Das Gutshaus in Protzen

 

 

 

Rudolf Legde

6.8.2007

Das ehemalige Gutshaus in Protzen im Frühjahr 2006

Vom Gutshaus in Protzen aus war oft Kriegslärm zu hören. Wahrscheinlich waren die Kanonen der Schlacht von Fehrbellin zu hören, die 1675 den Aufstieg Preußens zur europäischen Großmacht einleitete. Kanonenkugeln aus dieser Schlacht wurden im Gutshaus aufbewahrt. Und im Frühjahr 1945 waren die Bomber zu hören, die Potsdam und Berlin zerstörten und das Ende Preußens besiegelten.

 

Das Gutshaus ist heute Gemeindezentrum und Museum.

Es ist ein geeigneter Ort für diese Zwecke. Es ist ein schönes Haus mit vielen Bezügen zur preußischen Geschichte. Es ist aber auch das Haus, das die längste Zeit seiner Geschichte  von unserer Familie bewohnt wurde.

Diese Dokumentation soll in Papierform als Broschüre und in elektronischer Form im Internet preußische Geschichte und Familiengeschichte aus der Perspektive eines Hauses deutlich machen. Sie soll dazu beitragen, jetzt noch verfügbares Wissen und Materialien zu sammeln und vielleicht Interesse zu wecken bei Menschen, die mit preußischer Geschichte, dem Dorf Protzen mit seinem Gutshaus oder unserer Familie verbunden sind.

Ich beabsichtige, diese Dokumentation laufend weiterzuentwickeln. In der vorliegenden ersten Form orientiert sie sich i. w. an einem von meinem ältesten Bruder Hans Christian Legde beschriebenen Rundgang durch das Haus. Dieser Text wird durch Bilder, Dokumente und Ergebnisse von Nachforschungen ergänzt.

Grundriss Erdgeschoss
Grundriss Obergeschoss

 

Hinweis

Die Grundrisse des Erdgeschosses und des Obergeschosses wurden zur besseren Orientierung mit den im Historischen Rundgang verwendeten Nummern der Räume versehen. Die Bilder können angeklickt werden. Sie öffnen sich dann in einem eigenen Fenster, welches in eine beliebige Positon des Bildschirms gebracht werden kann. Ebenso kann mit allen anderen Bildern verfahren werden.

Historischer Rundgang

 

Das  Gutshaus  in  Protzen  1944  und  2006

Hans Christian Legde

 

Jedesmal, wenn ich mein Geburtshaus von der Parkseite aus ansehe, fällt mir „Das Schloss Boncourt“ von Adelbert von Chamisso ein.

 

Das Haus ist mein Lebensmittelpunkt geblieben, auch wenn ich seit Mitte August 1941 nur in den Ferien und seit Ende April 1945 überhaupt nicht mehr darin gewohnt habe. Die Erinnerung an Einzelheiten ist allerdings sehr verblasst und fehlerhaft. Aber soll ich mit der Beschreibung länger warten? Es gibt so gut wie keine alten Innenaufnahmen des Hauses. Es gibt auch nicht mehr viele Menschen, die vor Kriegsende darin gelebt haben.

Ansicht von der Parkseite (Süden)

Zitat

Das Schloß Boncourt

Ich träum als Kind mich zurücke,
Und schüttle mein greises Haupt;
Wie sucht ihr mich heim, ihr Bilder,
Die lang ich vergessen geglaubt?

Hoch ragt aus schatt'gen Gehegen
Ein schimmerndes Schloß hervor,
Ich kenne die Türme, die Zinnen,
Die steinerne Brücke, das Tor.

Es schauen vom Wappenschilde
Die Löwen so traulich mich an,
Ich grüße die alten Bekannten,
Und eile den Burghof hinan.

Dort liegt die Sphinx am Brunnen,
Dort grünt der Feigenbaum,
Dort, hinter diesen Fenstern
Träumt ich meinen ersten Traum.

Ich tret in die Burgkapelle
Und suche des Ahnherrn Grab,
Dort ist's, dort hängt vom Pfeiler
Das alte Gewaffen herab.

Noch lesen umflort die Augen
Die Züge der Inschrift nicht,
Wie hell durch die bunten Scheiben
Das Licht darüber auch bricht.

So stehst du, o Schloß meiner Väter,
Mir treu und fest in dem Sinn,
Und bist von der Erde verschwunden,
Der Pflug geht über dich hin.

Sei fruchtbar, o teurer Boden,
Ich segne dich mild und gerührt,
Und segn' ihn zwiefach, wer immer
Den Pflug nun über dich führt.

Ich aber will auf mich raffen,
Mein Saitenspiel in der Hand,
Die Weiten der Erde durchschweifen,
Und singen von Land zu Land

Fortsetzung Historischer Rundgang

 

Die Straßenfront des Gutshauses misst 23,10 m. Die Ost- und die Westseite sind je 23,80 m lang. Auf der Süd-, Rück- oder Parkseite liegt zwischen zwei 6,91 bzw. 6,94 m breiten Seitenflügeln ein 9,25 m breiter gepflasterter Innenhof von 9,85 bzw. 9,87 m Tiefe, der teilweise durch einen Balkon überdacht war. Das Haus wurde fast nur von hinten betreten. Das Gutshaus wurde im wesentlichen in seiner heutigen Form, aber mit zwei nur einstöckigen Seitenflügeln, um 1753 von Generalleutnant Franz Ulrich von Kleist errichtet.

Franz Ulrich von Kleist

(Quelle: http://www.v-kleist.com/FG/Muttrin/fg3_407_bild.jpg)

 

Ansicht von Südosten (Dorfstraße)

Er hatte 1751/52 zwei der drei Protzener Güter wohl von Cuno Ludolph oder Albrecht Friedrich von Quast gekauft. Wo die zeitgleich bis zu drei Protzener Gutsbesitzerfamilien, nämlich von Protzen bis etwa 1522, von Gadow bis 1652/1654/1667 und von Quast bis 1751/1767, gewohnt haben, ist unbekannt. Im Sommer 1638 verwüsteten die Truppen des kaiserlichen Generals Reichsgraf Matthias von Gallas, des Heerverderbers,  das Ruppiner Land in unvorstellbarer Weise. Der Protzener Pastor Collasius (Kohlhase), der nach Gottberg geflohen war, berichtet im bekannten Gottberger Kirchenbuch zwar, dass in Protzen nur acht Personen übriggeblieben seien und dass die Pfarre zu Protzen und das halbe Dorf abgebrannt seien. Er zählt abgebrannte Rittersitze, darunter Walsleben, Dabergotz, Krentzlin (Kränzlin), Werder, Buskow, Wustrau, Langen, Walchow, Manker, Vichel und Nakel, sowie deren Besitzer auf, erwähnt aber weder ein Gutshaus in Protzen noch die Gadow. 1718 und 1727 zerstörte eine Feuersbrunst bis auf die Kirche, vier Höfe und einige Einliegerstellen das gesamte Dorf samt dem Pfarrhaus, wobei die Kirchen- und Kirchenrechnungsbücher von Protzen und Stöffin verbrannten" (Lothar Westphal, Geschichte des Dorfes Protzen, Dezember 1905, Seite 16). Auch Westphal sagt nichts über ein altes Gutshaus. Mein Vater nahm lange an, die Quasts hätten das jetzige Gutshaus nach dem Brand von August 1727 errichtet. Wahrscheinlicher ist aber, dass Generalleutnant von Kleist bald nach Erwerb von zwei der drei Quastschen Güter in Protzen den Neubau errichtete. Dies geschah auf alter Bausubstanz. Die Keller mit Kreuzrippengewölbe unter dem Ostteil des Hauptbaus stammen nämlich aus dem späten 15. oder aus dem 16. Jahrhundert.

Über den Innenhof geht es geradeaus durch die Eingangstür mit halbrundem Oberlicht in den 01 Treppenflur.

Treppenflur früher
01 Treppenflur

Der wichtigste Durchgangsraum des Hauses. Er war hellgelb gestrichen. Unter der Decke war eine Kette grüner Efeublätter gemalt.

