsflamme lichterloh brenne, während, Gott sei Dank, im Lande selbst Ruhe sei. Geschrieben September 1697. Cuno Albrecht von Quast.

Mit den Quast'schen Berichten von 1682 und 1697 zugleich lagen im Knopf solche vom damaligen Pastor Pöpping und zwar in lateinischer Sprache, die übersetzt also lauten:

Pastor Protzens und Stöffins ist Lukas Pöpping, 64 Jahre alt, 30 Jahre im Dienste (also seit 1652). Das Ansehen der Kirche ist traurig, das des Staates unruhig. Mehr zu sagen verbietet mir Harpokrates (ein ägyptischer Gott der Verschwiegenheit).

Nun folgt in lateinischer Sprache ein Gedicht in Hexametern, welches lautet:

Stütze, o Gott, haltend mit fester Stütze den Turm, den erbauten, daß sichere Zerstörung ihn nicht treffe. Schütze der Quast Geschlecht und Familie durch des Wortes reine Religion. Erhalte den Nachkommen diesen Tempel, daß dein Wort hier und allenthalben erschalle! So geschehe es, so geschehe es!

Der zweite Vers meldet bereits Gesagtes.

Im dritten heißt es: Doch welch' ein Schmerz! Von einem Blitz arg getroffen und durch des Sturmes Gewalt im Jahre 1683 am ersten Ostern-Abend zehn Uhr zu Aller Schrecken herabgeworfen! Endlich wurde er zu des dreieinigen Gottes Ruhm und des hiesigen Tempels Zierde teils auf eigene Kosten, teils durch etlicher Wohltäter Freigebigkeit hergestellt im Jahre 1697 unter dem Kaiser Leopold I. und dem Landesherrn Friedrich III.

Als Wohltäter zahlten Maria Elisabeth v. Quast vier Taler, Maria Hedwig v. Borstof ein Taler usw.

An die Familie Quast dieser Zeit erinnern noch ein silberfarbiger Kelch und eine Oblatenschachtel mit der Inschrift 1714 E. C. v. Q. Vor der Renovierung der Kirche etwa 35 Jahren hingen an der Decke über dem jetzigen Knechtechor zwei schon halb vermoderte Fahnen, deren eine Spitze die in sich verschlungenen Buchstaben C. A. v. Q. und deren andere die Buchstaben A. L. v. Q. trugen (offenbar Cuno Albrecht und Alexander Ludolph). Auch stieß man bei der Neupflasterung der Kirche auf zwei Grabgewölbe, das eine nahe dem Altar, das andere etwas weiter davon. Das vor dem Altar öffneten die Maurer. Es lag außer einigen Hobelspänen eine Allongeperücke darin. Zu der Zeit wurden nämlich häufig die Patrone in der Kirche beigesetzt, die Fahne aber, die beim Begräbnis vorangetragen wurde, in der Kirche aufgehängt. Die eine Spitze der Fahnen prangt noch heute, neu vergoldet, an der des 1872 gebildeten Kriegervereins.

1718 und 1727 zerstörte eine Feuersbrunst bis auf die Kirche, vier Höfe und einige Einliegerstellen das gesamte Dorf samt dem Pfarrhaus, wobie die Kirchen- und Kirchenrechnungsbücher von Protzen und Stöffin verbrannten, was recht schade, sonst würden wir noch mehr aus der Zeit vorher wissen. 1728 wurde ein neues zweistöckiges Pfarrhaus gebaut, welches 1872, also nach 144jährigem Bestehen, abgerissen wurde. Nach einer kurzen Bemerkung im neu angelegten Kirchenbuch brach das Feuer im August aus, also nach der Ernte, ein um so größeres Unglück.

Im Kirchenbuch wird öfters als Patin erwähnt eine Sabina Sophia von Quast, vielleicht die Witwe des Cuno Albrecht, ferner ein Albrecht Friedrich v. Quast, wohl ein Vetter desselben. Die Tür des vor 25 Jahren beseitigten zweiten Leichenhauses, durch welche Patron und Prediger in die Kirche gingen, trug oben im Querbalken die Inschrift C. L. v. Q. 1744, also Cuno Ludolph v. Q., wohl der letzte der Quast's hierselbst.

Zwei Bände in Schweinsleder, betitelt „Eisenmengers entdecktes Judentum" hat 1734 C. L. v. Quast der hiesigen Kirche geschenkt. Sie befinden sich im Pfarraktenspinde.


Die Herren von Kleist. 1750 – 1826.

Um 1753 kaufte ein General v. Kleist Protzen. Er wird im Kirchenbuch erwähnt als Pate des Kindes vom Prediger Schinkel. Er war zweimal verheiratet. Seine erste Frau war Luise Eleonore v. Puttlitz, seine zweite Marie Eleonore v. Lepell. Sein und seiner zweiten Frau Wappen befinden sich noch über der Tür des Hauses. Im Wappen von K. ein Fuchs (wendisch Kleest), im Wappen von Lepell zwölf Löffel, die Spitzen einer Krone bildend.

1756 begann der siebenjährige Krieg. Franz Ulrich v. K., General, starb den 13. Januar 1757 zu Dresden an den Wunden, die er in der Schlacht bei Lowositz erhalten. Die hiesige Gegend, besonders um Gransee bis Ruppin, wurde in der Kriegszeit von den Schweden als Feinden heimgesucht. Sie schlugen unter General Hamilton, der übrigens sehr milde verfuhr und strenge Manneszucht hielt, zwischen Walchow und Langen ein verschanztes Lager auf. Ein nächtlicher Überfall von 400 preußischen Husaren und ebenso vielen Dragonern unter Oberst von Korf, der übers Luch gekommen war, veranlaßte Hamilton, der den Feind für stärker hielt, seinen Plan, in Berlin sich mit den Russen zu vereinigen, aufzugeben. Er zog sich hinter Ruppin zurück. Dort ließ er einige Dörfer, die in der Lieferung von Fourage saumselig gewesen, zur Strafe plündern. Streifzüge russischer Kosacken kamen über Oranienburg nach Ruppin, erpreßten dort eine Summe von 2000 Taler. Unsere Gegend scheint von solchen feindlichen Streifzügen verschont geblieben zu sein. Furchtbar heimgesucht wurden Schlesien und Preußen von Österreichern und Russen.

Die Witwe von K. verpachtete das Gut an einen gewissen Techow und verkaufte es 13 Jahre später an ihren Stiefsohn Gustav für 46000 Taler.


Tod eines Prinzen.

Den 16. Mai 1767, so wird im Kirchenbuch berichtet, kam Prinz Friedrich Heinrich Karl von Preußen mit seinem Kavallerie-Regiment von Kyritz nach Berlin zur Revue hier ins Quartier und übernachtete im Hause der Witwe v. K. Er kam schon kränklich hier an. Den folgenden Tag stellten sich bei ihm die Pocken heraus. Zwei geschickte Ärzte aus Ruppin vermochten ihn nicht zu retten. Er starb, nur 19 Jahre fünf Monate alt, den 26. Mai, also nach zehn Tagen. Um elf Uhr abends, den 28. Mai, ward diese hohe Leiche durch Offiziere unter Beleuchtung vieler Lichte in das hiesige Grabgewölbe gesetzt. Den 7. Juni, als am ersten Pfingsten, abends 8 Uhr, ward die Leiche nach Berlin gebracht. Den 21. Juni, 1. Sonntag nach Trinitatis, ward die Leichenpredigt für den Prinzen im ganzen Lande über Jes. 55, 8 (meine Wege sind nicht eure Wege usw.) gehalten.

Noch heute heißt die eine Stube des Herrschaftshauses die Prinzenstube. Der Prinz, geboren den 30. November 1747, war ein Sohn des Prinzen August Wilhelm, Bruder Friedrichs des Großen, und der Amalie von Braunschweig. Er war ein Liebling des Königs, der, als er beim Rückmarsch vom Manöver in Bernau seine Todesnachricht empfing, tief erschüttert war und deshalb in Bernau die Nacht blieb.

(Mühlen in Protzen)

Im Jahre 1752 ward dem General v. K. vom König der Bau einer Windmühle erlaubt. Es hängt diese Erlaubnis wohl zusammen mit der Ablösung gewisser Vorrechte einzelner Wassermühlen.

