www.Gutshaus-Protzen.de

Feuerwehrausstellung 2008

100 Jahre Feuerwehr Protzen

von Elke Wildt

Stand: 26. 05. 2008


Die Ausstellung zeigt einen kleinen politischen Einblick in die jeweils wichtigen Ereignisse seit Bestehen der Feuerwehr. Vom Kaiserreich bis zur BRD wurden einige Etappen kurz angerissen. Die Weimarer Republik fand keine Berücksichtigung. Die politische Entwicklung haben wir in kleinen Schaukästen dargestellt, aufgezeigt werden hierbei die jeweils gültigen Flaggen, ein Bild des politischen Führers und eine kurzer Abriss der Bevölkerungszahlen. Des weiteren ist ein jeweils aus der Zeit stammende Schulatlas beigelgt in dem die Staatsgröße zu erkennen ist. Es wird ebenfalls die zu der Zeit gehörige Währung mit ausgestellt.

Auch zeigen wir in Bildern unserer eigene Dorfgeschichte mit einigen wichtigen Ereignissen, Fakten, Zahlen und Bildern.

Zur Feuerwehr Ausstellung selbst: Gezeigt werden Kopien von Dokumenten, in der die Feuerwehr Protzen erwähnt wird, unter anderem aus dem Gründungsjahr 1908. Die Ausstellung ist gegliedert in verschiedene Abschnitte, die sich an die Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts orientieren 1908 / 1910-1919 /1920-1929/ u. s. w..

Aufgebaut ist die Ausstellung in dem jetzt von der Feuerwehr genutzten Versammlungsraum, so dass man bei einem Rundgang die Möglichkeit hat, in die Geschichte einzutauchen. Zu den bedeutendsten Stücken unser Ausstellung zählen die TS (Tragkraftspritze) und Uniformen aus den Anfängen von 1950 bis in die heutige Zeit.

 

1998: 90 Jahre Feuerwehr in Protzen

 

 

November 1947- Dezember 1949

Der 2.Weltkrieg ist beendet. Die Flüchtlinge sind zum größten Teil angekommen und in den verschiedenen Orten untergebracht. In die Gemeinden ist wieder ein mehr oder weniger normales Leben eingezogen.
Das heißt aber auch für die Kommunalpolitiker, dass die Infrastruktur wieder hergestellt werden muss.
Schulen gab es bereits wieder, nur lag das gesellschaftliche Leben noch brach.

Die Feuerwehr, die laut älteren Ortsansässigen im Mai 1908 gegründet wurde, sollte wieder belebt werden. Diese war auch notwendig, denn der bestehende wirtschaftliche Mangel brachte viele kleine Brände mit sich. Es gab nämlich in fast jedem Wohnraum Holz bzw. Kohleöfen, aber nicht immer die entsprechenden Eimer für die Asche und das Feuerungsmaterial. Heiße Asche wurde schon mal in einem Pappeimer nach draußen gebracht und das Holz in einem ähnlichen Eimer vor dem Ofenloch gelagert. Diese und viele kleine andere Gewohnheiten konnten schnell zu kleinen Bränden führen und diese hätten ebenso gut auch Großbrände auslösen können.
So war eine der Aufgaben, die die neu organisierte Feuerwehr zu übernehmen hatte, dass Brandvorschriften im Haushalt eingehalten wurden.

Zum Beispiel, dass ein Ofen nicht auf Holzdielung stehen durfte, sondern eine Blechtafel darunter sein musste. Bei Kachelöfen musste eine feste Betonplatte unter dem Ofen sein. Auch wurde darauf geachtet, dass vor dem Feuerloch immer eine mindestens 40x 60 cm große Blechtafel angebracht war, das so genannte Ofenblech.

Um diese Aufgaben zu erfüllen, musste erst einmal eine Feuerwehr da sein.
So wurde am 29. November 1947 die erste Versammlung einberufen. In dieser wurden der Wehrführer bekannt gegeben, die Wahl für den Löschzug Protzen durchgeführt und beschlossen, neue passive Mitglieder zu werben.

FFW Protzen 1947
Wehrführer Hermann Schulz
Gruppenführer Bruno Kujas
Paul Dräger
Kassenführer Franz Böldicke
Schriftführer Wilhelm Falkenberg

Gleichzeitig wurde auch bekannt gegeben:
In Neuruppin befindet sich das Kreisbrandschutzamt. Kreis- Brandinspektor ist Kamerad Beuthin, Abschnittsleiter Kamerad Pawlowski und der Bezirksleiter der Bezirksbrandmeister Poels.

In dieser ersten Versammlung wurde auch festgestellt, dass alle Unterlagen der einstigen Feuerwehr vernichtet sind.