Rechts die beeindruckende dreiläufige Treppenanlage ins Obergeschoss, die - steiler und zweiteilig - bis ins Dachgeschoss weiterführt. Das Geländer eignet sich zum Hinunterrutschen. Es war braun und ist jetzt - wohl die ursprüngliche Farbe - überwiegend weiß gestrichen. In den Ecken der beiden Treppenabsätze befand sich je eine Konsole mit einer weiblichen Figur, die eine Schale in der Hand hatte. „Die Formen der Antrittsschnecke und des Balustergeländers gleichen bis ins Detail den Treppen Neuruppiner Bürgerhäuser vom Ende des 18. Jh.“ (Denkmale in Brandenburg, Band 13.2, Landkreis Ostprignitz-Ruppin, 2003, S. 345). So befindet sich in der Siechenstraße 14 eine ganz ähnliche Treppe. Vielleicht ist die Protzener Treppe erst einige Jahrzehnte nach dem Neubau eingefügt worden.

Treppenflur 2006 mit den Türen zur WC-Anlage (von der Bar aus gesehen)

Unter dem ersten Treppenlauf und -absatz eine „Butze“ für Reinigungsgeräte. Davor eine Truhe mit Wagendecken und Fußsäcken. Das Fahren im offenen Pferdewagen konnte im Winter sehr kalt sein. Im Türrahmen zur Plättstube unter dem zweiten Treppenlauf ließ sich eine Schaukel einhängen, die eifrig benutzt wurde. Heute befinden sich hier die Türen zum Behinderten-WC und zu dem kleinen Flur vor dem für Herren und dem WC für Damen.

 

Unter dem zweiten Treppenabsatz und dem dritten Treppenlauf ein großer gelber Schrank vor allem mit Winter-Überkleidung für die Kinder. Das nicht mehr existierende, leicht angekratzte Milchglasfenster zur Toilette und darunter ein großes dunkles Gefäß, aus dessen weiter ovaler Öffnung nach oben viele Spazierstöcke herausragten, darunter ein auffälliger Knotenstock. Ein grüner Kachelofen mit einer Ofenbank an zwei Seiten.     

Von der hinteren Haustür in Richtung auf die Eingangstür zur Straße geht es links an der Tür zum Kleinen Esszimmer und einem großen schwarzen Schrank vorbei zum offenen Eingang der 02 Garderobe.

02 Garderobe

Sie ist heute Abstellraum mit Eingangstür. Die Garderobe war durch eine Zwischendecke niedrig gehalten und besaß eine grobgewirkte grüne Wandverkleidung sowie eine lange Reihe von Kleiderhaken. Am Ende der Garderobe eine nicht mehr existierende Tapetentür zum Salon. Auf der südlichen Breitseite ein Spiegeltisch und die Tür zu einem kleinen Abstellraum für Staubsauger am Schornstein. Durch diesen Raum Zugang zum niedrigen 03 Raum über der Garderobe.

03 Raum über der Garderobe

Beim ersten Besuch des Hauses nach der Wende kam mir der Gedanke, hier könne sich das ovale Bild des Protzener Prinzen Heinrich befinden. Es war nicht da. Auf der Ostseite des Treppenflures ein mich faszinierender Stich der Schlacht von Fehrbellin und die Tür zur 04 Toilette.

Schlacht bei Fehrbellin

(Quelle: http://www.preussenweb.de/fehrbellin/schlacht7.jpg)

04 Toilette

Sie ist heute Raum für Reinigungsmittel. Wiederum ein durch eine Zwischendecke niedrig ausgestalteter Raum. Eine kleine Tür führte zum Schornstein und zu einem Schacht, durch den man in den niedrigen Raum zwischen der unteren und der oberen Toilette gelangen konnte. Neben dem WC ein Waschtisch, an dem ich unzählige Male den Durst gestillt habe. Architekt Kujas erzählte, dass bei der Hausrenovierung unter der Toilette Bauschutt aufgefunden worden sei. Das spricht dafür, dass vor dem Neubau von 1753 im Vorgängerbau die dann zugemauerte Treppe hinunter zum  Weinkeller hier begonnen hat.

Alte Fliesen in der früheren Toilette
 
 

An der Decke zwischen Garderobe und Toilette hing die zu jedem Erntedankfest erneuerte Erntekrone. Vom Treppenflur gelangen wir durch einen Öffnungsbogen ins 05 Entree.

Flur Haupteingang 2006. Früher „Entree“. Blick zum Treppenflur und Hofeingang

05 Entree

Die rundbogige Haustür zur Dorfstraße mit Lünettenoberlicht wurde kaum benutzt. Über ihr befand sich bis zu ihrer Zerstörung nach dem Krieg eine schöne Sandsteinplatte mit dem Doppelwappen von Franz Ulrich von Kleist und dessen zweiter Ehefrau Maria Eleonore geborene von Lepel.

 

2006 Haupteingang abends
2006 Haupteingang. Anstelle der Rauputzplatte unter dem Fenster war früher das Doppelwappen der Familien Kleist und Lepel
Sandsteinplatte über der Haustür mit Doppelwappen Kleist und Lepel
Wappen der Familie Kleist (zwei Füchse)

(Quelle: http://www.v-kleist.com/wappen_gross.gif)

Wappen der Familie Lepel (aus Löffeln gebildete Krone)

(Quelle: http://tbn0.google.com/images?q=tbn:8AQdGVvpxwBy9M:http://home.foni.net/~adelsforschung/lepel.jpg)

 

 

Anmerkung:

Die zweite Frau von Franz Ulrich von Kleist war wahrscheinlich Dorothea Margaretha, verw. von Kleist, geborene von Lepel (1703-1774)

Fortsetzung Historischer Rundgang

Generalleutnant von Kleist war in erster Ehe mit Luise Eleonore geb. von Putlitz verheiratet gewesen. Er wurde in der Schlacht von Lowositz verwundet und starb am 13. 1. 1757 in Dresden. Seine Witwe verkaufte das Rittergut 1770 für 46.000 Taler an ihren Stiefsohn Gustav von Kleist.

Im Entree ist der Parkettboden erhalten. Zwischen der Haustür und der Tür zum Saal wohl eine Truhe. An der Wand dann „der Kleist“. Pastor Westphal aaO S. 19 meint, es handele sich um Gustav von Kleist, Ritter des Johanniterordens und daher „Johanniter-Kleist“. Er wurde 1743 geboren. Sein Hauslehrer war Johann Cuno Christoph Schinkel, später Superintendent in Neuruppin, der Vater des Baumeisters Carl Friedrich Schinkel und mein Ururururgroßvater. Gustav von Kleist schied als Fähnrich aus dem Regiment Prinz Ferdinand in Neuruppin aus, um Gutsbesitzer zu werden. „Johanniter“ erschien ansehnlicher als Fähnrich. Er starb kinderlos am 3. 7. 1794, seine Witwe geb. von Briest am 18. 6. 1811. Ob der „Magdeburg-Kleist“, der nach der Katastrophe von 1806 ein paar Jahre zurückgezogen im Protzener Gutshaus gelebt haben soll, Bruder von Franz Ulrich und Onkel von Gustav von Kleist war, weiß ich noch nicht sicher. Schön und gut - nur das Bild zeigt den Johanniter-Kleist nicht! Auch wohl nicht den im Vehse erwähnten Brandenburger Domherrn von Kleist. Sondern einen katholischen Geistlichen von etwa 1730 mit polnischem Weißen Adlerorden. Nachfragen bei dem Genealogen der Familie von Kleist haben nicht weitergeholfen.

Der "dicke Kleist"
Detail des Bildes (Weisser Adlerorden )
Kreuz des Weißen Adlerordens

(Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/e/e9/Order_OB.jpg/180px-Order_OB.jpg)

Bruststern des Weißen Adlerordens

(Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/8/81/Order_OBG.jpg/180px-Order_OBG.jpg)
Der Protzener „Kleist“
Ignacy Krasicki

(Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/6/66/Ignacy-Krasicki-oil.jpg/180px-Ignacy-Krasicki-oil.jpg)

 

 

Exkurs:

Manches aus dem Internet spricht dafür, dass es sich bei der dargestellten Person um Ignacy Krasicky handeln könnte.

