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Landwirtschaft in Protzen nach 1945

Stand: 26.08.2009

  • Landwirtschaft in der DDR-Zeit
  • Auszug aus der Märkischen Volksstimme vom 29.10.1961
  • Die Lage nach der Wende
  • Ein Blick auf die Lage im Jahr 2009

Landwirtschaft in der DDR-Zeit

Die nun folgenden Zahlen und Fakten wurden von Herrn Wilhelm Falkenberg und seiner Ehefrau Siegried der Dorfchronistin Frau Elke Wildt vor einigen Jahren zur Verfügung gestellt:

Landwirtschaftliche Nutzfläche

1955 688,32 ha
1956 713,24 ha


ÖLB: Kurt Böhm

Technik:

3 Mähdrescher
3 Kartoffelvollernte - Maschinen
18 Traktoren
1 LKW der Marke H3A
1 Dieselameise
1 Dungkran

Gründung LPG Typ 3

1. Vorsitzender Ernst Wiese
2. Wilhelm Falkenberg in der Zeit von 1961-1969
3. Helmut Noll bis 1971

Ab 1971 LPG Pflanzenproduktion und LPG Tierproduktion
Vorsitzender Eckhard Dahms

1958 beginnt der Bau des Typenstalls. (Kuhstall mit 90 Stellplätzen)

3 Offenställe und ein Melkhaus werden in der Zeit von 1959-1960 gebaut
Standort im Luch zwischen Birkenwäldchen und Fuchsberg.

 

 

 

 

 

 

Um 1958 wird ein Hühnerstall gebaut.Des Weiteren entstand eine Schweinemastanlage mit 5 Ställen davon zwei so genannt Weserammer (Holzställe)

LPG „Neue Zeit“

(in Vorbereitung)


Auszug aus der Märkischen Volksstimme vom 29.10.1961

Zitat

Neue Zeit brachte Wohlstand

Erste genossenschaftliche Arbeit wurde in Protzen, Walchow und Stöffin um die Jahrhundertwende geleistet. Man schloß sich zu einer Genossenschaft für die Entwässerung der Untergründe zusammen. Der Wallgraben wurde vertieft, verbreitert und das Luch in fruchtbares Land verwandelt. Sein neues Gesicht aber erhielt Protzen nach 1945. Ehemalige Umsiedler, Landarbeiter und landarme Bauern erhielten den Boden des Gutes. Insgesamt wurden 1240 Hektar Land aufgesiedelt.

Mit der neuen Zeit griff auch das neue Denken der Menschen um sich.

Im Jahre 1954 entstand mit einer Fläche von 630 Hektar die LPG Typs III „ Neue Zeit“. Ihr folgte 1959 die LPG Typ I und im März 1960 wurde Protzen wie jedes andere Dorf im Kreis Neuruppin vollgenossenschaftlich.

Die LPG verfügt heut über 949 Rinder und 1460 Schweine. Zahlen, von denen die Vorfahren der heutigen Protzener nicht geträumt haben. Früchte der genossenschaftlichen Arbeit sind aber auch ein moderner Rinderstall und 4 Rinderoffenställe.

Reicher und wohlhabender wurden die Genossenschaftsbauern, als sie 1959 Technik im Werte von 500 000 DM erhielten. Auch ein Hühnerintensivstall, in welchem jährlich 600 Hühner gezüchtet werden, nennen die Genossenschaftsbauern ihr Eigen. Die LPG bringt jährlich 2000 Enten auf den Markt und wie wir erfuhren, soll sich diese Zahl in den nächsten Jahren noch bedeutend erhöhen.

Nicht wegzudenken aus dem heutigen Protzen ist die 1949 gegründete Maschinen-Traktoren-Station als Stützpunkt der Arbeiterklasse auf dem Lande. Mit Traktoren und modernen landwirtschaftlichen Maschinen brachte sie den Bauern in ihrer schweren Arbeit Erleichterung. Aber nicht nur das. Was heute das Moderne Kulturhaus der MTS ist, war vor 1949 eine alte Scheune.

16 Siedlungshäuser und 4 neue Wohnblocks wurden im Dorf fertiggestellt, in denen es an Komfort wie Brausen, Bad u. a. m. nicht fehlt. Protzen hat heute schon 5 Straßen. Die Mühlenbergstraße, die Stöffiner Straße, die Lüchfelder Straße, die Feldstraße und die Dorfstraße. Auf Grund seiner zentralen Lage im MTS Bereich hat Protzen eine große Perspektive. Es nimmt Kurs auf eine kleine Landstadt. Die kürzlich verlegten Bordsteine im ganzen Dorf und das Vorhaben, die Gehwege mit Schrittplatten zu belegen, mögen ein Schritt dazu sein. Im alten Schlossgebäude ist heut die 10-klassige Polytechnische Oberschule untergebracht. Sie wird von allen Kindern der umliegenden Orte besucht.

Eine neue Schule

Weil der Sozialismus Menschen mit großem Wissen erfordert, macht sich eine Erweiterung der Schule erforderlich. Der Perspektivplan des Dorfes sieht vor, bis 1965 ein neues Schulgebäude zu schaffen, und zwar nach dem Muster der Oberschule in Walsleben. Daß die Einwohner von Protzen einen guten Lebensstandard besitzen, beweisen folgende Tatsachen. 16 PKW, 39 Motorräder, 56 Fernsehapparate haben in Protzen ihre Besitzer. Die Gemeinde besitzt aber auch eine Kindergarten mit 40 Plätzen und eine Kinderkrippe für 30 Kinder. Auch auf diesem Gebiet wird in der Perspektive die Kapazität durch Neubau um das Dreifache steigen. Ein HO-Lebensmittelgeschäft, ein Konsum – Lebensmittelselbstbedienungsladen und eine Konsum – Textilverkaufsstelle stehen den Dorfbewohnern zur Verfügung. Das schon erwähnte, modern eingerichtet Kulturhaus ist Zentrum im Dorf selbst und für die Umgegend. In einer Gemeindeschwestern-Station. Wird für die Gesunderhaltung der Bevölkerung Sorge getragen, zudem findet einmal wöchentlich ein Sprechtag des Arztes statt, so dass manchem Patienten der weite Weg zur Stadt zur Stadt erspart wird.

