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Landtechnik in Protzen nach 1945

 

von Elke Wildt, bearbeitet von Rudolf Legde

Stand: 15.09.2009

Zunächst einige Abkürzungen:

  • MAS = Maschinen-Ausleih-Station
  • MTS = Maschinen-Traktoren-Station
  • KfL = Kreisbetrieb für Landtechnik
  • LPG = Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft
  • BT = Betriebsteil
  • PA Unterricht = Produktives Arbeiten (wurde ab der 7. Klasse unterrichtet)

In der DDR wurden Pflanzen- und Tierproduktion (LPG) sowie die Landtechnik (KfL) voneinander getrennt. Die LPG ohne den KfL hätte nicht wirklich arbeiten können.

Die MAS Protzen wurde auf dem ehemaligen Wirtschaftshof des Gutes errichtet.

Am Anfang im Mai 1949 hatte die MAS 5 Traktoren und es arbeiteten zwischen 8-10 Schlosser in der Werkstatt. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch ein Garagenkomplex auf dem ehemaligen Gutshof errichtet.

1955 wurde aus der MAS die MTS. Auf dem jetzt Betriebsgelände genannten Hof entstand ein Wohnhaus für Arbeiter. Die an der Dorftraße gelegene ehemalige Scheune 5 des Gutes wurde zum Kulturhaus umgebaut.

Im Jahr 1968 wurde aus der MTS der KfL und damit eine Vergrößerung des ganzen Betriebes. Protzen war jetzt nur noch ein so genannter Betriebsteil, sowie Radensleben, Karwesee und andere Orte. Der Hauptsitz war in Kränzlin.

Mit der Gründung der Betriebsteile erfolgte auch eine Spezialisierung der Aufgaben. In Protzen wurden vorrangig Mähdrescher aus der ganzen Republik nach der Ernte generalüberholt.

In den 70iger Jahren wurde eine große Montagehalle errichtet, hier sollten die Mähdrescher in Art von Fließbandarbeit repariert werden: laut 5 Jahresplan alle 170 Minuten 1 Mähdrescher. Diese Vorgabe wurde aber sicher nur auf dem Papier erreicht.

Die Mähdrescher kamen nicht, wie man vermuten könnte per Bahn oder auf einem Tieflader, nein sie kamen per Achse. Ein solcher Konvoi wurde dann von 1-2 Schlossern und einem Werkstattwagen begleitet.

Mähdrescherkonvoi auf der DDR-Autobahn, 1972 Quelle

Die Mähdrescher wurden hier dann vollständig zerlegt und nach Wartung und Reparatur wieder montiert. Um anschließend wieder per Achse an ihren Einsatzort zu gefahren zu werden.. Auf Grund des immer öfter bestehenden Mangel an neuen Ersatzteilen und den daraus folgenden Improvisationen hielten manche Mähdrescher ihre Heimfahrt nicht durch.

Auf diese Art und Weise wurde dann 1985 ein Jubiläum gefeiert. Es wurde der 10.000 Mähdrescher repariert an die LPGen übergeben.

Berufe wie Schweißer und Dreher waren ganz normale Berufsbilder. Der Schmied, der einst zu jedem Dorf gehörte, wurde dabei zu den aussterbenden Berufen. Es gab ihn zwar noch lange Zeit auch im KFL, aber es wurden hier in Protzen keine mehr ausgebildet.

Erich Pötsch am „2 Schar – Pferde – Pflug“ auf dem MTS – Hof

Die Anerkennung zum staatlichen Lehrbetrieb erhielt der KfL Protzen im Jahr 1968. Es wurden Landmaschinen und Traktorenschlosser ausgebildet, was unter der männlichen Jugend unseres Dorfes sicher nicht ganz wohlwollend aufgenommen wurde. Hingegen hatten die Mädchen sicher ihre Freude und so mancher Lehrling ist entweder nicht mehr aus Protzen weggezogen oder hat sich seine Frau mitgenommen.

Im Frühjahr 1982 wurde ein Heizhaus errichtet um alle Betriebsgebäude mit Zentralwärme zu versorgen.

In den 80iger Jahre arbeiteten bis zu 100 Werktätige im BT Protzen. Betriebsleiter war Herr Krüger.

Das Betriebsgelände:

Betriebsgelände 1975: Blick von der Dorfstraße

Südseite

  • Das ehemalige Inspektorhaus: Sitz der Verwaltung
  • Die ehemaligen Arbeiterwohnungen des Gutes wurden zu einer Krankenstation und einer Zahnartztpraxis umgebaut, ausserdem wurde eine Bürgermeisterei dort untergebracht und ein Teil blieb Wohnung.
  • Das sich anschließende Gebäude wurde in der oberen Etage als Lehrlingswohnheim genutzt und in den unteren Räumen war die Lehrwerkstatt und die Unterrichtsräume für den PA-Unterricht.

Westseite

  • Kleinwerkstätten und Lagerei

Nordseite

  • Motorenwerkstatt und Lagerei

Ostseite

  • Wohnhaus,
  • Tiefbrunnen für die Feuerwehr,
  • Schmiede und
  • Kulturhaus.

Kulturhaus

Kulturhaus 1975: Blick von der Dorfstraße

Nordseite (Dorfstraße):

  • Zugang;
  • im Keller: mit einer Küche und einem Essensraum für Mitarbeiter, und Schüler und Lehrlinge
  • unter dem Dach: der Biologieunterrichtsraum.

Südseite:

  • Ein großer Mehrzwecksaal mit Bühne und Kinovorführraum und einem kleinen Ausschank,
  • Toilettenräume für Männer und Frauen,
  • eine Bibliothek im Dachgeschoss.

In der Mitte

  • Tankstelle,
  • Montagehalle und
  • Garagenkomplex.