Ignacy Krasicki (3.2.1735 - 14.3.1801): Aufklärer, Philosoph, Satiriker 

Ignacy Krasicki entstammte einem verarmten, aber einflussreichen Adelsgeschlecht. Frühzeitig für die geistliche Laufbahn bestimmt, besuchte er das Jesuitenkolleg in Lemberg und das Seminar der Missionare vom Hl. Vinzenz in Warschau. Noch vor der Priesterweihe (1759) erhielt er Kanonikate in Posen und anderen Orten sowie weitere Verwendungen. Zwischen 1759 und 1761 hielt sich Krasicki im Auftrag des Kiewer Wojewoden Potocki in Rom auf. Während der politischen Wirren in Polen schloss er Freundschaft mit dem späteren König Stanislaus August Poniatowski, der ihn nach der Thronbesteigung 1764 zum Hofkaplan berief und seine weitere Karriere förderte. 
1765 trat Krasicki an die Spitze des kleinpolnischen Tribunals. Zu der Zeit begann er seine schriftstellerische Tätigkeit in der Zeitschrift »Monitor«. Mit Vorliebe bediente er sich dabei verschiedener Pseudonyme, wie z.B. Milczyíski, Michal Mowiíski, Princeps Polonus, Ignacy Slabski oder X.B.W.. 
In Anwesenheit des Königs empfing er am 28.12. 1766 in der Theatinerkirche zu Warschau die Bischofsweihe. Als sich die innenpolitische Situation zuspitzte, begab sich Krasicki auf Reisen nach Deutschland und Frankreich. In Paris erlangte er Zugang zu den literarischen Zirkeln der Aufklärung; u.a. verkehrte er im Salon der Madame Geoffrin. 
Seit 1770 residierte er häufiger in Heilsberg/Ermland, wo er sich jedoch weniger als Oberhirte seiner Diözese denn als Kunstmäzen betätigte und die pastoralen Aufgaben seinem Weihbischof Karl von Zehmen übertrug. So ließ er nicht nur die mittelalterliche Burg im Rokokostil erweitern und entsprechende Gärten anlegen, sondern erwarb auch eine reiche Kunstsammlung und eine wertvolle Bibliothek. Außerdem schrieb er unter dem Pseudonym Mowiíski Theaterstücke, die er in seiner Residenz aufführen ließ. 
Auf die Erste Teilung Polens sowie die damit verbundene Eingliederung seines Fürstbistums in das Königreich Preußen (13.9. 1772) reagierte Krasicki mit Gleichmut. Im Winter 1772/73 kam es zur ersten persönlichen Begegnung zwischen Friedrich II. von Preußen und Krasicki, aus der sich in der Folgezeit eine engere persönliche Beziehung entwickelte. Der König schätzte den Gedankenaustausch mit dem geistreichen Bischof und regte diesen zu weiterer literarischer Tätigkeit an. Am 1.11. 1773 weihte Krasicki die neu erbaute St.-Hedwigskirche in Berlin ein und weilte im Anschluss daran fast fünf Monate als Gast Friedrichs d. Gr. in Potsdam-Sanssouci. Darüber hinaus erhielt der Fürstbischof, der sich ständig in finanziellen Schwierigkeiten befand, wiederholt Geldgeschenke vom Preußenkönig. Gleichzeitig bewahrte Krasicki. seine Freundschaft zum polnischen. Monarchen Stanislaus August Poniatowski. Noch zu Lebzeiten wurden fast alle seine Schriften ins Deutsche übersetzt. 1786 zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Berlin berufen, bestand Krasickis gutes Verhältnis zum preußischen Hof auch unter Friedrich Wilhelm II. und Friedrich Wilhelm III. fort. Selbst sein Eintreten für die polnische. Verfassung vom 3.3. 1791 und seine
Wie schon im Bistum Ermland, trat Krasicki auch in seinem neuen Sprengel kaum als Seelsorger hervor, sondern widmete sich weiterhin in seiner Residenz Skierniewice der Kunst und Literatur. Auch pflegte er eine umfangreiche Korrespondenz. Auf einer seiner häufigen Reisen starb er am 14.3. 1801 in Berlin, wo er seine letzte Ruhestätte in der Hedwigskirche fand. J. Ursyn Niemcewicz und die Gesellschaft der Freunde der Wissenschaften in Warschau veranlassten später seine Überführung in die Kathedrale von Gnesen (17.3. 1829). Sein gesamter Besitz wurde versteigert. Krasicki verkörpert den Typus des aufgeklärten geistlichen Fürsten, der zu seinen seelsorgerischen Verpflichtungen kaum ein angemessenes Verhältnis fand.( "[Von] einem französischen Atheisten, der Esprit hat, wird [verlangt], dass er sich nur bloß bei schmerzlichen Krankheiten und auf dem Todbette bekehrt, unsere hingegen bekehren sich gemeiniglich bei jedem Donnerwetter.") Als Schriftsteller nimmt er hingegen in der polnischen Literaturgeschichte des 18. Jh.s einen herausragenden Platz ein. 
[Nach: Barbara Wolf-Dahm Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikons, Band IV (1992) Verlag Unterstützung des Koóciuszko- Aufstandes 1794/95 änderten daran nichts. Auf Nomination des preußischen Königs erfolgte am 23.4. 1795 die Wahl Krasickis zum Erzbischof von Gnesen, bestätigt vom Hl. Stuhl am 22.12. 1795. Im Mai 1798 zeichnete ihn Friedrich Wilhelm III. mit dem Roten Adlerorden aus.  Traugott Bautz Spalten 609-612]

Fortsetzung Historischer Rundgang

Blick aus dem Treppenflur zum Haupteingang 2006

 

Im Entree stand dann noch der wunderschöne Wappenschrank. Wir betreten durch die zweiflügelige Tür den 06 Saal.

 

06 Saal

Er ist heute Versammlungsraum. Auch hier ist der Parkettboden erhalten geblieben. Die Wände waren bis in  Fensterhöhe holzgetäfelt. Zwischen den drei Fenstern zur Dorfstraße zwei hohe Spiegel. In der Saalecke der Kupferkessel, in dem ein Kind sich verstecken konnte.

Kupferkessel im Saal

 

Darüber der Wandteller mit St. Hubertus und dem Hirsch. Von den drei "Kirchenmöbeln" im Saal zuerst die Sitzbank mit hohem Rücken. Auf jeder Armlehne ein Männchen mit Buch und Globus.

Kirchenmöbel (Sitzbank) im Saal
Detail der Sitzbank

Heizkörper mit Wärmefach. Die heute zugemauerte Tür zur Plättstube in Richtung Küche. Die „mittelalterliche Bar“, ein großer Geschirrschrank, oben mit Zinngeschirr. Ein besonders schöner weißer Kachelofen. Ein etwas kleinerer Schrank, drittes Kirchenmöbel, mit reichem Schnitzwerk: Rettung des Mose aus dem Nil. Gott gibt Mose die zehn Gebote. Auf dem Bodenbrett Kanonenkugeln aus der Schlacht bei Fehrbellin.

In der Saalecke, in der in den meisten Jahren der Weihnachtsbaum stand, hing ein ovales Gemälde, das den Protzener Prinzen Heinrich darstellen sollte. Ich hatte als Junge Bedenken, weil mir die Uniform nicht preußisch vorkam. Das Bild ist 1945 abhanden gekommen.

Der Saal wurde als Esszimmer genutzt. In der Mitte stand unter einem mächtigen Leuchter und zwei etwas kleineren Lampen im Stil Anfang des 20. Jahrhunderts der große Esstisch. Um ihn herum dunkle Stühle mit hohen geflochtenen Lehnen. – Durch die erwähnte jetzt zugemauerte Tür in die 07 Plättstube.