Ende Zitat

 



Die Lage nach der Wende

Im Jahre 1991, kurz nach der Wende, erschien das Buch „Fahrten durch die Mark Brandenburg“ (ISBN 3-423-30381-6) von Christian Graf von Krockow. Hierzu haben Herr und Frau Falkenberg eine Unterhaltung mit dem Autor geführt, die in dem Buch abgedruckt ist. Herr Falkenberg viele Jahre in der DDR-Zeit Vorsitzender der Protzener LPG.

Zitat:

"Doch weit mehr als um das Persönliche kreist das Gespräch um die wirtschaftlichen Probleme, die sich drohend auftürmen. Als 1955 die LPG gegründet wurde, verfügte man über 628 Hektar, von denen 603 „herrenlos“ waren.

Später gelangte man dann, mehrere Dörfer umfassend, zu einer Größe von viertausendfünfhundert Hektar und zur unsinnigen Scheidung der Tier- und Pflanzenproduktion. Jetzt möchte man in sinnvoll beschränkten Größenordnungen überleben, mit drastisch verkleinerter Belegschaft – aber wird das gelingen? In der Tierproduktion sind von ehemals hundertundneunzig Mitarbeiter nur neunzig geblieben; wie viele werden noch gehen müssen?

Für elf der älteren Leute gab es den Vorruhestand, manche der jüngeren suchen ihr Heil in der Flucht nach Westdeutschland oder nach West-Berlin. Dennoch schätzt Herr Falkenberg die Arbeitslosigkeit im Dorf auf vierzig Prozent.

Der aufwendig angelegte Reparaturbetrieb für Mähdrescher ist geschlossen worden; die Schrotmühle,auf die man einmal stolz war, weil man sie mit eigenen Mitteln eingerichtet hatte, wird wohl folgen.

Sie sieht ohnehin so aus, als sei ihre Überführung in ein Museum der Technik oder Agrargeschichte überfällig.

Und was überhaupt soll aus der Milchwirtschaft werden? Die Molkerei in Neuruppin, an die man bisher geliefert hat, ist Konkurs geraten und 320 000 D-Mark schuldig geblieben, von denen man wohl kaum etwas wieder sehen wird.

Einen neuen leistungsstarken Betrieb mag es in drei Jahren geben; davon wird jedenfalls geredet.

Wie aber kann man die Zwischenzeit überstehen? Man hat eine Milch- AG gegründet, doch es fällt schwer, den Absatz sinnvoll zu organisieren. Falls man dagegen die Kuhherde abschafft, gerät man auf einen Weg ohne Wiederkehr, weil dann auch die Milchquote verloren ist, die man nach den europäischen Richtlinien braucht, um überhaupt produzieren zu dürfen.

Probleme über Protzen: Es ist ein schwacher Trost, dass es anderswo nicht besser oder schlechter steht, dass viele Genossenschaften bereits zusammengebrochen sind und das in zwischen in der Mark Brandenburg zwanzig oder mehr Prozent der landwirtschaftlichen Gesamtfläche brachliegen, die gestern noch genutzt wurden. Die Zahlenangeben schwanken, aber mit steigender Tendenz; beim Landesbauernverband wird von der drohenden Versteppung gesprochen. Was also mag die Zukunft für Protzen bringen?

„Ach, es sieht traurig aus“, sagt Frau Falkenberg zum Abschied."

Ende des Zitats


Ein Blick auf die Lage im Jahr 2009

Im Jahr 2009 sieht die Ortschronistin Frau Elke Wildt die Lage so:

Zitat:

"Unterdessen hat sich die Landwirtschaft neu geordnet und etabliert. Natürlich mit viel weniger Personal und größerer Technik.

Es wird heut lieber Gift (unterschiedlicher Verträglichkeit für die Umwelt) genommen, statt Heerscharen von Frauen und Schulkindern zum Unkraut hacken auf den Feldern.

Die Milch wird in großen Anlagen produziert und nicht mehr in kleinen ehemaligen Bauernstellen mit 20 bis 40 Stellplätzen. Die Ställe liegen jetzt auch in der nähe der Wiesen und nicht mitten im Dorf. Bis 1989 wurden die Kuhherden noch durchs Dorf getrieben in die Ställe zum Melken. Abends zum Melken rein und morgens nach dem melken wieder raus.

Die LPG heißt unterdessen Grünlandbewirtschaftung GmbH Manker."

Ende des Zitats

 

Die Verbindung der Menschen mit der Landwirtschaft geht allmählich verloren. Viele kennen schon die Bedeutung der Kühe als Lieferanten der Milch und damit Ausgangspunkt für viele wichtige Lebensmittel nicht mehr. Noch in der letzten Generation wurde auch in Protzen selbst gebuttert!

Die Bilder zeigen unsere rotbunten Kühe im Luch. Früher (bis in die Nachkriegszeit) waren es meist Schwarzbunte.

 

Der Anblick saftiger Weiden im Luch ist heute selbstverständlich. Vor 90 Jahren war dies Sumpfland, in dem die Kühe bis zum Bauch eingesunken wären. Sie lebten damals (bis 1923) fast nur im Stall, alles Grünfutter musste herbeigeschafft. werden.