So bestand Mahlzwang für Langen, Walchow, Buskow und Protzen, die auf die Wassermühle zu Wustrau angewiesen waren. Aus einem Schreiben vom 26. Juli 1806 des Landrats v. Zieten in Wustrau an den Rittmeister v. Briest, Bruder der Frau des Gustav v. Kleist, geht nun deutlich hervor, daß früher bei Protzen eine Wassermühle gewesen ist. Es heißt in dem Briefe: „Der Arm des Rhins, welcher hinter Langen fließt und unter die Fehrbelliner Brücke geht, hat ehemals seinen Lauf hiter Walchow, Protzen bis Garz gehabt, hat auch hinter Protzen eine Mühle getrieben, statt deren nachher eine Windmühle erbaut worden ist. Diesen alten Rhin, nachdem er ganz zugewuchert gewesen, hat der König vor 30 Jahren (also 1776) vom Fehrbelliner Damm aus bis zur Temnitz unterhalb Garz gerade stechen lassen und dieser Graben ist noch unter dem Namen Rhingraben vorhanden. Sein Zustand als Abzugsgraben war unglaublich geworden. Er sollte zehn Fuß breit sein und war nur noch einen und einen halben Fuß breit und die Brücke darüber nur drei Fuß lang, weshalb ich ihn habe instand setzen lassen. Schon König Friedrich II. hat alle Biegungen dieses Rhinarmes gerade stechen lassen, um schnelleren Abfluß zu schaffen."

Die Spuren der Wassermühle gleich hinter dem Gutspark waren deutlich noch bis jetzt an den Fundamentsteinen zu beiden Seiten des Wallgrabens zu erkennen. Bei der in diesem Jahre 1904 vollzogenen Vertiefung und Verbreiterung des Wallgrabens stieß man noch dort, wo die Mühle ehemals stand, auf einen tief in die Erde gerammten Balken.


Gustav von Kleist. 1770 – 1794.

Als Johanniterritter hieß er kurzweg Johanniter-Kleist. Sein Bild hängt noch auf dem Flur des Gutshauses. Sohn des Generals v. K., kaufte er das Gut von seiner Stiefmutter, geb. v. Lepel. Seine Frau war eine v. Briest. Um das Gut zu übernehmen, nahm er als Fähnrich den Abschied.

Zu seiner Zeit war den 26. August 1787 der große Brand Ruppins, durch welchen dreiviertel der Stadt eingeäschert wurde. Im ganzen Kreise wurde für die unglücklichen Bewohner gesammelt.

Gustav v. K. gab sein Gut der Gemeinde in Erbpacht. Die Pacht betrug 1800 Taler, zahlbar in vier Terminen. Der Vertrag befindet sich noch unter den Gutsakten, darin 19 Wirte verzeichnet stehen. Auch in der Urkunde von 1697 werden die Wirte aufgezählt. Beide Listen folgen anbei:

1697

1. Jürgen Beerbaum

2. Matthes Fischer, Witwe

3. aedituus (Küster) Thomas Baumann

4. Antonius Filter

5. Andreas Beerbaum

6. Peter Meyer

7. der Weinmeister

8. Joh. Kressin

9. Joch. Gellhorn

10. Joch. Brand

11. Andreas Vogt

12. Jochem ?

13. Wilh. Baetge

14. Hans Filter, Schneider

15. Joach. Krebs

16. Joch. Spielhagen

17. Joch. Schleuß sen.

18. Joch. Schleuß jun.

19. Joch. Möller

20. Balzer Gelbe

21. Christ. Schulte (?)

22. Christ. Schwanow

23. Hans Dreetz 2

4. Martin Gelhorn, Schmidt.

1786

1. Joh. Kleßen, Schulze

2. Chr. Beerbaum

3. Joach. Fischer

4. Joach. Wilke

5. Joh. Schönbeck

6. Martin Kressin

7. Gottfr. Jungesblut

8. Behrend Dittmann

9. Joh. Deter

10. Peter Deter

11. Joach. Fischer sen.

12. Christ. Müller

13. Martin Krebs

14. Martin Dittmann

15. Fr. Prittschow

16. Joach. Frost

17. Gottfr. Beerbaum

18. Martin Kramer

19. Christ. Gädeke.

Von der Pacht waren ausgenommen alle Gärten, Alleen, der Berg mit den Maulbeerbäumen (wo?), alle Baumpflanzungen am Weinberge, wie Buchen und Pappeln. Ausbedungen waren freie Hütung für zehn Kühe, ein fetter Ochse, zwei Stück Güstvieh, sechs Hammel, die Jagd, die Fischerei, so auch die in dem Karpfenteiche auf dem Mühlberg. Zu leisten waren sechs Fuhren nach Berlin, vier nach Havelberg, sechs nach Ruppin, oder andere Touren von gleicher Weite. Geliefert mußte werden, z. T. direkt nach Berlin, besonders der Hafer

16 Wispel, 17 Scheffel Roggen

8 Wispel, 8 Scheffel Gerste

8 Wispel, 6 Scheffel Hafer

6 Scheffel Erbsen

zwölf Schock Roggenstroh, eine Anzahl Hühner und Eier. Sämtliche übrigen Pächte und Zehnte verblieben dem Gute. Alle diese Stücke wurden zu 897 Talern im Werte berechnet. Auch wurde je nach Steigen oder Fallen der Kornpreise eine entsprechende Erhöhung oder Verminderung der Pacht festgesetzt. Eine Erhöhung wurde z. B. 1803 beantragt von der Witwe v. K. und auf 188 Taler für zwei T. J. festgesetzt.

Nach Bratrings Geschichte der Grafschaft Ruppins 1799 betrug die Aussaat der Gemeinde Protzen inkl. Rittergut damals

Weizen 1 Wispel, 7 Scheffel

Roggen 26 Wispel, 11 Scheffel

Gerste 19 Wispel, 16 Scheffel

Hafer 13 Wispel, 5 Scheffel

Kartoffeln 1 Wispel, 7 Scheffel

Leinen 4 Wispel, 7 Scheffel.

Die Gemeinde hat ohne das Gut 39 ½ Hufen Land. Der Viehbestand betrug 93 Pferde, 297 Rindvieh und 1482 Schafe, die Abgaben 245 Taler. Es waren 33 Feuerstellen zu 17950 Taler versichert. Protzen hatte 257 Einwohner (jetzt 557).

(Friedrich der Große in Protzen)

Unter Kleist im November 1779 kam Friedrich der Große zur Besichtigung des von Nauen bis Neustadt entwässerten Luches über Fehrbellin auch durch Protzen. Der Amtmann Fromm in Fehrbellin mußte den König begleiten und ritt neben seinem Wagen her. Er hat seine Unterredung mit dem König aufgeschrieben. Daraus nun folgendes:

König: Wie heißt das Dorf vor uns?

Fromm: Protzen.

König: Wem gehört es?

Fromm: Herrn v. Kleist. K

önig: Was für ein Kleist?

Fromm: Ein Sohn vom General v. Kleist, dessen Bruder Flügeladjutant bei Ihrer Majestät ist und als Oberstleutnant beim Kalksteinschen Regiment steht.

König: Ha! Ha! Von dem, die Kleist kenne ich recht gut. Ist der Protzener auch im Dienst gewesen?

Fromm: Ja, er ist Fähnrich gewesen im Prinz Ferdinand-Regiment.

König: Warum hat er seinen Abschied genommen?

Fromm: Das weiß ich nicht.

König: Ihr könnt es mir immer sagen, ich suche nichts darin.

Fromm: Ich weiß es wirklich nicht.

Nun waren wir an Protzen heran. (Protzen war damals nur halb so lang und begann erst bei der Schule). Ich gewahrte nun, daß General Zieten (in Wustrau) auf dem Edelhofe stand. Ich ritt an den Wagen heran und meldete es.

König: Wo? Wo? Reitet vor, sagt den Leuten, sie sollen halten.

Nun stieg er aus, begrüßte Zieten und Kleist, sprach mit ihm über mancherlei, ob ihm die Ausgrabung des Luches geholfen, ob er Viehseuchen gehabt und empfahl dagegen das Steinsalz. Mit einem Male ging der König zur Seite und rief mich (dicht am Ohr): „Wer ist da der dicke Mann da mit der weißen Weste?" Ich (ebenfalls dicht am Ohr): „Es ist der Landrat v. Quast."

König: Schon gut.

Nun sprach er wieder mit Zieten und Kleist, drehte sich dann um und sagte: „Serviteur, Herr Landrat!". Als dieser auf ihn zugehen wollte, sagte er:" Bleib er nur da, ich kenne ihn, er ist der Landrat des Kreises, v. Quast." Darauf nahm er zärtlichen Abschied vom alten General und bestieg den Wagen. Ob er nun gleich in Protzen für die herumgereichten Früchte gedankt hatte, nahm er gleich hinter Protzen für sich und den General, Grafen v. Goerz, ein Butterbrot aus der Wagentasche und aß hernach Pfirsiche. Unterwegs fragte er auch noch ein paarmal, warum Kleist den Abschied genommen. In Garz wurde umgespannt und nach Neustadt gefahren.