Exkurs

   

Prinz Heinrich

geb. 30.12.1747 in Berlin - gest. 26.5.1767 in Protzen

Carl Friedrich Heinrich Prinz von Preußen war der Lieblingsneffe des kinderlosen Friedrich II und von ihm als Throfolger ausersehen. Sein früher Tod mit 19 Jahren war für Friedrich eine lebenslange schmerzliche Erinnerung an das Dorf Protzen. Das Kranken- und Sterbezimmer des Prinzen, heute Teil des Dorfmuseums, bis 1945 das Kinderzimmer der Familie Legde, heißt bis heute "Prinzenstube". Es liegt im ersten Stock nach Westen. Es handelt sich um das linke und das mittlere der drei Fenster. Die Ereignisse um den Tod des Prinzen sind bei Fontane beschrieben. Fontane bezieht sich auf den entsprechenden Bericht von Christof Friedrich Schinkel, 1757-1788 Pfarrer in Protzen, Großonkel von Karl Friedrich Schinkel.

Kurz vor seinem Tod schrieb Friedrich II: " Ich habe die Macht besessen und das Jahrhundert mit meinem Namen erfüllt, ich habe Preußen vergrößert und es fürchterlich gemacht. Die Staatskassen sind voll, meine Völker zu Gehorsam gedrillt. Die Thronfolge ist gesichert, doch ich habe von allen meinen Neffen, Großneffen und anderen Verwandten nur einen geliebt, nämlich Heinrich, den zweiten Sohn meines Bruders August Wilhelm, ein Jüngling, dem ich wie meinem eigenen Kind nachtrauere."

Fortsetzung Historischer Rundgang

07 Plättstube

Im Uhrzeigersinn: Ein kleinerer grüner Geschirrschrank. Fenster nach Osten zum Speicher: Einem langen und hohen Gebäude aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg, nach den Erinnerungen meines Vaters „vielleicht ganz nützlich, bestimmt aber recht unschön, ein zigarrenkistenförmiges Stall- und Speichergebäude“.

Für uns Kinder war der Speicher wichtig: Er enthielt auch den Hühnerstall und den Taubenschlag. In den zahlreichen nicht mehr gebrauchten Kutschen legten immer wieder Hühner Eier. In der Garage stand neben dem DKW Reichsklasse erst der Adler Trumpf und dann bis Kriegsbeginn der Mercedes 170 V.

ca. 1942 Im Hintergrund. Kleineres Gebäude mit  Waschküche und Räucherkammer,größeres Gebäude mit Stall und Speicher (im Osten des Gutshauses)
Im Luch am Fuchsberg: Adler Trumpf (6.7.1934)

Im Stall Omas Schimmel Ali, zeitweise Maiblume mit Fohlen, die Schafböcke Max, der sich reiten ließ, und Moritz. Man konnte auf das Teerdach des Speichers steigen und probieren, ob man Höhenangst hatte. Der Speicher, vor dem neben einer kleinen Pferdekoppel ein schöner Nussbaum stand, ist nach dem Krieg abgerissen worden.     

Unter dem Fenster ein Tisch mit grüner Wachsplatte, an dem wir Kinder frühstückten und auch sonst manchmal aßen. Ein Tischchen mit Messerputzgerät. Durchgang Richtung Küche. Zwei große Wannen zum Geschirrspülen. Die mächtige Wäschemangel. Die offene Tür zum Treppenflur. Ein großer rötlicher Schrank, in dem sich unten das nicht geliebte Schuhputzzeug befand. Am Schornstein ein Eisenofen mit Schrägflächen zu Erhitzen der Bügeleisen. Ein großer Bügeltisch. Frau Jenrich, Frau Franke, Frau Wernicke, Frau Heinrich waren hier tätig. Hing über dem Bügeltisch ein großes grünliches Stilleben?   

Zwischen der Plättstube und der Küche ein kleiner Durchgangsraum mit niedriger Decke, die 08 Anrichte.

08 Anrichte

Unter dem Fenster zum Speicher ein Wandschrank. Seitlich die ebenfalls niedrige 09 Speisekammer

09 Speisekammer

mit Brotmaschine und Kühlschrank, in dem Wasser- und Sahneeis hergestellt wurde. Am Ende der Speisekammer Treppchen zum halbhohen 10 Raum über der Speisekammer und der Anrichte

10 Raum über der Speisekammer und der Anrichte

Durch das Fenster ließen sich verhältnismäßig leicht Weintrauben an der Ostseite des Hauses erreichen. Diese Selbstversorgung wurde allerdings nicht gern gesehen.

Die Räume 07, 08, 09 und 10 sind nach dem Krieg stark verändert worden. Hier begann der - bei der Renovierung des Gutshauses beseitigte - gedeckte Gang zum Schulanbau. Jetzt befinden sich im Raum der Plättstube das Behinderten-WC, ein kleiner Flur und das WC für Herren. Die Räume 08, 09 und 10 nimmt die Toilette für Damen ein, in die geringfügig die Decke der Kellertreppe hineinragt.

Aus der Plättstube geht es durch den Treppenflur geradeaus ins 11 Kleine Esszimmer.

11 Kleines Esszimmer

Heute Ausschank. Ein wegen des – nach dem Krieg abgerissenen – Balkons früher ziemlich dunkles Durchgangszimmer. Ich erinnere mich an einen Schrank an der Nordwand, davor ein Tisch mit Stühlen. In Fensternähe eine Bank mit Stauraum unter dem Klappsitz. In den letzten Kriegsjahren Wohnzimmer einer aus Berlin evakuierten Diplomatenfamilie: Herr Baroni, seine Frau Giovanna geb. Wolf, die Kinder Paola und Eugenio, das Dienstmädchen („Maria Louisa, piccolo bambino Eugenio kriegt Schtulle con Leberwurst“), die alte Frau Perugini, Herr Umberto...

Weiter ins 12 Herrenzimmer.

2006 – Tür von der Bar (früher Kleines Esszimmer) in den Saal (früher Herrenzimmer)

 

 

12 Herrenzimmer

Grauer Teppich mit grünen Blümchen. Ziemlich neue Deckenlampe. Neben  der Tür zum Salon an der Wand Pendeluhr und Barometer. Mit braunem Cordstoff bezogenes Sofa, darüber Maler Streitenfelds Bild von Oma. Davor rechteckiger Eichentisch und zwei zum Sofa passende Sessel. Kleine Familienbilder, auf dem einen Onkel Adolf Legde und sein Halbbruder Onkel Sigismund von Seydlitz-Kurzbach. Die Nordwand des Herrenzimmers ist jetzt entfernt. Es bildet zusammen mit Mutters Salon einen Mehrzweckraum, den jetzigen Saal.

Der Ofen am Schornstein mit stark modellierten grünen Kacheln ist – wie alle Öfen – verschwunden. Jenseits der Tür zum Kleinen Esszimmer Ecksofa. Die Zimmerecke schräg verkleidet mit rötlichem Teppich. Darüber Bild Kaiser Wilhelms I. Rechts und links etwas niedriger Bismarck und Moltke. Vor dem Ecksofa runder Tisch mit Fransendecke, offenen Fächern unter der Platte und zwei auffällig gestalteten Stühlen. An der Südwand über dem Sofa Pfeil und Bogen, Dolche und Schwerter, die wohl Kapitän Bruno Selmer von seinen Weltreisen mitgebracht hatte. Gewehrschrank. Tür zum Arbeitszimmer. Bücherschränkchen mit u.a. DAZ, Märkischer Zeitung und Knaurs Lexikon. Unter dem ersten Fenster Richtung Kuhstall Ledersessel sowie kleiner Tisch mit Radio. Großer Glasschrank mit Fundstücken, wohl aus Opa Glöckners Geburtsort Burg Ringsheim. Zweites Fenster, durch das wir oft hinaus- und hineingeklettert sind.

2006 Saal nach Süden (früher ab Mauervorsprung  Herrenzimmer),  mit Tür zur Küche (früher Arbeitszimmer) und zwei Fenstern nach Westen
2006 Saal nach Südosten (früher ab Mauervorsprung  Herrenzimmer),  mit Tür zur Bar (früher Kleines Esszimmer) und Tür zur Küche (früher Arbeitszimmer)
2006 Saal nach Norden (früher bis Mauervorsprung  Herrenzimmer, davor Salon),  mit Tür zur Garderobe (früher Musikzimmerer) und zwei Fenstern nach Norden zur Dorfstraße

 

13 Vaters Arbeitszimmer

Heute Teeküche und Essenausgabe.