17. November 1948
Der erste Scheunenbrand in unserer Gemeinde

17.11.48 19.00 Uhr die Feuerwehr wurde alarmiert.
Nachbarwehren konnten wegen gestörter Telefonleitungen nicht informiert werden. Zur Unterstützung kam ein Löschzug von der Ruppiner Wehr um 22.00 Uhr war der eigentliche Brand gelöscht.
Nach diesem Brand wurde beschlossen, zwei weitere Wasserentnahmestellen eingerichtet.


Am 12. Januar 1949 trat der Wehrführer Hermann Schulz aus persönlichen Gründen zurück und Bruno Kujas wurde zum Wehrführer gewählt, sein Stellvertreter wurde Robert Laaß.

03. April 1949 wieder brannte eine Scheune. Diesmal eilten aber 11 Wehren zur Hilfe. Es wurde mit Handdrückspritzen und Tragkraftspritzen gelöscht.
Am nächsten Tag halfen noch einige Wehren die Zisterne bei Kleer wieder zu befüllen. Um diese Aufgabe zu bewältigen musste sich die Feuerwehr noch 10l VK (Vergaserkraftstoff) borgen.

09. Mai 1948
40 Jahre Freiwillige Feuerwehr Protzen

Festprogramm (Siehe Kopie, Eintrag aus dem Protokollbuch der FFW Protzen)

Den Gründungstag unserer Wehr feierten wir im Kreise der noch lebenden Mitbegründer und der ganzen Gemeinde.


11.oo- 11.3o Ausrücken der eingeladenen Wehren.( Walchow, Manker, Küdow, Lüchfeld, Stöffin und Neuruppin
11.3o Vorführung der Gruppe (Übungsmäßig) Heimwehr.
12.oo Brandmanöver unter Mitwirkung aller geladenen Wehren
Anschließend Kritik durch den höchsten anwesenden Feuerwehrführer.
13.3o Propagandafahrt durch Protzen
15.oo Festversammlung mit Ansprachen
1). des Feuerwehrführers
2). des Bürgermeisters
3). des Abschnittleiters
4). des Kreisoberbrandinspektors
Anschließend Kindertanz
20.oo Tanz bei Böldicke und Gädicke


Der erste Einsatz

Nein, kein Feuer!

30. November 1947:

Das Gerätehaus wird gereinigt und aufgeräumt.

Am 26. Februar wurde dann die erste Einkleidung vorgenommen.
Stahlhelm, Koppel und Steigergurte und Jacken.

Am 29. Februar 1948:

Die vorhandene Feuerspritze sollte nach dem ersten missglückten Versuch erneut erprobt werden. Sie hatte auch beim zweiten Versuch wieder einen Ventilbruch und diesmal war auch die Ansaugvorrichtung defekt. Die Spritze wurde sofort nach Neuruppin zur Reparatur geschafft.

An mehreren Tagen erfolgten nun Übungen für den 9.Mai 1948.
40 Jahre FFW Protzen. Damit dieser Tag gebührlich gefeiert werden konnte, wurden alle Festsäle gesäubert und geschmückt.

17. November 1948

Der erste Einsatz, diesmal wirklich Feuer. Leider ist nicht bekannt, was brannte. Nur, dass sich in der Nacht 5 Kameraden zur Wache ablösten, um ein erneutes Aufflammen zu verhindern. Am 18. November trafen sich um 13.00 Uhr alle Männer, um die Zisterne wieder zu befüllen (70 cbm Wasser), um 17.00 Uhr war dann alles wieder fertig.

Am 20. November wurde dieser erste Einsatz ausgewertet. Es gab Kritik von der ganzen Gemeinde. Der Bürgermeister wurde darum gebeten, noch zwei weitere Wasserentnahmestellen einzurichten.

12. Januar 1949:

Der Wehrführer Hermann Schulz tritt zurück, neu gewählt wurde Bruno Kujas. Der Vorschlag wurde einstimmig angenommen. Kamerad Robert Laaß wurde Stellvertreter. Es folgten nun monatliche Versammlungen mit Unterweisungen im Brandschutz, im Umgang mit der Motorspritze und zur Brandverhütung.
Am 25. März gab es um 18.00 Uhr einen Probealarm, es wurden alle Schläuche aufgehängt.