(Urbarmachung des Rhinluches)

Schon der große Kurfürst plante die Urbarmachung des Rhinluches, aber die vielen Kriege hinderten ihn daran. Erst Friedrich Wilhelm I. ließ durch Feldmesser die Luchfläche messen und eine Karte anfertigen. Dies geschah den 30. Mai 1714. Wie oft in der Welt, fand auch dies nützliche Werk seine Feinde an allerlei Vorurteil und Bedenken, wiewohl die Wiesenbesitzer nur einen geringen Kostenbeitrag zu geben brauchten und ihnen durch verzinslichen Vorschuß aus der Staatskasse große Erleichterung gewährt wurde. Erst durch Androhung von Exekutern (korrigiert: Exekution) kam das Werk zustande. Im Jahre 1719 arbeiteten gegen 1000 Arbeiter am Hauptkanal von Hohenauen bis Mühlwasser, ferner noch 200 Mann von des Königs Soldaten. Die Kosten beliefen sich auf 70742 Taler. Auf einen Morgen fiel ein Taler, vier Groschen (also 3 ½ Mark). Am Königshorst allein wurden 14876 Morgen urbar gemacht, davon 4000 zum Pflügen. Milchwirtschaften nach holländischer Art wurden dort eingerichtet.

Man denke sich die ehemalige Luchfläche vorher. Sie bildete zum Teil einen großen Busch von Weiden, Erlen und Birken, dazwischen zerstreut Rasenflächen von bräunlich-grüner Farbe. Im Frühling quoll der Boden durch das Hervordringen des Grundwassers auf und ragte wie eine Insel empor. Trotzdem weideten, sobald es ging, die Kühe darauf, oder es wurde das ziemlich saure Gras abgemäht. Das Vieh mußte häufig durch die Laaken schwimmen, um Grasstellen zu finden, oder es sank so tief ein, daß es mit Mühe herausgezogen werden mußte. Manche Kuh mußte auf der Stelle getötet werden. So lautet der Bericht des Herrn v. Bredow auf Wagnitz vom 14. Juni 1723, wobei er hinzufügt, daß aus den vier Dörfern, die er besitze, jährlich sechs bis sieben Haupt Vieh umgekommen seien.

Ein schönes Jagdrevier muß einst das Luch gewesen sein. In ganz alter Zeit hausten hier sicher Bären, Wölfe, Luchse, vielleicht Auerochsen. Hirschgeweihe sind beim Torfstechen öfters gefunden worden. Aber auch eine Zuflucht in Kriegszeiten bot das wildbewachsene unwegsame Luch. Es wurde beim Torfstechen in Walchow eine goldene Halsspange gefunden, hier ein Steinbeil aus der Urzeit.

Gustav v. Kleist starb kinderlos, 51 Jahr alt, den 3. Juli 1794. Die Witwe starb, 65 Jahr alt, den 18. Juni 1811. Im Kirchenbuch wird dem Patron die Aufrechterhaltung guter Ordnung nachgerühmt. Pfarrer zu Kleist's Zeit waren Schinkel, Vater und Sohn, darnach Sachse.


Louis von Kleist. 1811 – 1826.

Neffe des vorigen und Sohn des Generals, der nach der Niederlage bei Jena 1806 die Festung Magdeburg übergab, ward er Erbe des Gutes. Sein Vater, der General soll hier in aller Verborgenheit gelebt haben. Als der Freiheitskrieg begann, trat Louis v. K. in das Korps der Freiwilligen. Er avancierte nach dem Kriege bis zum General. Die Briefe von P. Sachse an ihn sind nach Neiße gerichtet. Mehrere ältere Wirte von hier beschrieben ihn als groß und stattlich. Seine Kühnheit im Reiten büßt er einst mit einem Beinbruch. Ein Arzt hatte ihn so wenig geschickt geheilt, daß das Bein krumm blieb. Da ließ er sich das Bein noch mal brechen und von einem einfachen Mann aus der Pfalz (Gegend bei Pfalzheim) regelrecht heilen.

Seit 1806 begann die Besetzung auch der hiesigen Gegend mit französischen Truppen. Zwei Infanterie-Regimenter hatten ein ganzes Jahrlang ein Lager hinter Ruppin. In dem Tagebuch des Schmiedes Lindenberg, das noch im Besitze seines jetzt 80 Jahre alten Neffen, des Mühlenmeisters Müller hier, wird folgendes bemerkt: Der Bauer mußte jeden Tag sechs Groschen (75 Pf.), ich einen Silbergroschen sechs Pfennige (15 Pf.) zahlen. Bei den vielen Durchmärschen haben sie mich mit dem Beschlagen der Pferde sehr geschoren, auch uns allen mit Essen, Trinken und Wäsche sehr zugesetzt. Gerste kostete in dieser Zeit der Scheffel zwei Taler vier Groschen (6,50 Mk.), Hafer einen Taler sechs Groschen (3,75 Mk.), Erbsen drei Taler zehn Groschen (9,10 Mk.).

In den Pfarrakten finden wir vom P. Sachse geschrieben eine genaue Angabe der Durchmärsche, Einquartierungen und Lieferungen an das Lager. Zu letzteren gehörten:

Ochsen 1 5/6 Stück im Werte von 68 Taler,

Hammel 114 ? ? ? ? 370 ?

Schweine 3 ½ ? ? ? ? 43 ?

Kälber 2 ½ ? ? ? ? 8 ½ ?

Gänse 92,

Enten 15,

Puten 16,

Hühner 76,

Wein 324 Quart für 22 Taler,

Bier 30 Tonnen = 84 Taler,

Brode 3536 Pfund,

Butter 375 Pfund,

Speck und Schmalz 104 Pfund,

sonstiges für 274 Taler,

Holz 30 Klafter = 62 Taler,

Kleider, Wäsche, Tücher 35 Taler,

genommen vier Pferde = 250 Taler,

ebenso zwei Ackerwagen = 54 Taler.

Man vergleiche damit die jetzigen hohen Preise!

Es kamen nach Sachse's Angabe

1806

24. Oktober preuß. Husaren 40 Offiziere, 684 Mann, 747 Pferde Füsiliere 4 Offiziere, 612 Mann, 19 Pferde

25. Oktober preuß. Husaren 10 Offiziere, 157 Mann, 177 Pferde

24. Oktober bis 3. November aus verschiedenen Regimentern 822 Mann, 6 Pferde, in Summa also 54 Offiziere, 2275 Mann, 945 Pferde.

Vom 3. November an kamen die Franzosen

zu 4. November 23 Offiziere, 282 Mann, 200 Pferde

18. November 13 Offiziere, 318 Mann, 44 Pferde

24. November 44 Offiziere, 1755 Mann, 6 Pferde auf mehrere Stunden des Regens wegen.

24. November 13 Offiziere, 156 Mann, 36 Pferde und so fort

bis zum 27. Dezember.

Im Jahre 1811 – 1813 kamen hier ins Quartier

30. März Preußen, Kürassiere

17. April drei Kompagnien Franzosen

25. April preußische Invaliden

10. März 1813 Kosacken

23. März deutsch-englische Legion

10. April russische Husaren 2. Mai Kosacken

13. Mai preußische Landwehr usw.

14. August Schweden.

Nach dem Kriege ließ Kleist ein Haus für zwei Invaliden bauen. Es waren dies Blumenreiter und Bohl; Bohl, der Sohn desselben, jetzt 80 Jahre alt, lebt hier als Leiter einer Musikkapelle. Damals ging zweimal in der Woche die Post von Fehrbellin bis Wusterhausen. Der Invalide Blumenreiter nahm nachts 12 Uhr die Postsachen in Empfang.

Im Walchower Grund soll übrigens mal ein Postillon nachts räuberisch überfallen und erschlagen worden sein.

Kleist verpachtete sein Gut an einen Amtmann Hürche, der nach Verkauf Protzens das jetzt Scherzsche Gut in Stöffin pachtete.

1811 und 1812 fand die Separation statt, hier die der Gemeinde unter sich und die der Gemeinde vom Gute. Dadurch erhielt Kleist einen Teil des verabpachteten Gutes wieder. Den Bauern wurde ein Teil der Pacht, für den Zweihüsner 25 Taler, erlassen. Ferner hörten alle Hofedienste und Abgaben auf. Dafür brauchte das Gut nicht mehr für Wohnungen und andere Bedürfnisse zu sorgen. Es war dies das Werk der Minister v. Stein und Hardenberg unter Friedrich Wilhelm III. Es war nicht leicht durchzuführen, stieß bei dem Landadel auf heftigen Widerstand, sogar auch bei den Bauern, welche den Nutzen nicht einsahen. Seit dieser Zeit rührt der Bauern Selbständigkeit und Wohlstand her.

Die Kleists scheinen nicht sehr kirchlich gewesen zu sein. Nur ein einziges Andenken an sie ist in der Kirche, nämlich ein Klingebeutel mit dem Wappen des Generals v. K. und seiner Frau geb. Lepel.