Küche 2006 (früher Arbeitszimmer) mit Tür zum südwestlichen Treppenflur
Küche 2006 (früher Arbeitszimmer) mit Fenster zum Innenhof

 

Rauer Teppich. Neben der Tür vom Herrenzimmer Papierkorb und Tischchen mit Telefon (Fehrbellin 13, später 113). Vaters Schreibtisch. Bild von Sanssouci. Großer Bücherschrank, darauf Folianten.

Fenster zum Innenhof, früher unter dem Balkon.

Schreibmaschinentisch. Darüber großer Stich „L´adieux d´Hector à Andromaché“. Er weckte mein Interesse für die Ilias.

 

Vor dem Schornstein Ledersessel. Während der Mittagsruhe lag hier Schuft auf Vaters Schoß und reagierte böse auf Störungen. Geldschrank mit u.a. viel Inflationsgeld. Tür zum südwestlichen Treppenflur. Keine sichere Erinnerung, ob es rechts und links vom Fenster zum Kuhstall Rollschränke gab. Zurück durchs Herrenzimmer in 14 Mutters Salon.

14 Mutters Salon

Helle geblümte Tapete. Deutlich lichter als das Herrenzimmer. Großer roter Teppich. Sehr großer Kronleuchter. Zwischen den beiden Straßenfenstern und neben der Tür zum Musikzimmer je ein kleinerer Bücherschrank u.a. mit Inselbändchen. Blaue Chaiselongue. Nicht mehr vorhandene Tapetentür zur Garderobe. Sofa und runder oder ovaler Tisch. Tür zum Herrenzimmer. Schreibschrank. Rauchtischchen unter dem dritten Fenster in Richtung Kuhstall. In der Nordwestecke des Zimmers stand in manchen Jahren der Weihnachtsbaum. – Durch die meist offene zweiflügelige Tür weiter ins 15 Musikzimmer.

Saal 2006 (früher Salon) mit Tür zur Garderobe (früher Musikzimmer) und Fenster zur Dorfstraße

 

15 Musikzimmer

Es dient heute als Garderobe und Durchgang zum Mehrzweckraum. Lila Tapete. Schränkchen, Fenster zur Dorfstraße, Schrank mit wertvollen Büchern. Zweiflügelige Tür zum Entree. Mutters Flügel. Spielte sie darauf, so lief Dackel Schufti herbei und jaulte herzzerreißend. Schornsteinecke schräg. An der Wand zwei „Pesnes“ Sie sollten Prinz August Wilhelm und Prinzessin Amalie darstellen. Falls Pesne der Maler der guten Bilder war, handelt es sich eher um zwei seiner Kinder.

 

Die beiden Pesnes
 

 

Exkurs

(Quelle: http://www.antoine-pesne.de)

Antoine Pesne wird am 29. Mai 1683 in Paris geboren. Seine künstlerische Ausbildung erhält Pesne zunächst bei seinem Vater und anschließend bei seinem Onkel Charles de la Fosse. Anschließend besucht der junge Pesne die Académie Royale. In Besitz eines Stipendiums, führt es ihn in der Zeit von 1705 bis 1710 zu Studienzwecken nach Italien. Dort fertigt Pesne ein Porträt vom preussischen Gesandten in Venedig an, was das Interesse seiner Malerei von Friedrich I. erweckt. Anschließend beruft dieser Antoine Pesne im Jahr 1710 nach Berlin und ernennt ihn im folgenden Jahr später zum Maler seines Hofes. Reisen führen Pesne nach Dessau, Dresden, London und Paris. In Paris wird der Künstler im Jahr 1720 als Mitglied der Akademie aufgenommen. Durch seine Bildnisse der königlichen Familie wird Pesne ein hohes Ansehen zuteil. Antoine Pesne wird im Jahr 1722 Direktor der Berliner Kunstakademie. Zeitgleich entstehen seine Porträts von Friedrich II. und Julie von Voß.
In den Folgejahren erhält Pesne durch Friedrich den Großen auch Aufträge für allegorisch-mythologische Wand- und Deckengemälde in den Schlössern Rheinsberg, Charlottenburg, Sanssouci und dem Potsdamer Stadtschloss sowie für genrehafte Szenen. Jedoch berühmt wird Pesne durch seine Porträts der preussischen Herrscherfamilie in ihrer Verbindung von spätbarocker Repräsentation und der anmutig-einfühlsamen Auffassung des Rokoko. Antoine Pesne verstirbt am 5. Juli 1757 in Berlin.

Fortsetzung Historischer Rundgang

Durch das Entree und den Treppenflur zur Haupttreppe. Die 7, 9 und 7 Stufen hinauf zum 16 oberen Flur.

Die Haupttreppe 2006

16 oberer Flur

Rechts ein Wandschränkchen, darauf ein Telefonapparat. Türen zur oberen Toilette und zu Omas Esszimmer.

2006 Doppeltür vom oberen Treppenflur zu den Räumen der Feuerwehr (früher Omas Esszimmer)

Vorhang zum schmalen Flur nach Westen. Geradeaus ein großer schwarzer Schrank und davor ein rechteckiger Tisch. Links Geländer um den Mittelschacht des Treppenhauses, Treppe ins Dachgeschoss, Durchgang zum kleinen Flur.

2006 oberer Flur mit Durchgang zum kleinen Flur (heute Billardzimmer)
2006 Treppenflur mit Geländer (Blick nach oben)

Ein großer Schrank, darauf ein Gipskopf. Fenster zum Balkon, Balkontür. An der Wand Zeichnung des Kopfes einer alten Frau. Opa Legdes Mutter Sophie, gestorben am 5. 2. 1890 in Protzen, oder seine Großmutter väterlicherseits Anna Maria, gestorben am 11. 3. 1886 in Protzen? - Durch die Tür daneben ins

17 Schinkelzimmer.

17 Schinkelzimmer

 

Es gehört heute zum Museum. Gegen Kriegsende wurde es auch als Schlafzimmer genutzt. Bis darin war es Salon vor allem mit Erinnerungsstücken an den Baumeister Karl Friedrich Schinkel. Am Schornstein abgerundete Nische in der schrägen Wand. Glasvitrine. Sofa, Tisch, Stühle. Tür zur Prinzenstube. - Zurück über den oberen Treppenflur auf den (jetzt abgerissenen) 18 Balkon.

Exkurs

Schinkel und Protzen

(nach Aufzeichnungen von Hans-Günther Legde, letzter Gutsbesitzer in Protzen)

 

Die Familie des großen Berliner Baumeisters Carl Friedrich Schinkel ist mit dem Pastorat und Gut Protzen und der Familie Legde eng verbunden.

 

Paul Legde hatte am 25.5.1889 in zweiter Ehe Katharina Selmer aus Neustrelitz geheiratet und damit eine Verbindung zur Familie Schinkel hergestellt. Katharina Selmer war durch den gemeinsamen Großvater, den Generalarzt Dr. Seidler in Neuruppin, eine Kusine von Paul Legdes erster Frau Margarethe, geb. Seidler. Dieser Dr. Seidler ist eine Schlüsselfigur in der Familiengeschichte. Seine zweite Frau Charlotte war die Tochter der um 10 Jahre älteren Schwester Eleonore Sophie Elisabeth des berühmten Architekten und die Großmuttter der Katharina Legde. Der Vater  der älteren Schwester war der Neuruppiner Archidiakon und Inspektor (Superintendent) Johann Cuno Christoph Schinkel. Er war der Ur-Urgroßvater von Katharina Legde in Protzen. Als junger Theologe war er drei Jahre lang Gouverneur (Hauslehrer) bei der Witwe des Generalleutnants von Kleist zu Protzen, zweifellos empfohlen durch seinen Onkel Christoph Friedrich Schinkel, der von 1757 bis 1788 Prediger in Protzen war.  Als solcher folgte er seinem Vater  Barthold Christian Schinkel im Amt, der von 1707-1757 die Pfarre in Protzen innegehabt hatte. Des jüngeren Schinkels Bruder Johann Gotthilf war Prediger in Brunne bis 1787 und Vater des Neuruppiner Archidiakon, der seinerseits wieder des großen Schinkels Vater war.  Über 80 Jahre hatten also Mitglieder der Familie das Protzener Pfarramt inne. Des Architekten Vater und Großvater starben im gleichen Jahr 1787. Schinkel war damals 6 Jahre alt. Wenn auch seine Mutter mit ihm bald von Neuruppin nach Berlin verzog, bewahrte Schinkel seiner Vaterstadt doch eine gewisse Anhänglichkeit. Besonders zu seiner Schwester, die 10 Jahre älter als er den Pastor in Kränzlin geheiratet hatte, bestand ein enges geschwisterliches Verhältnis. Die Tochter dieser Schinkelschwester, also die Nichte Schinkels, war die zweite Frau des Dr. Seidler (des Großvaters von Frau Katharina Legde).

