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Der Gutspark in Protzen

Quelle: Ruppiner Anzeiger 8./9.08.2009 (von Markus Kluge)


In einer der kommenden Ortsbeiratssitzungen wird Protzens Ortsvorsteher Hans-Joachim Penteker die Frage stellen: „Wollen wir als Ortsteil den Park überhaupt wieder haben?" Denn die Reaktivierung der historischen Parkanlage ist noch nicht in Vergessenheit geraten.

Im vergangenen Jahr war der Park vom Abgeordneten Dieter Sarnow wieder in das Be-wusstsein der Protzener gerückt worden. Denn von den ursprünglichen Strukturen der einst schönen Gartenanlage ist nicht mehr viel zu sehen. Meterhohe Brennnesseln, viel Wildwuchs und dichtes Grün prägen das Bild des Parks, der zu Theodor Fontanes Zeiten einer der schönsten in der Region gewesen sein soll.

„Der Park ist noch nicht zu den Akten gelegt. Aber bis zum Herbst ruht alles erst einmal", so Penteker. Ursprünglich sei angedacht gewesen, dass die Forst im Frühjahr und vor Beginn der Vogelschutzzeit die Pappeln aus der Anlage entfernt. Doch das ist versäumt worden. Die Sägen rücken nun erst im Herbst an. Denn dafür liegen der Gemeinde Fehrbellin nun alle Genehmigungen vor. „Das ist aber erst der erste Schritt", kommentierte Fehrbellins Kämmerin Stefanie Klahn. Die Gemeinde hat außerdem die Denkmalschutzbehörde ersucht, ihr bei der Hilfe nach Studenten zu suchen, die für den Park ein verträgliches Gestaltungskonzept erstellen können. „Es gibt dort sehr viele und hohe Pappeln. Wenn die erst einmal weg sind, wird es viele lichte Stellen geben", so Klahn. Diese Punkte müssten dann aufgeforstet werden.

Allerdings sieht Penteker das Unterfangen um die Wiederherstellung der Parkanlage kritisch, denn: „Wir dürfen nicht mal eine Rabatte anlegen, ohne die Denkmalschutzbehörde zu fragen." Hier sieht der Protzener die Hürden für den Ortsteil enorm hoch gesteckt, wenn erst jede Aktion einer offiziellen Genehmigung bedarf. Aus diesem Grund müsse Protzen den Park auch wirklich wollen, da er ansonsten für das Projekt wenig Zukunftschancen sieht.

Auch insgesamt seien für Penteker noch zu viele Fragen offen. So müsse zum Beispiel geklärt werden, wer die Pflege übernimmt. Wie aus den Sitzungen der Fehrbelliner Gemeindevertretung bekannt ist, hat der Bauhof bereits mit den vorhandenen Grünflächen genug Arbeit. Und auch der Ortsteil Wall, dessen Park aber noch besser in Schuss ist, hat angemeldet, dass dieses Grünanlage ebenfalls in Ordnung gebracht werden müsste. Für die Pflege des Protzener Parks hat sich einst aber auch die ortsansässige Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung ins Gespräch gebracht.

Stefanie Klahn hat zwar noch keine Erkenntnisse, wie teuer die Parkpflege die Gemeinde zu stehen kommen könnte. Aber sie geht davon dass mit dem Fällen der Pappeln zumindest der Pflegebedarf bei den Bäumen reduziert wird. „Ausschlaggebend ist aber, was der Ortsbeirat möchte", so Klahn.

Zur nächsten Sitzung kommt der Ortsbeirat am Dienstag, 18. August, um 19 Uhr im Sitzungsraum des Gutshauses zusammen.


 

Einst einer der schönsten Gutsparks

Der Gutspark wurde aus einem barocken Vorläufer ab 1823 unter von Drieberg in eine bedeutende landschaftliche Anlage umgewandelt und dabei auf etwa acht Hektar erweitert. Eine Linde hinter dem Gutshaus, die vermutlich im 18. Jahrhundert gepflanzt wurde, weist noch auf die Allee hin, die einst zum Park führte. Zahlreiche der Bäume und Büsche die dort gestanden haben, wurden nach dem Zweiten Weltkrieg gerodet, im alten Park selbst finden sich Eichen, Ahorne, Kastanien, Buchen, Haibuchen, Eschen, Douglasien und Eiben, die wahrscheinlich im 19. Jahrhundert gepflanzt wurden.

Jüngeren Alters sind Roteichen und Hängeeschen sowie Pappeln, die von der Forst gepflanzt wurden.


Laut den Denkmalschützern ist innerhalb des Bestandes die fein ausgebildete Geländemodellierung auffällig. So gibt es unter anderem einen Teich mit einer kleinen Insel im östlichen Teil des Parks und im Süden der Anlage einen Graben als Grenze. Durch Baumfällungen, Umnutzungen und den einstigen Schulbetrieb im Gutshaus sind wesentliche Partien der Parkanlage stark beeinträchtigt.

Bemerkenswert ist aber nach wie vor die weite Sicht vom Park in die anschließende Luchlandschaft. Laut Theodor Fontane soll es sich bei dem Gutspark seinerzeit um eine der schönsten Anlagen der Region gehandelt haben. (kus)