Louis v. K. bestritt alle Bauten an der Pfarre und Schule, sogar einen Teil des Gehaltes des Küsters aus der Kirchenkasse, sodaß diese zuletzt in Schulden geriet und die Regierung dagegen einschritt. Mit dem P. Sachse soll er manchen Streit gehabt haben. Um nichts von der Pfarre zu sehen, ließ er angeblich das stallhohe Spritzenhaus, später durch ein kleineres ersetzt, dicht neben der Pfarre auf dem Kirchplatz errichten. Auch wollte er die Kirchhofsmauer abreißen lassen, um aus den Steinen für sich einen Stall zu bauen, wogegen P. Sachse und die Gemeinde mit Erfolg bei der Regierung protestierten.

Den 28. November 1823 ward ein großer Teil des Dorfes durch eine Feuersbrunst zerstört. Es war gerade der Tag, an dem der Kronprinz, später Friedrich Wilhelm IV., nach seiner Vermählung seinen Einzug in Berlin hielt. Wie erzählt wird, sollen etliche Wirte von hier an diesem Tage in Berlin gewesen sein, den Einzug mit anzusehen. Zurückgekehrt, fanden sie Haus und Hof in Asche. Das Feuer kam nachmittags aus auf dem Schoenebeckschen Hofe, damals zwischen dem Gute und dem jetzt R. Beerbaumschen Hofe gelegen. Es brannten nieder die Hofstellen von Schoenbeck, Gottfr. Deter, Krüger Deter, Wilke, Fr. Deter, Leusch, Bünger, dann auf der andern Seite die Pfarrställe, Joh. Beerbaums und Berg-Fischers Hof, sowie die Schule. Der Wind wird demnach von Südwest gekommen sein. Wie sich erst nach Jahren herausstellte, war der Brandstifter ein gewisser Schmidt, Stiefsohn des hiesigen Büdners Eisfeld, der als Hütejunge bei Schoenbeck diente. Er soll das ruchlose Werk getan haben aus Äger darüber, daß er allein Dung aufladen sollte. Erst nach etlichen Jahren wegen Diebstahls und fernerer Brandstiftungen in Ruppin verhaftet, bekannte er, daß er auch hier das Feuer angelegt habe. P. Sachse hat darüber einen längeren Bericht an seinen Patron nach Neiße hin gemacht, der sich in den Akten findet. Nur das Invalidenhaus, obgleich auch mit Strohdach versehen, blieb vom Feuer verschont. Die Schule soll übrigens ein armseliges Haus mit sehr engem Raum gewesen sein. Die Schulverhältnisse lagen damals noch sehr im argen. Nur im Winter wurde unterrichtet, im Sommer nur, wenn es die Arbeit gestattete. Die Särge aus der Kleistschen Familie befanden sich noch bis vor 30 Jahren in dem jetzigen Grabgewölbe, wurden da aber, weil ganz zerfallen, herausgenommen und auf dem Kirchhof (gestrichen: in der Erde) nahe dem großen Eingang beerdigt.


Kammerherr Friedrich v. Drieberg 1826 – 1852.

Kleist verkaufte 1826 sein Gut für 74 000 Taler (der General v. K. hatte 46 000 Taler dafür gegeben) an den Rittmeister des Garde du Korps von Drieberg auf Kantow. Von diesem erbte es sein Sohn Friedrich. v. D. war mehr ein Gelehrter als ein Ökonom. Um die Wirtschaft kümmerte er sich wenig. Sein Park, den er durch Vertauschung der Schoenebeckschen Hofstelle gegen eine Wiese vergrößert hatte, war sein besonderes Vergnügen. Dieser Park mit seinen hohen alten Bäumen, schattigen Gängen und Rosenanlagen, die mit Blumen reich geschmückt waren, war einer der schönsten hiesiger Gegend und umfaßte ca. 30 Morgen.

Auf dem Gebiete der Religion huldigte er der Freigeisterei seinerzeit, doch wiewohl mehr Atheist, unterhielt er sich gern über religiöse Fragen. Er war ein großer Kenner und Freund der Musik. Eine von ihm verfaßte Oper soll seinerzeit in Berlin aufgeführt worden sein. Auch beschäftigte er sich gern mit der Naturwissenschaft. Seine im Druck veröffentlichten Behauptungen erregten vielfach Befremden und brachten ihn in den Ruf eines Sonderlings. So leugnete er den Luftdruck, erkannte aber keinen noch so deutlichen Gegenbeweis an. Auch schrieb er eine Abhandlung über die Kunst des Fliegens und versah sie mit der Zeichnung eines von ihm erdachten Flugapparates. Ferner schrieb er über die Musik der alten Griechen, worin er den Nachweis führte, daß sie ausgebildeter gewesen sei, als man sonst annahm. Drieberg war von mittlerer Größe. Er ging sehr einfach gekleidet. Seine Frau war eine geb. von Normann. Von vier Töchtern blieb nur eine namens Valesca am Leben. Seine Frau nebst drei Kindern liegen auf dem hiesigen Friedhofe beerdigt.

Zu D.s Zeit hatte der Patron als Gerichtsherr auf dem Lande noch das Recht, solche, die sich eines Feld- oder Gartendiebstahls schuldig gemacht hatten, aushauen zu lassen und ist davon Gebrauch gemacht worden.

Im Jahre 1831, den 2. April, am Osterheiligabend, brach hier ein großes Feuer aus, durch welches fast die ganze andere Hälfte des beim Brande 1823 stehen gebliebenen Dorfes verzehrt wurde. Es entstand auf dem Hofe des Bauern Joach. Deter, zweiten Mannes der verwitwet gewesenen Jungesblut. Den Versuch, die Pferde zu retten, büßten die beiden Stiefsöhne Jungesblut und ein Knecht, namens Hirt, aus Walchow gebürtig, 24 Jahre alt, Sie starben an ihren Brandwunden. Das Feuer leuchtete nachts so weit, daß die Kürassiere zu Rathenow angeblich zur Rettung aufgebrochen sein sollen, in der Meinung, daß das Feuer in der Nähe sei.

Folgende Liste zeigt die Reihenfolge der Gehöfte vor den beiden Bränden.

Von Osten her

auf der Nordseite I

(1.-3.:Feuer 1823.)

1. Berg-Fischer

2. die Schule 3

3. Joh. Beerbaum

4. die Pfarre

5. Kirchhof Krüger

6. Schmiede

7. Stege-Fischer

(8.-10.: Feuer 1831)

8. Herrschaftliches Haus

(9.-12.: Feuer 1831)

9. Falkenberg

10. Fritz Kleßen

11. Rittergutshof II

12. Müller, Bauer

13. Joh. Beerbaum II

14. Dittmann

15. Gaedecke

16. Arbeiterhaus.

Auf der Südseite II.

(1.-7.:Feuer 1823.)

1. Kossät Bünger

2. Leusch

3. Fr. Deter

4. Wilke

5. Deter,

7. Schoenbeck

6. Deter, Gottfr.

8. Deter (Jungesblut)

(9.-12.: Feuer 1831)

9. Schleuß

10. Mühtzlitz

11. Schwarz, Kossät

12. Kleßen, Schulze

13. der Müller.

Auf Anordnung des Landrats von Zieten wurden beim Wiederaufbau die Hofstellen weiter auseinandergelegt, daher das Dorf noch einmal so lang wurde.

1848 schlug an einem Karfreitag nachmittags 4 Uhr der Blitz zündend in den Stall des Bauern Wilke, wobei ein Pferd umkam. Dies Feuer ward als eine Strafe angesehen für eine ziemlich geringschätzige Äußerung des Besitzers über die Bedeutung des hohen Festtages, zugleich dafür, daß er an diesem Tage einen Keller hatte weißen lassen. Es war übrigens der Wilke sonst ein ganz ehrbarer Mann, der nur zuweilen stark pokulierte, und wohl nur im Rausche nicht wußte, was er sprach.

Drieberg verpachtete eine Zeitlang sein Gut an einen Amtmann Wienkopp. Im Jahre 1846 wurden Drieberg 1400 Taler Wollgeld durch Einbruch gestohlen. Der mit Eisen beschlagene Kasten ward im Parke des Morgens gefunden. Der Einbruch geschah im Sommer in einer der kürzesten Nächte. Man vermutete, daß Helfershelfer im eigenen Hause mit dabei betätigt gewesen seien.

Im Jahre 1847 wurde der Turm mit Holzschindeln neu gedeckt, was 500 Taler Kosten machte. Eine gleiche Reparatur im Jahre 1767 lief nicht ohne Unfall ab. Ein Zimmergeselle, Andreas Heise, 65 Jahre, fiel, da der Wind stark wehte, herab, und gab, ohne ein Wort zu reden, seinen Geist auf. Er ward den 29. Oktober still beerdigt.