03. April 1949
Diesmal kein Probealarm: 20. 00 Uhr, die Sirenen gingen, es brannte eine Scheune (Habermann). 11 Wehren waren vor Ort. Protzen arbeitete mit Tragkraftspritze und Handspritze. Umliegende Stallungen und Strohscheunen konnten gehalten werden. Um 22. 00 Uhr war der Brand dann gelöscht. Es wurde bis zum Folgetag um 13.00 Uhr eine Brandwache gehalten. Am 4 April ab 7.00 Uhr begannen die Aufräumarbeiten, um 19.00 wurden dann die Schläuche zum Trocknen aufgehängt. Die Zisterne wurde am 10. April mit Unterstützung der FFW Manker wieder gefüllt. Doch diese Befüllung war nicht ohne Probleme. Erst ist der Verteiler der FFW Manker geplatzt und 3 Schläuche der Wehr aus Protzen hielten diese Belastung auch nicht aus. Am 18. April kam die Stöffiner Wehr zu Hilfe, um die Zisterne zu befüllen, doch auch Sie hatten Pech. Nach 4- stündigem Einsatz ging der Motor defekt. Und von der hiesigen MAS mussten noch 10l VK ( Vergaserkraftstoff) geborgt werden.

Am 10. Juli erfolgte einen Kontrolle der Protzener Wehr durch den Bezirkskommandeur und nur zwei Tage später erfolgte die Erfassung der Wehr und die Ausgabe von Ersatzausweisen. Das Jahr endete mit einem Fackelzug Ende September und Übungen für den Ernstfall.

07.März 1950

Um 21.40 Uhr Alarm: Wieder ein Scheunenbrand ( Krause).
Es ist seit Ende des Krieges der 3., hierzu gibt es einen ausführlichen Bericht.
Es sollte aber nicht der einigste in diesem Jahr sein. Am 2. Juli wurden die Kameraden mit Spaten zur MAS geordert und um von dort aus zur Unterstützung beim Löschen eines Waldbrandes in Seegeletz und Dreetz auszurücken. Es waren auch Waldstücke hiesiger Siedler betroffen. Um 21.00 Uhr kam die erste Brandwache zurück und um 8.00 Uhr des folgenden Tages die 2.Wache.
Zum Erntefest im Oktober fand ein Fackelzug für die Schulkinder statt, dieser wurde von den Kameraden begleitet. Ansonsten bestimmten Übungen und Versammlungen das Feuerwehrleben bis zum

06.Dezember 1951
Wieder Feueralarm, Diesmal eine Strohmiete, die von Fam. Klisch.
Feuerwache bis 1.00 Uhr Nachts.

04.Januar 1952
Um 19.00 Uhr ertönte die Sirene, Feueralarm. Die Feldscheune der Familie Janicke brannte, angrenzende Gehöfte kamen nicht zu schaden. Bei den Löscharbeiten kamen zur Unterstützung aus den Gemeinden Manker, Walchow, Langen, Küdow, Dabergotz, Neuruppin und Fehrbellin die Wehren.
In diesem Jahr ging es schlag auf Schlag.

25. Februar 1952
Es ist 23.45 Uhr, wieder ertönt die Sirene, Feueralarm. Die Scheune von Wilhelm Lange steht in Flammen. Wasser erst um 0.35Uhr aus Neuruppin. Um 2 .00 Uhr Einteilung der Brandwachen.

05. März 1952
Wieder Sirenen, wieder Alarm. Eine Heumiete im Luch. Familie Herm war davon betroffen. Es war Brandstiftung, der Täter wurde überführt.
In diesem Jahr sollte es dann nicht mehr brennen. Trotzdem gab es noch viel Aufregung nicht nur wegen dem Feuerwehrball im März. Und der mangelnden Zeit der Kameraden im Sommer. Wegen damaliger zu hohen „Arbeitsspitzen“, sondern auch wegen der Maul- und Klauenseuche. Diese führte zu einem Verbot von Treffen im November. Am 29.Dezmber, zum Jahreswechsel, fand dann die letzte Versammlung für 1952 statt. Es wurden Dienstausweise und Uniformen ausgegeben.

Das Jahr 1953 war durch mehrfache Übungen an der Zisterne und an den anderen Wasserentnahmestellen geprägt.
Die Versammlungen wurden im Frühjahr durch Schulungen zu Verschiedenen Themen bereichert und fanden wie es jetzt schon Tradition ist im Gasthaus Böldicke statt. Am 13.Mai wurde um 21.00 Uhr Alarm gegeben: Ein Wiesenbrand im Luch (Bauer Kelch). Die Jahre 54 und 55 verliefen ebenso ruhig wie das Vorjahr. Alarm gab es nur zu Übungszwecken, was die Wehr sehr erfreute und am 26. Dezember zum Feuerehrball musste nur der Durst der Kameraden gelöscht werden. Doch so ruhig sollte es nicht bleiben.

18. Januar 1957
20.00 Uhr die Sirenen heulten auf. Diesmal keine Übung sondern ein Ernstfall. Die Scheune der Familie Leusch brennt. Die Wehren von Fehrbellin und Neuruppin kamen zu Unterstützung. Am 06.Juni brach nochmals bei Leusch ein Feuer aus. Dieses konnte aber gleich in seinen Anfängen gelöscht werden.
Im Juli musste die Wehr wieder ausrücken. Zwei Fuhren Heu der LPG standen in Flammen. Ursache Funkenflug vom Traktor.