...

Frau Katharina Legde, geb. Selmer, zweite Frau des Paul Legde in Protzen, Urgroßnichte von Carl Friedrich Schinkel, hat von 1889 bis zu ihrer Vertreibung 1945 auf Rittergut Protzen gelebt, also über ein halbes Jahrhundert. Sie hat sich ein Leben lang als Schinkelnichte gefühlt und verwandtschaftliche Beziehungen über die Familien Selmer und Seidler zur Familie Schinkel und insbesondere zur unmittelbaren Nachkommenschaft des Oberlandesbaudirektors Carl Friedrich Schinkel lebendig erhalten. Da ist zunächst Schinkels Tochter Susanne, eine sehr begabte Aquarellmalerin. Eine jüngere Schwester war Elisabeth Freifrau von Wolzogen, Gemahlin des Alfred von Wolzogen, Schinkels Biograph und Mutter des Freiherrn Hans von Wolzogen, des Wagner-Vorkämpfers und Herausgeber der Bayreuther Blätter. Er war im hohem Alter mehrfach zu Besuch in Protzen, schenkte an Frau K. Legde ein angeblich von Schinkel gemaltes ovales Ölbild seiner Großmutter Schinkel und seiner Mutter (als Kind), wozu bemerkt werden darf, dass Schinkel niemals portraitiert hat. Ob der Maler Wolf, dem man jetzt in Charlottenburg die Autorschaft zuschreibt, der richtige ist, ist freilich ebenso fraglich Durch Vermittlung des Kunsthändlers Hofer – München 1968 an die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten gekommen, hängt das Bild (das einzige Portrait der Ehefrau des Oberlandesbaudirektors) jetzt an bevorzugter Stelle im Schinkel-Pavillon. Es  wird nach Auskunft der Wächter viel besucht. Der Sohn Schinkels war Oberförster, später Güterdirektor der galizischen Herrschaft Nordworssa, mit deren Besitzer er von dem gemeinsamen Studium auf der Forstakademie Eberswalde eng befreundet war. Er hatte zwei Söhne aus zweiter Ehe, nämlich Theodor Alexander, Maler in Berlin, und Friedrich Clemens, Verlagsbuchhändler in Berlin und Leipzig. Der Letztere hatte zwei Kinder, eine Tochter Hertha, verhelichte Claussen, und einen Sohn Friedrich Carl, Professor in Berlin. Hertha wurde schon seit dem ersten Weltkrieg in Protzen als Kind des Hauses betrachtet. Ihr Bruder ist vor Stalingrad gefallen.

 

Katharina Legde mit (in Protzen 1889-1947) an ihrem 90. Geburtstag 1960, Urgroßnichte Schinkels, mit ihrer Kusine 3. Grades Hertha Claussen geb. Schinkel, einer Urgroßenkelin. Hertha Schinkel war früher oft in Protzen und wohnte dann im  Schinkelzimmer.

Fortsetzung Historischer Rundgang

18 Balkon

Er hatte eine ziemlich hohe Schutzmauer über dem Innenhof und war in seinem Ostteil überdacht. Hier Tisch, Bank und Stühle sowie hinter einer Wandtür das obere Ende des Geschirraufzugs von der Küche. An der Westseite Tür zum 19 Kinderzimmer.        

 

2006 Blick vom oberen Treppenflur auf den Hof. Hier ging es früher zum Balkon.

19 Kinderzimmer        

 

Hier schlief immer der kleinste Junge. Zugleich Waschzimmer für alle Kinder. Medizinschrank, Tür zum Elternschlafzimmer, Waschtisch, Ofen, Wickeltisch, Tür zum südwestlichen Treppenflur, Fenster zum Kuhstall, Doppeltür zur Prinzenzimmer, Kinderbett, Schrank. Heute Teil des Museums.

im Museum: eigenwillige Unterwäsche
Tapete von 1889 (Jahr der Hochzeit von Paul Legde mit Katharina, geb. Selmer

20 Prinzenstube

Sterbezimmer des Prinzen Heinrich. Heute Museum.

2006 Museum (früher Prinzenstube)

Zwischen den beiden Fenstern zum Kuhstall Bücherschrank, darüber Kuckucksuhr. An der jetzt großenteils abgerissenen Nordwand mein Schreibschrank, die Tür zum langen schmalen Flur, ein großes Spielzeugregal. Am Schornstein in der Zimmerecke ein weißer Kachelofen mit orangefarbenen Partien. Meist abgeschlossene Tür zum Schinkelzimmer. Drei Kinderbetten. In der Zimmermitte Tisch, darüber Lampe und Fliegenfänger.

21 Flur

Heute in der Mitte zugemauert. Der Westteil („ehem. Alkoven“) jetzt Teil der früheren Prinzenstube.

2006 ehem. Alkoven. Links Tür zum Schulmuseum (früher Gästezimmer) . Die Wand geradeaus gab es früher  nicht.

 

Der Ostteil mit Tür zum Treppenflur heute Abstellraum. Früher ein langer schmaler Flur mit Fenster zum Kuhstall am einen und einem schwarzgoldenen Vorhang am anderen Ende. Auf der Nordseite Türen nach 22, 23 und 24. Auf der Südseite Elektrokasten, Tür zur Prinzenstube und in der Flurmitte großer Spiegel. Rannte man im Nachthemd vorbei, so witschte im Spiegel ein Gespenst vorüber.

22 Vorratskammer

Sie war nur mit der Klinke zu öffnen, der auf dem Elektrokasten lag.

23 Gästezimmer

Hier wohnte im Winter das Kinderfräulein, dessen Sommerzimmer nicht heizbar war. In der warmen Jahreszeit kleines Gästezimmer,

24 Großes Gästezimmer

für besonders zu ehrende Besucher.

Die Räume 22, 23 und 24 mit je einem Fenster zur Dorfstraße sind heute zu einem großen Museumszimmer vereinigt.

2006 Schulmuseum mit Fenster zur Dorfstraße (früher Fenster der Abstellkammer)

 

25 Omas Esszimmer

Heute Teil des Museums. Die jetzt offene Tür von 24 war verschlossen. Mittelfenster zur Dorfstraße. Zum Treppenflur eine Doppeltür. Schränkchen mit Keksvorrat, Büfett. In der Zimmermitte Esstisch mit Stühlen. Hier aßen gewöhnlich Oma und ihre Haushälterin.

Durch die Tür nach Osten in 26 Omas Schlafzimmer.

26 Omas Schlafzimmer

Lila gehalten. Zwei Fenster zur Dorfstraße. In der Nordostecke Omas Schreibschrank. Chaiselongue oder Sofa mit Tisch. An der Wand wohl Kahnfahrt des jungen Friedrich vor Schloss Rheinsberg. Türen zum Bad und zum Wohnzimmer. Kachelofen. Doppeltür zur Toilette. Omas Bett. Darüber riesiger Kaulbach-Stich „Die Eroberung von Jerusalem durch Titus“ mit einer Unzahl von Personen und teilweise schrecklichen Begebenheiten.