Im Jahre 1848 brach in Berlin die Märzrevolution aus. Aufrührerische Reden wurden auch in den Dörfern gehalten. Seit dieser Zeit hörte das Jagdrecht als besonderes Vorrecht der Güter auf.

Drieberg verkaufte sein Gut 1852 für 110000 Taler an Herrn Kohlbach in Neumühle bei Alt- Ruppin. Er zog zu seiner in Charlottenburg an einen Herrn August v. Oppen, Leutnant beim Garde du Korps, verheirateten Tochter Valesca. Da er keinen Sohn hinterließ, starb mit ihm sein Stamm aus.

Zu Driebergs Zeit wurde die Berlin-Hamburger Eisenbahn gebaut. Der Bahnhof in Friesack, mitten im Luche, wurde ums Jahr 1844 fertig. Eigentlich war die Bahn diesseit des Luches geplant. Nach Protzen sollte eine Bahnstation kommen und war bereits abgesteckt. Vorurteil und Kurzsichtigkeit hiesiger Besitzer, die mehr Schaden als Nutzen davon zu haben vermeinten, verhinderte die Ausführung dieses Planes. Die Herren jenseits des Luches waren klüger und gaben z. T. umsonst das Gelände her. Nach dem Bahnhof Friesack fuhr man von hier aus im Sommer über das Mankersche oder Garzer Luch nach Vorwerk Damm zu, im Winter zog man, nachdem die Chaussee von Ruppin nach Neustadt gelegt war, den Weg über Wildberg dorthin vor. Fahrgelegenheit, bevor die Bahn fertig war, war das Fuhrwerk der Händler, welche jede Woche einmal Butter und Käse nach Berlin brachten. Fast jedes Dorf hatte einen solchen Händler. Der letzte hier war der noch als Rentner lebende Kaufmann Wilh. Kroecher. Die Butterhändler wurden fast durchweg vermögend. Von Ruppin aus fuhr in der Woche zwei- bis dreimal abends die Post nach Berlin. Eine Fahrt mit Wagen nach Berlin währte zehn Stunden.
Protzen unter den neuen Besitzern.

(August Legde)

Herr Kohlbach ließ das Gut verwalten. Nach vierjährigem Besitz verkaufte er es an Herrn August Legde, Gutsbesitzer in Blumenthal in der Prignitz. Vor dem Verkauf hatte er noch die Erbpacht des Bauern an das Gut, 96 Taler für den Zweihufner, für 22000 Taler ablösen lassen. Auch der Müller hier löste seine Weidegerechtigkeit (zwei bis drei Kühe) ab und erhielt dafür vom Gute etliche Morgen Weide.

Im Jahre 1854 brannten das Haus und Gehöft des Tierarztes und Schmiedebesitzers Kühn ab. Es lag an der Stege dicht hinter dem Kirchhof. Die Schmiede selbst lag weiter ab am Hinterwege. Da es ganz windstill war, blieb der Turm trotz der Nähe des Feuers verschont. Der Tierarzt Kühn hatte eine weit ins Ländchen hinein ausgedehnte Praxis. Seine Frau, geb. Göhre, war die Tochter eines Oberförsters.

Der neue Besitzer ließ die zahlreichen, z. T. über 100 Jahre alten Bäume im Park fällen, und verkaufte sie an Ruppiner Möbelhändler. Doch sorgte er für Neuanpflanzung. Er starb nach nur fünfjährigem Besitze, den 12. Februar 1861, mit Hinterlassung seiner Frau und vier noch minorenner Kinder, zwei Töchter und zwei Söhne.

(Sophie von Seydlitz-Kurzbach, verw. Legde, geb. Legde und Sigismund von Seydlitz-Kurzbach)

Die Witwe, geb. Sophie Legde, heiratete nach Verlauf zweier Jahre Herrn Sigismund von Seydlitz-Kurzbach, vorher Administrator des Scherzschen Gutes in Stöffin. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor, ein Sohn und eine Tochter. Diesem v. S. gelang es mittelst seiner ökonomischen Tüchtigkeit und Erfahrung, das Gut auf eine vorher nie erreichte Ertragsfähigkeit zu bringen.

1869, nach Renovierung des Innern, erhielt die Kirche ein von Geisler in Eilenburg aus einer alten hergestellte Orgel für 270 Taler.

Während des Krieges mit Frankreich 1870/71 weilten über 20 eingezogene Männer in Feindes Land. Es fielen im Kriege Hermann Leusch, Wilhelm Kleßen, beide Bauernsöhne, und der Arbeiter Kaiser.

(Torfstich in Protzen)

Seit 1874 zog sich der von gewissen Unternehmern schon in Linum, Hakenberg, Tarmow, sowie diesseits in Wustrau bis Walchow betriebene Torfstich auch hierher. Zwei Ruppiner, Kleßen und Alex. Genz, überboten sich beim Ankauf der Torfgrundstücke und zwar zu ihrem eigenen Schaden, indem sie später zahlungsunfähig wurden, Genz durch seine eigene Schuld, indem er seinen zeitweise reichen Gewinn in das von ihm bei Ruppin gegründete und nach ihm benannte Landgut Genzrode steckte und die dortige sterile Landfläche kulturfähig zu machen versuchte. Es wurde hier dem Besitzer für einen Morgen Torffläche gezahlt 300 bis 400 Taler. Das Rittergut verkaufte für 70000 Taler der einzelne Wirt für fünf bis 15 Mille Taler, die Pfarre von Protzen und Stöffin vereint für 16000 Taler, wobei der Grund und Boden dem Besitzer verblieb. Als Frist der Austorfung galten 15 Jahre. Die Tiefe ward nach Klemmen berechnet, und zwar galten acht Klemmen oder Schichten als höchste Grenze. Vielfach hatte das Torflager nicht solche Tiefe, es wechselte zwischen fünf bis acht Klemmen. Der Torfstich zog viele 100 Arbeiter aus der Umgegend herbei; die aus der Entfernung von über einer halben bis drei Meilen mit Karren und Hundewagen kamen, übernachteten die ganze Woche im Luche. Eine Anzahl mit Rohr gedeckter, dachschräger Hütten, je für zirka 20 Personen, waren zu diesem Zwecke von den Unternehmern erbaut. Jeden Sonntag abend kamen von allen Seiten her die Arbeiter wieder aus ihrem Wohnorte zu dem Torfstich zurück, getrieben von dem hohen Lohne von zwei bis vier Mark, je nach der Arbeit, die Ende April begann und bis zur Ernte währte. Außer den Kontorgebäuden für den Buchhalter und die Torfmeister, als Leiter und Lohnauszahler waren auch noch Wohnungen für Budiker, welche Getränke und Eßwaren feil hielten. Das ganze Luch war von Gräben und Kanälen durchschnitten. Große Torfkähne beförderten die Ladung durch die später eingegangene Fehrbelliner Dammschleuse in den Rhinkanal bis weit über Berlin hinaus. Der Torf war damals noch neben der Kohle ein beliebtes Heizmaterial, der leichtere ward für die Ziegeleien verwendet. Der Torfstich war keine leichte Arbeit. In den mit Wasser oft einen Fuß hoch gefüllten Gräben mußte man stehen. Durch große Dampfschnecken wurde die nötige Entwässerung des Luches besorgt. Um eine Verbindung mit dem Rhinkanal zu haben, wurde der schwarze Graben vom Fehrbelliner Damm aus durch die Walchower Wiesen bis zu der Schleuse im Stöffiner Luche zum schiffbaren Kanal erweitert, auf Kosten von Genz und zum Teil des Fiskus. Der hiesige Torf hat 73 bis 77 brennbare, 16 bis 21 wässrige und sieben bis neun erdige Teile. Ein Kubikfuß leichter Torf im nassen Zustande wiegt 64, im trocknen 26 Pfund, schwerer Torf naß wiegt 66 Pfund, trocken 44 Pfund.

Die Werbung des Torfes geschieht durch je vier Mann, die einen Pflug bilden. Einer räumt den Rasen ab, der zweite durchschneidet die Torferde der Länge nach auf in sogenannte Stücke, der dritte faßt sie mit einer Schaufel und wirft sie nach oben, wo sie ein vierter mit einer Gabel in Haufen stellt.

Vier geübte Arbeiter machten täglich 20000 Stück, was man ein Tagewerk nannte. War der Torf trocken genug, wurde er in Mieten aufgestellt von vier Klaftern Inhalt, das Klafter zu zwei Mille. Das Klafter kostete je nach der Schwere des Torfes elf bis 15 Mark. Beim Umsetzen und Einmieten des Torfes waren viele Frauen beschäftigt und wurden nach ihrer Arbeit im Akkord bezahlt. Jetzt findet man kaum noch Torfstecher in den Luchdörfern. Ganz wenige geben sich noch damit ab, nur ältere, die es gelernt haben.