13.August 1957
Der Feuerteufel schlug wieder zu. Dieses mal war es die Scheune von Gottschalk`s. Auch hier bekam die FFW Protzen Unterstützung von den Wehren aus Neuruppin und Fehrbellin. Es folgten wieder Brandwachen.

Die Jahre 1958- 1959 waren von den angenehmen Seiten des Lebens geprägt. Im März fand ein Maskenball mit Prämierung der schönsten Kostüme statt. Im Mai wurde der 50te Jahres Tag der Freiwilligen Feuerwehr Protzen gefeiert und im Dezember gab es den alljährlichen Feuerwehrball. Es musste viel Organisiert werden, Trotzdem wurden die Versammlungen, Schulungen und Übungen nicht außer acht gelassen. Es entstand ebenfalls eine Sturmbahn.

In den Jahren 1960 und 1961 konnten wie schon in den Vorjahren viele neue Mitglieder gewonnen werden. Es fanden monatliche Schulungen und Versammlungen statt, es wurden Wettkämpfe ausgetragen und gefeiert.

04.08.1960 /06.12.1961

23.10.1963
An diesen Tagen musste die Wehr zum Löschen zweier kleinerer Brände ausrücken. Ein Scheunenbrand bei Falkenbergs, der im Keim erstickt werden konnte und ein Wohnwagenbrand der Milchader Berlin. Beide Brände wurden mit Unterstützung der Wehren aus Fehrbellin und Neuruppin gelöscht. Im Oktober 1963 wurde ein Entstehungsbrand in der Schmiede von Messow gemeldet. Dieser konnte sofort gelöscht werden.
Am 01.Januar 1964 die Arbeitsgruppe Junge Brandschutzhelfer gegründet sich und es wurde mit der Ausbildung begonnen.
Die Gründung der Frauengruppe der FFW Protzen fand am 29. Januar 1966 statt. Jungebrandschutzhelfer, sowie die Frauengruppe wurden ermuntert an Schulungen und Leistungsvergleichen teilzunehmen

1968 Scheunenbrand, es war die letzte große Bauernscheune.

Am 09.10.1970 wurden mehrere Kameradinnen und Kameraden befördert.

27.01.1973
Die Scheune bei Kelch wurde erneut Opfer der Flammen, Alarm um 17.45 Uhr. Löschzüge aus Manker, Fehrbellin, Stöffin und Protzen waren im Einsatz. Es konnte verhindert werden, dass die Flammen nicht auf die MTS übergreifen. Aber wie bei allen anderen Bränden waren hier nicht nur die Wehren im Einsatz, sondern Jung und Alt um zuzusehen.

01.09.1976
Die Ruine der Protzener Windmühle brennt. Alarm wurde um 03.15Uhr gegeben. Eine Brandursache wurde nicht festgestellt.
Dorftratsch: Der Brand wurde gelegt, damit sich Jugendliche dort nicht mehr heimlich mit ihren Freunden treffen können. Natürlich ging es um Jungs und Mädchen.
Das Jahr 1976 bestand aus Schulungen, Ehrungen und Leistungsvergleichen, dem wiederkehrenden Ablauf eines Feuerwehrjahres. Doch da war noch mehr. Das alte Spritzenhaus wurde zu klein, die Gasthäuser waren zu.
Große Fragen: Wo treffen? Wo üben? Wo die Schulungen abhalten? Es wurde ein neues Gerätehaus errichtet. Wie so oft üblich mit Unterstützung der Gemeinde, aber ansonsten in Eigenleistung. Der Traktor der LPG oder der Gemeinde waren mit im Einsatz. In den folgenden Versammlungen wurde immer wieder der Punkt „Arbeiten am Gerätehaus“ besprochen. Trotz der anstrengenden Zeit des Bauens mussten alle anderen Aufgaben weitergeführt werden. Brandschutzkontrollen in allen Haushalten und öffentlichen Einrichtungen, Schulungen und Ausscheide und die Jugendarbeit in der Wehr, alles wurde bewältigt. Am 30.04.1978 wurde das Gerätehaus endlich eingerichtet. Es konnte dann zum 70sten Jahrestag übergeben werden.

In den Jahren zwischen 1970 und 1979 wurden noch einige kleinere Brände gemeldet und gelöscht. Keller- und Küchenbrände waren dabei. Sie konnten alle unter „Entstehungsbrand“ verbucht werden, da sie frühzeitig erkannt wurden und keinen größeren Schaden verursachten.