 

Wilhelm von Kaulbach 1846: Die Zerstörung von Jerusalem durch Titus

(Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/c/c7/Kaulbach_Zerstoerung_Jerusalems_durch_Titus.jpg/400px-Kaulbach_Zerstoerung_Jerusalems_durch_Titus.jpg)

Ein von Opa Legde geschnitztes Holzschränkchen.

27 Badezimmer

mit Fenster zum Speicher und Tür zur 28 Abstellkammer

28 Abstellkammer

mit Fenster zur Dorfstraße.

Die Räume 26, 27 und 28 sind jetzt zum Schulungs- und Vereinszimmer der Feuerwehr vereinigt.   

2006 Blick auf die Dorfstraße (aus dem Feuerwehr-Raum)
Feuerwehr-Raum 2006

29 Obere Toilette

Heute Abstellraum. Nur die Tür zum Treppenflur ist geblieben. Früher besaß dieser vielbenutzte Raum auch eine Doppeltür zu Omas Schlafzimmer (Fritz Funcke: „Bei euch herrschen ja archaische sanitäre Verhältnisse!“) An der Wand ein Blatt mit blauen Buchstaben und Omas charakteristischer Handschrift: „Es dürfen keinerlei Abfälle .... in das Klosett geworfen werden.“ 

30 Omas Wohnzimmer

wurde von mir „enge Stube“ genannt. Kachelofen. Heute zugemauerte Tür zu Omas Schlafzimmer. Opas Bild von Maler Streitenfeld.

Paul Legde (Streitenfeld)

Der Ledersessel, in dem Opa am 2. Juli 1932 beim Mittagsschlaf gestorben ist. Fenster mit Blick auf den Speicher. Bücherschrank mit Schätzen: Kiplings Dschungelbuch, die beiden Bände Vehse „Illustrierte Geschichte des preußischen Hofes“. Rotes Sofa, roter Sessel, Tisch, Stühle.

Über dem Sofa Kopien der Bilder von Generalarzt Dr. Seidler und seiner ersten Frau.

Generalarzt Dr. med. Johann Gottlieb Seidler mit seiner ersten Frau Henriette, geb. Groschke.  Seine 2. Frau Sophie Elisabeth, geb. Wagner, ist die Tochter der Schwester von Karl Friedrich Schinkel und die Großmutter von Katharina Legde.

 

Tischchen mit zweigeteiltem Radio. Tür zu einem kleinen 31 Flur

31 Flur

mit Tür zu 32 und Durchgängen nach 33 und zum oberen Treppenflur.

32 Gästezimmer 

mit Fenster Richtung Speicher. Hier wohnte unser Vetter Hans-Jürgen Legde, wenn er sich in Protzen aufhielt. 

Die Räume 30, 31 und 32 bilden heute das Zimmer des Inselvereins.

33 Flur

mit Zugang zum oberen Aufzugende, Fenster zum Innenhof und Ende im südöstlichen Treppenhaus. Drei Türen nach Osten: 34 Omas Speisekammer,  35 Omas Küche. 36 Schmidtchens Zimmer.

34 Omas Speisekammer

35 Omas Küche

mit Schornstein

 

Die Räume 33, 34 und 35 sind jetzt zum Billardzimmer zusammengefügt.

 

Billardzimmer 2006

36 Schmidtchens Zimmer

Zimmer von Omas Haushälterin – lange Zeit Mariechen Schregel geb. Schmidt aus Jabel bei Wittstock.  

Wir gehen die zweiläufige Treppe (46) hinunter und verlassen das Haus durch die Tür an der Parkseite des südöstlichen Seitenflügels. Dieser Flügel, der Innenhof und der Südteil der Mitte des Hauptflügels sind nicht unterkellert. An der Treppe zum Innenhof vorbei geht es an der Parkseite des Südwestflügels eine Steintreppe hinunter zum Kellereingang. Heute befindet sich die Tür in der Hauswand am oberen Ende der Kellertreppe. 

37 Luftschutzkeller

 

Die drei Kellerräume, die hintereinander unter dem Südwesten und dem  Nordwesten des Hauses sowie dem Norden der Mitte seines Hauptflügels liegen, weisen in ihrer Längsrichtung Tonnengewölbe auf. Mit ihren sehr starken Mauern sind sie wohl erst beim Neubau um 1753 errichtet worden.

Der erste Keller wurde im Krieg als Luftschutzkeller genutzt. Bei Fliegeralarm stand der Dackel Schuft jaulend als erster auf der Kellertreppe vor der gepolsterten Tür. Wie oft wurde hier „Mensch ärgere dich nicht“ gespielt, während die britischen und amerikanischen Bomber über uns hinweg nach Berlin flogen.

38 Heizkeller

Zwischen 1925 und 1930 erhielt das Haus Zentralheizung. Die Arbeiten wurden durch eine Berliner Firma vorgenommen, weil den Neuruppiner Unternehmen die Aufgabe zu groß war. Im mittleren der drei Keller mit Tonnengewölbe befand sich die Heizanlage. Hier lagerte auch der Koks. Als etwa Zwölfjähriger bemerkte ich beim Versteckspielen, dass es von der Höhe des Koksberges hinunter ostwärts in eine dunkle Öffnung ging, in die wir dann mit Taschenlampen vordrangen. Als wir von unserer Entdeckung berichteten, waren die Erwachsenen keineswegs überrascht. Es handelte sich um den 39 Champignonkeller.

39 Champignonkeller

Er besaß keinen Lichtschacht nach außen, auch kein elektrisches Licht. Früher waren hier Pilze gezogen worden. Kurz vor Kriegsende haben wir hier eine gefüllte Truhe vergraben. Sie wurde nicht entdeckt, später heimlich ausgegraben und mit Inhalt und einigen anderen Stücken über Neuruppin und Hamburg gerettet.

Die gerettete Truhe

 

Der Champignonkeller war nach Osten durch eine Wand begrenzt, die nur ein siebartiges Fensterchen besaß. Heute ist der Durchgang offen in den 40 Obstkeller

40 Obstkeller

unter dem Nordosten des Hauses. Er gehört zu den drei Spitzbogen-Kellern, dem ältesten Teil des Gutshauses. Dort befinden sich noch weitere 41 Keller.

41 Keller

Der nächste dieser Keller unter dem Osten des Hauptflügels war ein Durchgangs- und Vorratsraum. Als kleiner Junge musste ich hier immer an das Märchen von der klugen Else und der Kreuzhacke denken. Von diesem Keller führten eine Tür nach Westen in den Weinkeller und eine Treppe nach Süden hinauf zur Küche.

42 Weinkeller

Hier lagerte, was die Eltern an Wein besaßen. Nach Westen führten wenige Stufen zu einer kleinen Plattform hinauf, die nach drei Seiten durch Wände begrenzt war. Ich habe, von niemand gehindert, gegen Kriegsende eine Wand aufgebrochen und lose Erde, Steine und verkohltes Holz gefunden. Ich nehme an, dass von hier nach 04 die Kellertreppe des Vorgängerhauses verlief, die beim Neubau von 1753 nicht mehr gebraucht, zugeschüttet und vermauert wurde.

 

Keller während des Umbaus

 

43 Küche

Über die Kellertreppe geht es hinauf in die nicht unterkellerte Küche, den etwas tiefer gelegten und dadurch höchsten Raum des Hauses. Sie besaß einen Steinboden. Neben der Kellertür im Uhrzeigersinn ein Wandschrank und zwei Treppenstufen hinauf zur 08 Anrichte. Den Durchgang zum Hauptflügel gibt es heute nicht mehr. Die Küche wird als Friseursalon genutzt und besitzt eine Zwischendecke.

Küche während des Umbaus

Unter dem Fenster zum Speichergebäude ein großes Becken mit Wasserhahn. Als Kind hatte ich die Vorstellung, dass hier wie im Märchen eine Ente auftauchen könnte. Weiter zu dem Ort, wo die Eintagsküken gewärmt wurden. Vom Schornstein her ragte der große Herd in die Küche. Davor ein Arbeitstisch, unter ihm Schufts Fressnapf. Neben der südlichen Küchentür das Heizmaterial für den Herd. An der Wand ein wachstuchbezogener Esstisch mit Stühlen und an der Ecke einem großen Salzkasten. Zwischen dem Tisch und der Kellertür Zugang zu einem kleinen 44 Flur.