Infolge des Bankerotts des Bankiers Genz kam mancher um die noch restierenden Torfgeldraten, die dieser ihm schuldete, mancher auch noch außerdem um sein bei seiner Bank deponiertes Geld. Kleßen, ebenfalls eine zeitlang zahlungsunfähig, einigte sich hier mit denen, welchen er noch Raten schuldete.

Während des Torfstichs wurde im Luche öfters abends sieben Uhr Gottesdienst gehalten, sobald es das Wetter erlaubte. Für Bänke wurde gesorgt durch Bretter, die im Vorrat vorhanden waren.

Die Folge der Parzellierung einiger Höfe und des guten Verdienstes im Torfstich war das Entstehen der aus Büdnerhäusern bestehenden Hinterstraße.

(Paul Legde)

Nach dem Tode des Herrn v. Seydlitz bewirtschaftete seine Witwe einige Jahre hindurch das Gut und trat es dann ihrem ältesten Sohne Paul Legde ab, welcher, jetzt 50 Jahre alt, dasselbe 26 Jahre lang besitzt. Seine erste Frau war eine geb. Seidler aus Ruppin, seine jetzige ist eine geb. Katharina Selmer aus Neustrelitz, Tochter eines Landgerichtsrates. Seine Brüder sind Adolf, Major bei den Dragonern in Hofgeismar, und von Seydlitz, Rittmeister a. D., vorher bei den Zietenhusaren.

Parzelliert sind im Laufe der Zeit folgende Bauerngüter: 1871 das von Jesse, vormals Wilke 1882 das von Hermann, vormals Müller 1884 die beiden von Dreetz, früher Deter und Schleuß.

Die Hofstelle von Jesse kaufte Gaedecke, die von Hermann das Gut, die von Dreetz Beerbaum und und Hausbalk, jetzt Schmidt. Es ist jammerschade, daß die Bauerngüter so eingehen, deren Besitzer einen gesunden Mittelstand bildeten. Der Mangel an Leuten und der Ärger mit dem immer anspruchsvolleren Gesinde ist mit der Hauptgrund davon, daß der Bauernstand zugrunde geht.

1874 bildete sich ein Kriegerverein, welcher Sonntag den 28. Mai 1899 unter zahlreicher Beteiligung auswärtiger gleicher Vereine sein Stiftungsfest feierte. Ein Gottesdienst im Freien fand auf dem Kirchplatz statt.

1879 wurden alle Reallasten an Pfarre, Kirche und Küsterei abgelöst in Rentenbriefen.

1880, den 12. September, wurde die Ruppin-Paulinenauer Bahn, die stille Pauline genannt, dem Verkehr übergeben. An der Aktienzeichnung dazu hatten die Bauern der nächsten Dörfer sich viel mehr beteiligt, als die Güter, und dadurch größere Intelligenz gezeigt.

1884 wurde die von Dammkrug über Protzen nach Friesack führende Chaussee bis Protzen fertig. Gut und Gemeinde brachten dazu 27000 Mark auf, die zu verzinsen sind.

1894 wurde der 1847 mit Holzschindeln gedeckte Turm neu mit Schiefer gedeckt. Den alten Turmknopf ließ der Patron auf seine Kosten vergolden, die Wetterfahne, von Schmied Messow angefertigt, stiftete der Pfarrer.

1894 errichtete W. Schweimert eine Milchzentrifuge.

1901 gründete Rob. Falkenberg eine Sandstein-Ziegelei mit Dampfbetrieb.

1880 trat der Patron das Recht, die Straße mit Bäumen zu bepflanzen, den Hausbesitzern ab. Größtenteils wurden Linden gepflanzt.

Die Entwässerung der Untergründe

1903 gründeten Protzen, Walchow und Stöffin eine staatlich genehmigte Genossenschaft zwecks Entwässerung der Untergründe, welche in dem regnerischen Jahre zuvor ganz unter Wasser gestanden, durch Vertiefung und Verbreiterung des zuvor wenig tiefen und stellenweis ganz schmalen und zugewachsenen, sowie an beiden Seiten mit hohen Bäumen, wie Erlen und Pappeln, besetzten Wallgrabens, der in die Temnitz mündet. Teilweis wurden einzelnen Krümmungen grade gelegt. Wegen des Ausrodens der Bäume mit den Wurzeln war das Werk sehr mühsam. Es arbeiteten täglich im Durchschnitt 50 bis 60 Mann daran. Gleichzeitig wurde der frühere Abzugsgraben durch der Bauern Wiesen, der bei dem großen Torfstich beseitigt war, in größerer Breite und Tiefe wiederhergestellt. Die Arbeit begann im April 1903 und zog sich mit dem Ziehen der Nebengräben zwecks Moorkultur bis zum September 1904 hin. Ehe das Werk zustande kam und der Protest der dadurch für ihre Obergründe Schaden fürchtenden Gemeinden Manker und Garz von der Regierung für unbegründet erklärt wurde, hate der hiesige Patron, Herr Legde, als Urheber und Betreiber viele Schreibereien. Zur Instandhaltung des Grabens mit seinen Brücken und Schleusen zahlt jeder Besitzer für einen Morgen Untergrund eine Mark. Man hofft von jetzt an statt des sauren Untergrundgrases besseres Futter zu gewinnen. Vielfach wuchs besonders in nassen Jahren vorher nur noch Schilf, Rohr und für das Vieh ungenießbares Futter. Freilich dürfte nunmehr der in manchem Jahr oft reichlich gewonnene Mielitzsamen verschwinden. Der Samen der zurzeit der Reife, Anfang Juni, mit Messer und Scheere geschnittenen Mielitzähren brachte viele Zentner. Der Preis des Zentners schwankte zwischen 60 und 150 Mark. Mancher verkaufte von diesem Samen für 900 Mark. Aufkäufer lieferten die Ware nach Berlin.


Pfarrer in Protzen.

Die seit 1539 bis 1617 sind bereits erwähnt.

Nach Wilke 1617 (auch Willickenus geschrieben) war wohl Emanuel Cottasius hier, der 1638 nach Gottberg übersiedelte. Auf diesen scheint Brederecke (oder Bredereicke) gefolgt zu sein. Seiner wird in einem Aktenstücke erwähnt. Dann kam Lucas Poepping, Verfasser der Urkunde von 1697, um diese Zeit 70 Jahre alt, 44 Jahre im Amte, also seit 1653. Sein Nachfolger war um 1707 Barthold Christian Schinkel, aus Wittstock gebürtig, hier 50 Jahre im Amte. Unter ihm zwei Brände hier, 1718 und 1727. Er schrieb eine gute Handschrift. Damals war nur der Federkiel im Gebrauch, Stahlfedern kamen erst vor 70 Jahren auf. Seine Angaben im Kirchenbuch bei Taufen usw. sind sehr kurz gehalten, z. B. den (Tag und Jahr) ließ der Schulze sein Söhnlein taufen. Er starb, 75 Jahre alt, 1757. Ihm war bereits sein Sohn, Christoph Friedrich Schinkel, als Gehülfe gegeben. Dieser starb, 64 Jahre alt, 1788, also 31 Jahre hier im Amte. Seine Frau war eine Predigertochter, geb. Kleiner aus Senske. Seine Handschrift ist sehr unleserlich.

Nach ihm kam Friedrich Arnold Dietrich Sachse aus Soest in Westfalen, damals Hauslehrer bei Herrn Motte de la Fouqué in Lenzke. Als dieser einst den Herrn v. Kleist hier besuchte und ihm während der Mahlzeit fragte, ob er schon die Pfarre vergeben habe, lautete die Antwort „ja"; auf die Frage „an wen", wies der Gefragte auf den mitanwesenden Sachse hin. Dieser nahm natürlich hocherfreut das Anerbieten an.

Sachse zog im August 1789 an, heiratete Johanne Fried. Seeger, Predigertochter aus Bechlin, und als diese nach einem Jahre starb, eine Caroline Schale aus Brandenburg. Das 1728 erbaute Pfarrhaus fand er in sehr mangelhaftem Zustande vor. Nur einige Stuben hatten erst Dielen. Das Fehlende des zweistöckigen geräumigen Hauses ließ er auf seine Kosten im Betrage von 400 Taler machen,die sein Nachfolger seinen Erben vergütigte. Das Haus bestand aus Fachwerk, das mit Lehmstaken ausgefüllt war. Doch hatte es wenigstens Ziegeldach. Es stand mit dem Giebel nach der Straße und von dieser noch etwas weiter ab als das jetzige.

Bei der Separation nahm er die Rechte der Pfarre wahr und sicherte sie durch glücklich geführte Prozesse, was ihm freilich keine Freundschaft erwarb. Den 102 Morgen großen Pfarracker gab er später in Erbpacht, wobei der jährliche Martinimarktpreis als Norm für die Pacht festgesetzt wurde. Dadurch ist die Pachtrate wenigstens mit der Zeit mitgegangen und nicht ganz niedrig geblieben.

Pünktlicher Gottesdienst war nicht sein Fall. Schläfer in der Kirche ließ er wecken. Den Betunterricht dehnte er oft bis zu zwei Stunden aus, auch Welt- und Naturgeschichte mit behandelnd. Auf eine Frage, was das beste von Protzen sei, erwartete er als Antwort „das Luch".

Von ihm rührt die „Natur und Vernunft" lautende Inschrift des Kirchensiegels her.

Er soll mittelgroß und kräftig gebaut gewesen sein. Sein wohl westfälischer Dialekt ist als auffallend nie erwähnt worden.

Drei Jahre vor seinem Tode erhielt er einen Schlaganfall. Er starb den 9. Mai 1829. Sein und seiner beiden Frauen Grab war hinter der Kirche gegenüber der Steintreppe, umgeben von einem Holzgitter. Die Inschrift des Siegels kennzeichnet die Glaubensrichtung damaliger Zeit.

Er hinterließ nach seinem Tode eine Tochter und zwei Söhne, beide Juristen geworden. Im Jahre 1871 besuchte der eine Sohn, Gerichtsrat a. D., von Berlin aus, wo er bei seiner Tochter wohnte, 76 Jahre alt, Protzen. Nur einen Bekannten aus der Jugendzeit fand er noch hier, den Büdner Joachim Dittmann.

Sachses Nachfolger wurde der Domkandidat Adolf Westphal, Sohn des Geheimen Staatsrats Westphal in Berlin, dort geboren den 13. Dezember 1803. Drieberg wünschte einen musikalisch gebildeten und veranlagten Pfarrer zu haben. Ein Bewerber, gefragt, ob er musikalisch sei, antwortete spitz, daß er ja Prediger und nicht Kantor werden wolle. Westphal zog den 31. Juli 1830 an und heiratete den 26. September ej. a. Emilie Hensel, Predigertochter aus Polgsen bei Wohlau. Er hatte eine stattliche Größe. In Glaubenssachen gehörte er der gemäßigten Richtung an. Aus seiner Ehe gingen fünf Söhne und drei Töchter hervor, die er alle selbst unterrichtete. Seine Söhne bereitete er alle bis Ober- und Untersekunda des Gymnasiums vor. Zwei wurden Offiziere, einer Jurist, einer Theologe und der jüngste Eisenbahnbeamter. Drei Söhne von den acht Kindern sind jetzt nur noch am Leben. Durch den Unterricht seiner Kinder geübt, hielt sich Westphal jahrelang Pensionäre, meistenteils Berliner und Gutsbesitzersöhne aus der Umgegend. 1866, den 11. März, wurde ihm sein Sohn Lothar, Verfasser dieser Chronik, zum Gehülfen gegeben. 1871, den 1. Oktober, nach seiner Pensionierung siedelte der Vater nach Ruppin, woselbst seine Frau im Jahre 1874 starb. Von da verzog er nach Wiesbaden, wo er den 28. Dezember 1881 im Alter von 78 Jahren gestorben ist. Dort sind auch seine beiden Töchter gestorben. 1872 wurde ein neues Pfarrhaus erbaut, weil das alte zweistöckige, im Jahre 1728 errichtete, baufällig geworden war. 1874, den 1. Oktober, wurde mit der Zivilehe das Standesamt eingeführt, dessen erster Sitz Lüchfeld war, jetzt Manker ist, ebenso der Amtsvorstand, dessen Sitz jetzt in Protzen ist.


Lehrer

1617 Hermann Rohme

1682 Christof Kober

1695 Thomas Baumann

1743 starb Feuerherdt, 81 Jahre alt, dessen Gehülfe war Peter Roehl

1796 starb Bogenschneider,

86 Jahre alt 1801 starb dessen Gehülfe Schroeder am Delirium.

Bis dahin waren die Lehrer meist Handwerker, die auch als Lehrer ihr Handwerk noch weiter betrieben. Erst später begann eine Seminarausbildung.

1801 Joh. Ernst Wetzel, Lehrersohn, aus Garz. Er starb nach 21 jähriger Amtszeit, den 21. April 1821. „Ein an Kopf, Herz und Berufstreue seltener Lehrer", heißt es von ihm im Kirchenbuche.

1821 kam Friedrich Mertens, zu Wusterhausen den 13. Mai 1794 geboren, Freiheitskrieger und Unteroffizier bei der Garde gewesen, als Emeritus, 81 Jahre alt, in Ruppin 1875 gestorben. Er heiratete die Witwe seines Vorgängers, hiesige Schulzentochter, geb. Kleßen, die aus ihrer ersten Ehe eine Tochter und zwei Söhne mitbrachte. Er zeichnete sich durch seine Treue und Pünktlichkeit im Lehramte, wie im Kirchendienste aus. Als Lehrer hat er anerkennenswertes geleistet.

Ostern 1863 kam Franz Golm, Lehrersohn, aus Körbitz bei Jüterbog, vorher Lehrer in Fehrbellin. Er hatte die Aufgabe, die Rechnung nach neuen Münzen, Maßen und Gewichten in der Schule zu lehren. Er war ein ebenso tüchtiger Lehrer, wie Organist. 1900 pensioniert im Alter von 68 Jahren, siedelte er mit Frau und Töchtern nach Ruppin über.

Sein Nachfolger wurde 1900 sein Sohn Franz, hier geboren, vorher Lehrer in Wiesenbad, Kgr. Sachsen, bei Annaberg.


Schulzen.

Seit 1682 Claus Aleid

1741 Christoph Woltersdorf

1760 Cuno Dietrich Beerbohn

1786 Joh. Kleßen

1813 Deter

1833 Kleßen

1840 Wilke

1854 Martin Deter

1866 W. Falkenberg

1881 W. Fischer

1890 Ewald Gaedeke.

Bei dem Namen Falkenberg sei bemerkt, daß im Kirchenbuch ein Otto v. Falkenberg als Pate erwähnt wird. Nach seinem Tode 27. Oktober 1736 schenkte sein Bruder der hiesigen Kirche zehn Taler.


Schmiedemeister.

Von 1617 Simon

1682 Peter Panzer

1697 Martin Gellhorn

1750 Christian Ebendorf

1813 Lindenberg

1828 Carl Draeger

1830-1856 Tierarzt Kühn

1860 Aug. Grimm, jetzt Rentner.

jetzt Otto Meßow.

Dieser verlegte die von Grimm gekaufte Schmiede an sein Wohnhaus. Vorher hatte sie an der Ecke des Stege und der Hinterstraße gestanden.

Den 5. Mai 1905 wurde ein 70 Zentner schwerer Stein, der auf dem Schmidtschen Acker hinter dem Garten ausgegraben war, für 25 Mark an Wildberg verkauft, um als Sockel zu dem Kaiser Wilhelm-Denkmal verwendet zu werden. Er wurde mit viel Mühe auf den Wagen geladen und mittelst Vorspann von sechs Ochsen befördert. Sein Gewicht wurde durch die hiesige, vor der Schmiede befindliche Lastenwage genau festgestellt.

Zum Sonntag, dem 1. Advent, 3. Dezember 1905, wurde ein 24armiger Kronleuchter in der Kirche aufgehängt. Die 180 Mark betragenden Kosten waren bestritten durch den Ertrag eines im Februar im Böldekeschen Saale veranstalteten Unterhaltungsabends, sowie durch freiwillige Beiträge aus der Gemeinde.

Viehbestand in Gemeinde inkl. Gut war 1905

Pferde 125,

Kühe 400,

Ochsen 24,

Jungvieh 32.

Steuern in der Gemeinde ohne Gut

Kreiskommunal 3430 Mk.

Staats 4315 Mk.

Ortskommunal 3200 Mk. Brand.

Berufsgenossenschaft 2000 Mk.

Mit Gut betragen die Staatssteuern 4675 Mark.

1793 war der Viehbestand 93 Pferde, 297 Stück Rindvieh, 1482 Schafe.

Abgaben waren in Summa 360 Taler = 1080 Mark, jetzt in Summa sind es 12945 Mark, also beinahe zwölfmal soviel, wobei die Ausgaben für Klebemarken noch nicht mitberechnet sind. Diese betragen wohl sicher über 2000 Mark.


Berichte aus dem Kirchenbuch und Akten der Kirche und des Guts.

Den 4. Juli 1752 hat sich der Knecht Joachim, ein gottloser und verwegener Mensch, erhängt, eine Warnung für lüderliche Gäste.