44 Flur

Hier begann der Speisenaufzug zum Balkon. Für die Benutzung durch Kinder war er nicht gedacht. Nun ja. Die heute stark genutzte Haustür zum Innenhof war verschlossen. Die Tür zu dem Raum, der heute als WC dient, gab es wohl noch nicht.

45 Vorraum

Der Durchgangsraum südlich der Küche besaß eine Zwischendecke, war dadurch niedrig und wirkte dunkel. Er erwachte zum Leben, wenn draußen an der Waschküche ein Schwein geschlachtet wurde. Heute Aufenthaltsraum. 

46 Treppenflur

Wir verlassen das Haus diesmal nicht durch die Haustür in Richtung Park, sondern gehen die zweiläufige Treppe hinauf. An ihrem unteren Ende die jetzt nicht mehr vorhandene und früher meist zugeschlossene Tür zu einer 47 Kammer.

47 Kammer

In der Kammer befanden sich vor allem Weckgläser. Heute von 44 Flur her zugängliches WC. Ob der Raum durch eine Zwischendecke niedrig war und sich über ihm eine vom Mittelabsatz der Treppe her zugängliche weitere Wirtschaftskammer befand, weiß ich nicht mehr. An diesem Mittelabsatz, also der halben Treppe zum Obergeschoss, jedenfalls die Tür zu 48 Bad und WC.

48 Bad und WC

für das Hauspersonal, dem halbhohen Raum über 45. -  An 36 Schmidtchens Zimmer im Obergeschoss vorbei führt die wiederum zweiläufige Treppe hinauf in den kaum genutzten südöstlichen 49 Bodenraum.

49 Bodenraum

Erinnerlich ist mir ein etwas gruseliges Bild mit einem durch Unterholz herankommenden Fuchs. Am Ende des Bodenraums nach Osten die Tür zu 50 Veras Zimmer.

50 Veras Zimmer

Das östliche der drei Schlafzimmer mit je einem Fenster mit Blick über den Balkon hinweg auf Innenhof, Lindenallee und Park. Hier wohnte im Krieg Vera Gühl, später verheiratete Neumann, aus der Walchower Grund. – Vom Bodenraum geradeaus geht es in den 51 Flur

51 Flur

des Dachgeschosses des Hauptflügels. Nach Osten

52 Schlafzimmer

 

für eine Hausangestellte. Fenster zum Speicher. Vom Flur nach Norden in ein weiteres 53 Schlafzimmer

53 Schlafzimmer

für eine weitere Hausangestellte mit zweitem Dachfenster zum Speicher. Heute sind diese beiden Schlafzimmer Kinderzimmer der im Dachgeschoss eingerichteten Wohnung. In welchen Zimmern die Haushaltshilfen Maria aus dem Banat und Jenny sowie die Helferin in der Wirtschaftsführung Thea Jammermann gewohnt haben, weiß ich nicht mehr. - Den Flur entlang Tür zum 54 Bodenraum.

54 Bodenraum

erstreckt  sich über die gesamte Nordhälfte des Hauptflügels. Zwei heute beseitigte Daubenfenster zur Dorfstraße, ein Fenster nach Westen. Im Nordosten altes Spielzeug und oben ein Fenster, durch das man zum Ärger der Bewohnerin in das 53 Schlafzimmer hineinschauen konnte. Leiter zu einer Plattform über dem Flur und allen Schlafzimmern des Dachgeschosses. Neben der Flurtür zum Bodenraum wurde nach dem Krieg das Bad der Dachgeschosswohnung errichtet. – Auf der Südseite des Flurs endet die Haupttreppe des Hauses. Daneben  55 Gästezimmer

55 Gästezimmer

mit mittlerem Fenster über Balkon, Innenhof zur Lindenallee zum Park und Luch. In diesem wohl schönsten Gästezimmer wohnte bei ihren Aufenthalten in Protzen Öhme Anna Glöckner aus Neuruppin. An der Wand der Hirtenknabe von Lenbach. Hier habe ich eines der beiden eindrucksvollsten Gewitter meines Lebens mitbekommen. Dieses Zimmer und 50 Veras Zimmer sind heute zum Wohnraum der Dachgeschosswohnung vereinigt.

 

56 Gästezimmer

mit dem dritten Dachgeschossfenster mit Südblick. Heute Kinderzimmer.

57 Schlafzimmer

mit Blick aus dem Westfenster bis zur Kirche von Manker. In diesem nicht heizbaren Zimmer wohnte im Sommerhalbjahr das Kinderfräulein. Heute Küche der Dachgeschosswohnung.

Durch eine Tür zwischen 56 und 57 in den wenig genutzten südwestlichen

58 Bodenraum

und durch diesen in den südwestlichen 59 Treppenflur.

59 Treppenflur

Zweiläufige Treppe hinunter ins Obergeschoss. Hier Türen zu 19 Kinderzimmer und zum 60 Elternschlafzimmer.

Flur mit früherem Wandschrank 2006

Überbau im Treppenflur (Zugang früher durch das Elternschlafzimmer)

 

60 Elternschlafzimmer

Heute Teil des Museums. Das Elternschlafzimmer war grün gehalten. Die Möbel von Tischler Laaß. Großer heller Kleiderschrank. Tür zum 19 Kinderzimmer. Fenster zum Innenhof. Waschtisch. Tür zum kleinen Balkon, der nach dem Krieg abgerissen wurde. Tür zu einem Überbau im 59 Treppenflur mit Fenster über den kleinen Balkon zum Park, halbhohem Schuhschrank und Kleiderschrank. Doppelbett mit Nachttischen.

Im Treppenflur hinunter bis zum Mittelabsatz der zweiläufigen Treppe. Hier Tür zum halbhohen 61 Badezimmer.

Treppenflur 2006 mit Tür zum früheren Badezimmer

61 Badezimmer

Es wurde kurz vor dem Krieg gelb gekachelt. Ich war sehr stolz auf diesen modernen Raum. Waschtisch. Einbauwanne. In der nicht durchgebrochenen Fensteröffnung zum Innenhof Wandschrank. Fenster zum Park. Zwischen Wanne und Einbauschrank Tür zur 62 Toilette.

62 Toilette

Der schmale halbhohe Raum enthielt Kleinmöbel für Wäsche und ganz am Westende das WC.

Im Treppenflur vollends hinunter in den

63 Flur

im Erdgeschoss. Unter der Treppe Säcke mit Zucker von der Zuckerfabrik Nauen. Manchmal so locker zugebunden, dass eine kleine Faust sich hineinquetschen konnte. Der verfolgte Täter hinterließ eine Zuckerspur auf der Treppe. In der nicht durchgebrochenen Fensteröffnung in Richtung Kuhstall ein Wandschrank. Tür zu 13 Vaters Arbeitszimmer. Tür zu 64 Flur.

64 Flur

zur Haustür an der Westseite des Innenhofs. Vom Flur nach Süden in die 65 Kutscherstube.

65 Kutscherstube

Kurz vor dem und im Krieg, als es keine Kutscher mehr gab, wurden hier die Fahrräder aufbewahrt. Wenigstens ein Schrank. An den Wänden Bilder bekannter Zuchtbullen. Gegen Kriegsende Küche der Familie Baroni.

Der Flur 64 unter der Toilette 62 und die Kutscherstube unter dem Badezimmer 61 besaßen niedrige Zwischendecken, die heute abgerissen sind.

Im heutigen Lagerraum (früher Kutscherstube) erkennt man die Lage der Zwischendecke des früheren Bades.

Der zusammengelegte große Raum dient jetzt u.a. als Stuhllager.

An der Tür an der Westseite des Innenhofs enden die beiden Hausdurchgänge. 

2006 Haustür an der Westseite des Innenhofs 2006