Den 19. Februar 1772 ward ein etwa zehn Jahre alter Betteljunge auf dem Wege nach Manker liegend gefunden. Er starb am Jammer und wurde den Tag darauf beerdigt.

In der Nacht zum 3. August 1772 hat sich der Ochsenhirt Sigismund Felsch, weil tiefsinnig, in dem Deiche in der kleinen Wiese ersäuft.

Den 2. Oktober 1778 ward ein Bettler auf dem Wege von Walchow hierher gebracht mittelst Wagen und starb alsbald. Aus seinen Papieren ergab sich, daß er Joh. Conrad Zulauff hieß und Unteroffizier im Prinz Ferdinandschen Regimente gewesen. Er war 58 Jahr alt und stammte aus Hessen.

Den 28. Mai 1779 erhängte sich der Bauernsohn Jürgens Krebs, 22 Jahr alt, Knecht bei dem Pfarrer, in dessen Scheune; keiner wußte weshalb. Er war ein stiller und gottesfürchtiger Mensch, doch kränklich.

Den 4. September 1783 starb der Kuhhirt Joh. Sachse, 83 Jahre alt, im Luche am Schlage, weil er sich über den Ungehorsam seines Hundes zu Tode geärgert.

Aus den Kirchenakten ergibt sich folgendes: 1746 ward eine neue Turmuhr angeschafft; den 28. Februar eine neue Kanzel von dem Tischler Freude aus Ruppin gemacht für 110 Taler. Diese ist also jetzt 127 Jahre alt.

In den Gutsakten vom 7. Juni 1728 findet sich folgender Vorfall berichtet: Der Krüger Gottfr. Kressin ließ (wohl nach dem Brande 1727) die Schwelle zu einer Scheune legen. Dabei fand man Menschenknochen, die, wie Kreßin vermutete, noch aus der Pestzeit stammten. Nun hörte Kreßin, daß die Zimmerleute Schiele, Breddin und Dörgs, die bei ihm gearbeitet, das Gerücht verbreitet, sie hätten eine kaum verweste Leiche gefunden. Er sieht darin nur Rache dafür, daß er sie wegen ihrer Langsamkeit aus der Arbeit entlassen. Daraus sei das Gerede entstanden, er habe einen Menschen umgebracht. das Gerücht war durch Breddin aus Kötzelin (Priegnitz) auch zu Ohren eines Schreibers Kaphengst zu Lohme gedrungen. Dieser, weil er schon öfter nachts bei Kreßin logiert und ihm einige 100 Taler übergeben, schrieb deshalb an Kreßin nach Protzen, was am Gerede sei. Darauf verklagt Kreßin die Zimmerleute beim Ortsgericht des Herrn v.Quast. Es werden nun der Knecht Kreßins namens Andreas Kago und seine Magd Katharine Kresemann verhört, weil sie (was sie beim Verhör leugnen) geäußert haben sollen, es hätte an der Stelle, wo die Leiche gelegen, so gerochen, daß sie es vor Gestank nicht hätten aushalten können. Die Zimmerleute sagen aus, daß die Knochen schon ganz morsch gewesen seien. Breddin erklärt, wie das Gerede wohl entstanden sei. Als er von Protzen nach Kötzelin zurückgekehrt sei und dem Jäger Freitag aus Kümmernitz von dem Funde in Protzen gesprochen habe, habe ihm Freitag erzählt, es sei voriges Jahr um diese Zeit ein Moldenhauer bei ihm gewesen, welcher ohne die kleine Münze 170 Taler Gold versiegelt bei sich gehabt. Dieser habe von ihm aus auf seiner Reise nach Brandenburg über Zeunitz und Protzen reisen wollen, von welchen man keine Nachricht bekommen, als daß er zuletzt in Manker gewesen und nachher samt seinem Gelde verloren gegangen sei. Derselbe habe einen müllerblauen Rock und schwarze Haare gehabt. Er, Freitag, habe nun Breddin gefragt, ob solches noch am Körper gefunden sei. Es wird sodann in dem Aktenstück noch erwähnt, daß ein Ruppiner Arzt zur Untersuchung des Körpers herausgekommen sei, welcher nach vollzogener Besichtigung erklärt, daß das Gerippe schon wer weiß wie lange in der Erde gelegen haben müsse. Auf solche Aussage erfolgte die Freisprechung des Kreßin von schimpflichem Verdachte.

1904 wurde auf Drängen der Regierung ein neues Schulhaus erbaut, weil die Zahl der Kinder bis auf 115 gestiegen war und die Anstellung eines zweiten Lehrers nötig machte. Es wurden zu diesem Zweck 20000 Mark aus der Kreissparkasse aufgenommen. Protzen hat jetzt 556 Einwohner, im Jahre 1788 waren es 255, im Jahre1875, also vor 30 Jahren, 484.

Das Jahr 1904 war ein ungewöhnlich trockenes. Seit Anfang Mai bis Ende Juli fiel kein Regen. Die Weiden waren zuletzt wie ausgebrannt, der Ertrag an Heu war daher nur die Hälfte von dem sonst gewonnenen. Die weidelosen Dörfer mußten vielfach den Viehbestand verringern. Der Mangel an Fettvieh verursachte ein gewaltiges Steigen des Fleischpreises, das bis jetzt noch angehalten hat. Ein Pfund kostet bereits 75 bis 85 Pfennige. Die große Trockenheit erzeugte, wie viele Waldbrände, so auch Luchbrände in Wustrau, Langen und Manker, wodurch viele 100 Morgen für mehrere Jahre hindurch wertlos gemacht wurden. Trotzdem war eine gute Obsternte. Viele Brunnen versiegten.

Von politischen Ereignissen sei nur kurz erwähnt der gewaltige Krieg zwischen Rußland und Japan, der von Ende 1903 bis Mitte 1905 gedauert und mit der Besiegung Rußlands geendet hat. In diesem Kriege, der die ganze Welt in Spannung hielt, sind die furchtbaren Waffen der modernen Kriegskunst so recht zur Geltung gekommen, und zwar zu Lande wie zu Wasser, denn er war zugleich ein Seekrieg, in dem viele Schiffe durch die Torpedos zerstört wurden.

Unser deutsches Volk verfolgt mit Spannung den schon über ein Jahr währenden Kleinkrieg mit den Hereros in unsern südafrikanischen Kolonien, der nicht ganz geringe Opfer an Soldaten, wie an Kosten gefordert hat.

Die jetzigen Hofbesitzer sind:

Links von der Pfarre:

H. Rohrlack,

D. Herzberg,

W. Beerbaum,

W. Deter,

Goern,

Schmidt.

Rechts von der Pfarre:

Rob. Falkenberg,

Kelch,

Ad. Falkenberg,

Heinrich.

Auf der andern Seite von Osten nach Westen:

O. Janicke (früher Kleemann),

Kleßen,

Freese,

Siebmann,

Gastwirt Boeldeke,

Vogler,

Aug. Kleßen,

W. Fischer,

Schoenbeck,

Bünger,

Gastwirt A. Gaedeke, S

chulze Ew. Gaedeke,

Rud. Beerbaum, A

d. Heuer,

Güldenpfennig,

Müller Mueller.

In der Hinterstraße:

Herm. Leusch,

W. Schweimert.

Handwerker sind:

Schneider Toepfer,

Schuhmacher Stindtmann und Gottschalk,

Zimmermann Krusemark und Gottschalk,

Maurer Zerahn, Pohlmann, Gottschalk,

Bäcker Krause,

Stellmacher Boeldeke,

Schmied Messow,

Scharwerker H. Meier,

Tischler Schulz,

Barbier und Musiker Friese,

Händler sind

Vogler, Hintze, Schook.

Ein großer Imker seinerzeit war der jetzt noch lebende Rentner Grimm, vormals Schmied.

Am Sonntage, dem 26. November 1905, als am letzten im Kirchenjahre, nachmittags 5 Uhr, überraschte eine Deputation aus hiesiger Gemeinde, bestehend aus dem Orts-, Schul- und Kirchenvorstande, den Pfarrer Westphal durch Überreichung eines wertvollen, mit einer Widmungsinschrift versehenen Geschenkes, als ein Zeichen der Ehrung und der Anhänglichkeit, wofür der dadurch aufrichtig Erfreute vor seinem Scheiden aus dem Amte, welches er mit Gottes Hülfe 34 Jahre selbständig verwaltet hat, seinen herzlichsten Dank in diesen Zeilen auszusprechen sich gedrungen fühlt.

Hiermit sei das Büchlein Gott befohlen! Möge es in Ehren gehalten werden und auch den nachfolgenden Geschlechtern der Gemeinde eine Erinnerung sein an alle die Mitglieder und Familien, die gegenwärtig ihr angehören und auf Erden wallen!